Kingsman: The Secret Service
"Es ist doch eine Bulldogge, oder?!"
Matthew Vaughn, ein Autor und Regisseur mit nur einem Ziel: Unterhaltung! Sein Regie-Erstlingswerk
Layer Cake war sehr gut,
Der Sternwanderer (seitdem hat er auch immer das Drehbuch seiner Filme verfasst) fantastisch, mit
Kick-Ass lieferte er meinen Lieblingsfilm des Jahres 2010 und mit
X-Men: Erste Entscheidung verhalf er der schwächelnden Mutanten-Franchise zu neuem Glanz. Nun folgt
Kingsman: The Secret Service, ein weiterer Paukenschlag eines Mannes, der sein Fach verstanden hat und es tatsächlich schafft, sich mit jeder Produktion irgendwie noch zu steigern. Dabei folgt er auch diesmal seinem bewährten und spätestens seit
Kick-Ass erfolgserprobtem Rezept: Überzeichnete Charaktere, harte Action, Comic- und Pop-Kultur-Anleihen, Witz, Charme, ein wenig gleichberechtigter Sexismus und eine audiovisuelle Komposition, die mir regelmäßig einen wohltuenden Schauer über den Rücken laufen lässt.
Damit hat man die Zusammensetzung von
Kingsman prinzipiell auch schon erfasst. Ja, eigentlich beschreibt es der Film selber sogar am besten, wenn er sagt (sinngemäß zitiert), dass sich heutige Agentenfilme doch viel zu ernst nehmen und lediglich uralte Genrekonventionen verfolgen.
Kingsman stattdessen ist laut, bunt, lustig, skrupellos, sexy und trotzdem eine Verneigung vor dem klassischen Spionagefilm. Eine wahnwitzige Achterbahnfahrt voller detailverliebter Kostüme und Kulissen, pointierter Dialoge, spritziger Witze, Film-Zitate und fulminanten, brutalen Action-Choreographien. Ich sage nur: Kirche. Allein diese einzelne Szene hat meiner Meinung nach den Kinoeintrittspreis gerechtfertigt. Ein bildgewaltiger Gewaltausbruch, der Anmut und Brutalität in einem Actiontanz vereint. Fantastisch. Vom einfallsreichen Gänsehaut-Finale ganz zu schweigen. Erwähnt sei an dieser Stelle auch der wieder mal hörenswerte und perfekt eingesetzte Lizenz-Soundtrack.
Aber nicht nur die Inszenierung ist bis ins kleinste Detail durchdacht. Auch der Plot spielt mit Genrebausteinen, beweist immer im richtigen Moment ungewohnte Drehbuchhärte und bringt Augenzwinkern, wenn es notwendig ist. Keine neue, aber eine erfrischend umgestellte und selbstironische Geschichte. Das untermauern auch die schrägen Charaktere, von denen vor allem Samuel L. Jackson als exzentrischer Internet-Milliardär mit Sprachfehler heraussticht und allein durch seinen unansprechenden Kleidungsstil für Lacher sorgt. Dazu noch Colin
'Was kann dieser Mann nicht spielen?' Firth, ein gewohnt souveräner Mark Strong und Michael Caine, sowie vielversprechende Neuentdeckungen. Perfekt. Was will man mehr?
Wenn man überhaupt etwas ankreiden könnte - und das ist dann wirklich das an den Haaren herbeigezogene Haar in der Suppe -, ist es die etwas heterogen wirkende erste Filmhälfte, wo die einzelnen Versatzstücke (brutale Action, fast schon alberne Charaktere, mal todernst, dann wieder locker-leicht) noch wie Gegensätze erscheinen, die nicht so recht zusammenpassen und erst eingeordnet werden wollen. Hat man sich aber erst mal mit diesem, eigentlich typisch Matthew Vaughn'schen, Stil angefreundet und hat die Handlung ihre Beweggründe deutlich gemacht, gibt es kein Halten mehr.
Wer
Kick-Ass mochte, wird
Kingsman lieben. Ein irrwitziger, bitterböser, fast schon gewaltverherrlichender, charmanter, origineller, herausragend gefilmter und schlichtweg unterhaltsamer Ritt. Er ist eben (wieder ein Filmzitat) "keiner dieser Filme". Sondern etwas viel besseres. Vaughns nächster Film? Egal was es ist, ich nehme es! Der Mann hat sich spätestens mit
Kingsman einen Freifahrtschein erkauft.
Um das auch nur ansatzweise toppen zu können, bedarf es schon einer ganzen Gruppe von rächenden Superhelden.

Bin gespannt, ob da dieses Jahr in Sachen Unterhaltungswert überhaupt noch ein Film herankommt.
9/10 Happy Meals