Olympus has fallen
Wenn ich so drüber nachdenke, dürfte
Olympus has fallen, neben Disney's
Lone Raner, der wohl, von den Kritikern, sowie auch vielen Kinogängern, am meisten kritisierte Blockbuster des Jahres sein. Ich habe jedenfalls über kaum eine Popcorn-Großproduktion 2013 schlechteres gehört. Zum Glück lasse ich mich aber nur selten von miesen Reviews abschrecken. Und nun weiß ich auch wieder warum, hat mich
"Gerard Butler erschießt nahezu die Hälfte der Bevölkerung Nordkoreas im Alleingang" nämlich sehr gut unterhalten.
Natürlich,
Olympus has fallen ist durch und durch patriotischer Action-Kitsch. Wobei meine Kritik an der Kritik bereits beim angeblichen Patriotismus anfängt: Ist ein Film wirklich schon abartig patriotisch, wenn mal kurz eine US-Flagge durchs Bild wedelt und der Präsident der Vereinigten Staaten eine Ansprache an sein Volk hält? Ich finde nicht. Wirklich wertend ist dieser Film nämlich nie. Logisch gewinnt Amerika - ich denke, da kann ich mir den Spoiler-Tag sparen -, aber irgendeiner muss das ja tun und dann natürlich am besten die Seite, der auch der Hauptdarsteller angehört. Wäre schließlich arsch-langweilig, wenn Gerard nach 20 Minuten das Zeitliche segnet, die nordkoreanischen Terroristen ihre Flagge hissen und fröhlich in den Sonnenuntergang tanzen. Ne ne, das passt schon so. Ich fühle mich jetzt jedenfalls nicht amerikanisiert und zelte, lediglich mit einer US-Flagge bekleidet und die Nationalhymne singend, vor dem Weißen Haus, nur um einen Schnappschuss von Obama zu erlangen.
Von daher fällt der bösartige Patriotismus-Kritikpunkt bei mir schon mal raus. Selbiges gilt für die Frage nach Sinn und Verstand. Mal ehrlich, wer bei einem derartige Film nach einem tiefgreifenden Storysinn sucht und glaubwürdige Entwicklungen erwartet, der hat wohl noch nie einen Actionfilm gesehen. Uh, der Secret Service ist einfach nur dummes Kanonenfutter. Butler vernichtet die ganze Nordkoreanische Armee im Alleingang. Seine Pistole hat anscheinend ein Magazin mit 1765 Schuss. Und was sollen überhaupt die Müllwagen? Bla bla... Natürlich ist das alles dumm. Das ist gequirlte Genre-Scheiße. Aber ist sie das nicht immer? Wenn man die Handlung oder den Verlauf von
Olympus has fallen kritisiert, müsste man das mit jedem Genrevertreter der letzten 40 Jahre tun. Ja, selbst Klassiker wie
Stirb Langsam sind teilweise mächtig an der Realität vorbei geschrieben. Von daher: Krude Klischee-Story und endloser Stumpfsinn ohne jegliche Logik? Drauf geschissen!
Denn eins macht
Olympus das fallen hervorragend: Er unterhält. Nach einer total nichtssagenden, 10-minütigen Einleitung, die man genau so gut hätte weglassen können, wird aus allen Rohren gefeuert. Und das 110 Minuten lang, ohne Unterbrechung und überraschend skrupellos. Action-Thriller-Vorzeigeregisseur Antoine Fuqua (
Training Day, Shooter) bleibt seiner ehrlichen Actionregie nämlich treu und inszeniert ein hartes, glaubwürdiges Krach-Bumm-Fest, das selbst vor reichlich Kollateralschäden in der Zivilbevölkerung keinen Halt macht. Das ist handgemacht, das ist roh und das fetzt. Erfindet sich jetzt zwar nicht gerade neu, lässt die Testosteron-Produktion aber in die Höhe schnellen. Positiv ist dabei auch, dass im Drehbuch anscheinend nicht mal mehr Platz - da hatten die Autoren wohl nur noch einen Bierdeckel übrig, auf dem sie das Drehbuch festhalten konnten - für die obligatorische Liebesgeschichte oder Pseudo-Drama war. Frau und Kind sind zwar vorhanden, halten sich aber dezent im Hintergrund und lassen Butler in Ruhe Ärsche treten. Der einzige tatsächliche Kritikpunkt an der Action sind die teils echt miesen Computereffekte. So bald die Action die begrenzten Räume des Weißen Hauses verlässt und auf CGI-Helikopter zurückgreifen muss, wird es hässlich. Dann erinnert das Ganze mehr an eine effekt-schwache The Asylum Produktion, die man Abends immer auf Tele 5 bewundern kann.
Ja,
Olympus has fallen reißt keine Bäume aus, das ist mir bewusst. Das hirnlose, über-patriotische Action-Desaster, zu dem es gerne degradiert wird, ist dieses Filmchen aber auch nicht. Er greift sich einfach nahezu jedes Actionklischee der letzten paar Kinojahrzehnte, setzt ein paar talentierte, wenn auch nicht oscarreife Schauspieler in die Hauptrollen, lässt die Handlung gleich komplett weg und gibt einfach nur zwei Stunden ziemlich hart auf die Fresse. Mir hat das gereicht. Wobei ich das Hirn vorher dann doch ausschalten musste, da es nun sonst wahrscheinlich nicht mehr vorhanden wäre.
6/10 Messer im Kopp