Mad Max: Fury Road

Was für ein wahnwitziger Ritt auf der fahrenden Kanonenkugel! Tut mir leid, Marvel, aber die Auszeichnung "Actionfilm des Jahres" trägt eindeutig
Mad Max - dicht gefolgt von
Kingsman. Das kann man kaum in Worte fassen, das muss man einfach erleben. Eine schmutzige, erwachsene, irrsinnige, fantastisch choreographierte, audiovisuell fesselnde, spannende und brillant auf den Kern des Genres heruntergebrochene Action-Ekstase. Ein Endzeit-Ballett, welches das Gaspedal gleich bis zum Bodenblech durchdrückt und genau so, ohne auch nur irgendwann das Tempo zu reduzieren, durch die Ziellinie brettert!
Normalerweise beginnt ein Film langsam, nimmt sich Zeit für Charaktere und Geschichte, baut dann gemächlich einen Spannungsbogen auf, der irgendwo im letzten Drittel seinen Höhepunkt erreicht und daraufhin wieder abflacht, um die Erzählung ruhig abzuschließen.
Mad Max hingegen befasst sich anfänglich kurz mit den groben Rahmenbedingungen, setzt dann zur ersten Actionszene an und... ja, zieht diese eine Actionszene tatsächlich, ohne nenneswerte Unterbrechung, bis zum Abspann durch! Um das ein wenig zu verdeutlichen ein kleines Bild:
So ungefähr darf man sich den Verlauf von
Mad Max tatsächlich vorstellen - kein Scherz. Schaut euch den Trailer an und stellt euch das zwei Stunden lang vor. Dieser Film ist eine einzige Verfolgungsjagd, die keine Zeit zum Durchatmen lässt. Am erstaunlichsten ist dabei, dass trotz seines belanglosen Plots, des augenscheinlich abwechslungsarmen Settings und der minimalistischen Dialoge - wenn man die Satzfetzen zwischen den einsilbigen Charakteren und dem meist nur grunzenden Max überhaupt als solche verstehen möchte - eine unglaubliche Sogwirkung und Spannung entfaltet wird, die von Anfang bis Ende fesselt. Die Bild- und sicherlich auch Ton-Sprache ist schlicht und ergreifend gigantisch und erzählt die Geschichte dabei ganz ohne reale Worte. Wie sich die Charaktere im Verlauf zeichnen, ohne auch nur ein einziges umfangreiches Gespräch zu führen, ist unbeschreiblich. Stellvertretend für die inszenatorische Genialität erwähne ich einfach mal das erste Aufeinandertreffen zwischen Max und Furiosa, in dem die Persönlichkeiten und ihre Beweggründe in wenigen, wortlosen Filmminuten deutlicher gemacht werden als in den gesamten drei Stunden eines
Transformers 4. Wie hier mit Bild, Ton und nicht zuletzt der Körpersprache der grandiosen Darsteller umgegangen wird, ist Kino auf höchstem Niveau.
Was soll ich groß um den heißen Brei herumreden?
Mad Max: Fury Road ist purer, epischer Punk-Rock! Handgemachte und gerade dafür absolut beeindruckende Endlos-Action, unzählige schräg-schöne Designideen (beispielsweise Details wie der Mercedes Stern als Fadenkreuz), ein fulminanter, wummernder Soundtrack, ein nicht minder gelungenes Sounddesign, visuell bestechende und aufregende Aufnahmen, eine sicherlich vernachlässigbare, aber kurzweilig motivierende Handlung, stark aufspielende Schauspieler und eine Inszenierung, die... ja, die perfekt ist. Besser, packender und authentischer kann man eine derartige Endzeit nicht umsetzen. Man schmeckt förmlich das Öl, spürt die Hitze und riecht die verbrannte Erde. Irre! Irre gut! Und meiner Meinung nach auch deutlich besser als die nicht sonderlich gut gealterten Gibson-Vorgänger.
3D war übrigens auch einwandfrei. In Momenten wie dem Sandsturm sicherlich auch ein gewisser Mehrwert. Wobei ich jeden verstehen kann, der gerne darauf verzichtet. Störend war es diesmal jedoch nicht, eher sogar empfehlenswert.
9/10 Blutbeutel
Die 10/10 gibt's dann für die Fortsetzung mit etwas mehr Inhalt.
