Snowpiercer
"Know your place. Accept your place. Be a shoe."
Boom! Was für ein, in jeglicher Beziehung, wahnsinniger Ritt. Zur Handlung nur so viel: Nachdem die Menschheit in naher Zukunft versucht hat den Treibhauseffekt zu besiegen, kippte das Klima leider in das andere Extrem und es kam zu einer neuen Eiszeit, die jegliches Leben auslöschte. Bis auf einige hundert Menschen, die nun schon seit fast zwei Jahrzehnten, fein säuberlich in Unter- und Oberschicht getrennt, in einem Zug unterwegs sind. Sozusagen in einer Arche auf Schienen, die unaufhörlich über den vereisten Planeten rast.
Klingt im ersten Moment wahrscheinlich absurd, ist es in gewisser Weise auch, liefert aber die originelle Grundlage für einen fulminanten Film, der sich genau so anfühlt wie es die Produktionsländer (ein koreanisch-amerikanisches Team visualisiert hier eine französische Graphic Novel) vermuten lassen: nämlich außergewöhnlich. Außergewöhnlich auf eine absolut positive Art und Weise.
Im Vorfeld habe ich in Verbindung mit
Snowpiercer häufiger Adjektive wie "albern", "merkwürdig", "langweilig" oder "dämlich" gelesen. Kritik, die ich bei dieser Konstellation, aus französischer Comic-Vorlage, koreanischem Ausnahme-Regisseur und bunt gemischter Schauspieltruppe, für durchaus angebracht hielt. Jedoch nur so lange, bis ich das Endprodukt selber sehen durfte. Nach zwei Stunden atemberaubender Bilder, intensiver Spannungsmomente und metaphorischer Motive, bleibt mir nur zu sagen: Kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, die Kritik.
Dieser Film ist ein ganz fantastisches Werk, voller Spannung, Bedeutung, eigenwilliger Ideen, mitreißender Geschichten und brillanter Aufnahmen. Ja, er ist ein wenig anders als der typische Hollywoodblockbuster, aber auch weit weg vom koreanischen "Spezi-Kino". Eigentlich bedient er sich sogar recht deutlich am klassischen Blockbusteraufbau, spickt ihn aber mit einer fast greifbaren, zuweilen etwas skurrilen Atmosphäre, vielschichtigen Charakteren und einer erstaunlichen Intensität. Da gab es regelmäßig Momente, die mir einen (angenehmen) Schauer über den Rücken haben laufen lassen. Beispielsweise die Sekunde, in der, recht früh im Film, zum ersten Mal ein Abzug einer Waffe gezogen wurde, die surreale, aber doch irgendwie verständliche Situation in der Schule, oder die packenden Schlussdialoge.
"Albern" war da rein gar nichts. Ja,
Snowpiercer ist leicht überzeichnet, bewegt sich zeitweise nah an der Grenze zur Gesellschaftssatire, kriegt meiner Meinung nach aber immer die Kurve und ist nie und nimmer "albern". Eigentlich halte ich die gezeigten Szenerien sogar für relativ glaubwürdig, wenn man mal bedenkt, dass dort eine autoritäre Herrschaft in einem Zug mit den letzten Menschen ausgeübt wird. "Langweilig" war er auch keine Minute, da der Spannungsbogen gekonnt aufgearbeitet wurde, sich emotionale Dialoge und überraschend harte Gewaltausbrüche die Waage halten und die einzelnen Abteile des Zuges unheimlich abwechslungsreich sind und viele interessante Geschichten erzählen.
Das ein oder andere Logikloch bzw. oberflächlich abgefertigte Fragen (Nach dem Motto: "Frag nicht, ist halt so!") mögen hier und da auffallen, aber nicht weiter stören. Detaillierte Analysen des gesellschaftlichen Lebens oder tiefgreifende Erklärungen des Energie- und Nahrungsgewinnungssystems würden schlicht und ergreifend das Filmformat sprengen. Von daher seien den Drehbuchautoren solche Detailschwächen verziehen.
Ach, jetzt habe ich eigentlich schon wieder viel zu viel gelabert. Um es kurz zu machen:
Snowpiercer ist grandios und ich kann die bestehende Kritik in ihren Ansätzen zwar nachvollziehen, bei Betrachtung des gesamten, meiner Meinung nach absolut runden, Werkes aber nicht unterschreiben. Im Gegenteil: Clevere Geschichte, ein ergreifender Spannungsbogen, sinnige Dialoge, tolle Schauspieler und fesselnde Aufnahmen.
9/10 Hypetrains
Gebe ich mir sicherlich noch mal auf Deutsch. Gerade ist nämlich die französische Blu-ray im Player gelandet. Die war auf englisch zwar so weit verständlich, jedoch nicht untertitelt, weshalb ich die koreanischen Dialoge, die normalerweise eben Untertitel haben, leider nicht vernehmen konnte. Daher meine Frage: Was hat der koreanische Techniker Curtis am Ende erzählt? Kann es mir zwar fast denken, möchte aber noch mal auf Nummer sicher gehen.