Evangelion 3.33
Was habe ich da gerade gesehen?
Evangelion 1.11 und
2.22 gehören ohne Zweifel zu den eindrucksvollsten Animes, die ich je gesehen habe. Sie sind inhaltlich ein wenig wirr, ziehen einen mit ihrer philosophisch angehauchten Story aber in ihren Bann, sehen unverschämt gut aus, hören sich mindestens genau so fein an und bieten Mech-Action, die jedem Genrefan die Freudentränen in die Augen treibt. Entsprechen gespannt war ich nun auf den dritten Film.
Doch was war das? Vorweg:
3.33 ist nicht schlecht! Ganz und gar nicht. Er ist aber irgendwie ... anders. Waren die Vorgänger noch nachvollziehbare Sci-Fi-Actioner mit einem ordentlichen Drama-Anteil, ist der neuste Ableger eine verwirrende, undurchsichtige, teils einfach nur merkwürdige Zerlegung des Seelenlebens unseres Hauptcharakters. Die grundlegenden Storyentwicklungen werden zwar deutlich, die Details und der Weg hin zum jetzigen Storypunkt, bleiben jedoch sehr unscharf. Vielleicht liegt es auch daran, dass meine letzte Sichtung von
2.22 nun auch schon einige Zeit zurück liegt, aber ich habe ehrlich gesagt nichts verstanden. Anstatt den gemeinen Cliffhanger des zweiten Teils (vernünftig) aufzulösen, gibt es nur noch mehr konfuse Ereignisse, philosophische Ergüsse und unerklärte Zeitsprünge. Dazu noch die befremdliche, homoerotische Beziehung zwischen den beiden Jungen und ein ordentlicher Vaterkomplex und fertig ist das unübersichtliche, schwerfällige Storykonstrukt, an dem Sigmund Freud sicherlich großen Spaß gehabt hätte (Ich erkenne da eindeutige Anzeichen von Kastrationsangst bei Shinji.

).
Auch fehlt die von mir sehr geschätzte Mech-Action nahezu komplett. Das ändert zwar nichts an der immer noch beeindruckenden audiovisuellen Umsetzung, die diesmal sogar noch besser geworden ist, schmälert den Unterhaltungswert aber erheblich.
Evangelion 3.33 ist ein überraschend ruhiger, tiefsinniger und verwirrender Abschnitt des ansonsten sehr ansprechenden Evangelion Rebuilds. Es sieht mal wieder famos aus und hört sich grandios an, inhaltlich herrscht aber nahezu Stillstand bzw. sogar eine Verschlimmbesserung der eh schon schwer zu durchschauenden Hintergrundstory. Ich würde
3.33 fast schon als
2.23 betiteln, der lediglich dazu dient, das Ende des Vorgängers aufzulösen (wenigstens wird es versucht) und eine Verknüpfung zum vierten Film herzustellen, der die Handlung dann hoffentlich wieder voranbringt und auf die Action-Kacke haut. Ist nicht schlecht, mir insgesamt aber ein Stück zu schwerfällig und künstlich verkompliziert. Können sie mir nicht einfach sagen, was es mit Seele, den Engeln & Co auf sich hat und endlich wieder EVA-Fäuste fliegen lassen?
7/10 Klavierstunden