Bounty Killer
Nachdem geldgierige Großunternehmen in naher Zukunft die Apokalypse herbeigeführt haben, besteht die Welt nur noch aus verstrahlten Großstadtruinen und Wohnwagensiedlungen, wo selbsternannte Kopfgeldjäger für ominöse Auftraggeber die gierigen Konzern-Schlipsträger jagen und somit für Recht und Ordnung - oder immerhin eine gewisse Art davon - in der postapokalyptischen Einöde sorgen. So handhabt es auch die lebende Bounty Killer-Legende Drifter, bis er plötzlich sein eigenes Gesicht auf den Fahndungszetteln vorfindet...
Bounty Killer ist ein fetziges B-Movie im Grindhouse-Stil mit allem, was dazu gehört: Hübschen Frauen, staubigen Wüsten, handgemachten Splattereinlagen und reichlich Schusswaffenaction. Diese Mischung gibt es in diesem Genrebereich sicherlich häufiger, jedoch wird sie nur selten mit derart viel Herzblut umgesetzt. So ist und bleibt auch dieser Film in erster Linie ein merklich billiger, inhaltlich schwachbrüstiger Genrefilm, der, im Gegensatz zu vielen andern Werken dieser Machart, aber wunderbar unterhält. Wenn die äußerst ansehnliche Christian Pitre als verführerische Bounty Killerin Mary Death im knappen Latex-Krankenschwestern-Fummel die Sturmgewehre schwingt und damit, zu lässigen Western-Klängen, die
Mad Max-sche Umgebung blutrot einfärbt, kommt hirnlose Freude auf.
Dass der Streifen nur sehr wenig gekostet hat, merkt man, wie bereits erwähnt, an allen Ecken und Enden: an miesen CGIs, rudimentären Kulissen, hölzernen Actionszenen und (meist unbekannten) Schauspielern aus der C-Riege. Den Unterhaltungswert schmälert diese Tatsache jedoch nur geringfügig, spürt man doch hinter jeder gelungenen Kameraeinstellung, jeder comichaft überzeichneten Actionszene, der Videospielästhetik und jeder provokant-lasziven Aufnahme von Mary Deaths bestrapsten Schenkeln, dass hier wahre Genrefans am Werk waren, die wissen, was der Zielgruppe gefällt. Nicht selten fühlte ich mich daher an
Borderlands erinnert. Ja,
Bounty Killer könnte fast als Live-Action-Version von Gearsbox' Koop-Shooter durchgehen. Der Stil, die Farbgebung und die schrägen Figuren erinnern jedenfalls überraschend häufig daran.
Schade, dass die Handlung und Dialoge bei diesem ambitionierten Genrefilm anscheinend hinten an gestellt wurden. Mit ein wenig Storyfeinschliff und erinnerungswürdigeren Dialogen, wäre das ein absoluter Geheimtipp geworden. So bleibt aber immer noch ein kurzweiliger, Endzeit-Actionspaß für erwachsene Freunde von
Borderlands, dem Grindhousekino und heißen Muttis, die bösen Buben mit dicken Knarren das Gesicht wegpusten, während sie auf einer Motorrad-Wohnwagen-Kutsche in den verstrahlten Sonnenuntergang fahren. Das ist total bescheuert - aber gut-bescheuert und deutlich besser als der meiste B-Movie-Schrott der regelmäßig das Licht der Heimkinos erblickt.
6/10 kopflose Kopfgelder
Ausschnitt aus der Eröffnungsszene:
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http://www.youtube.com/watch?v=g0CFJQvuA5U[/vid]
