Verblendung (dem Fincher seine Version)
Ich kenne weder die schwedische Romanvorlage, noch die haus- bzw. ladeseigene Verfilmung. David Finchers US-Interpretation ist somit meine erste Begegnung mit diesem spannenden Kriminalstoff. Was eine gute Entscheidung war, konnte mich das grandiose Gesamtpaket so nämlich richtig umhauen, was es mit Storyvorwissen sicherlich nur bedingt getan hätte.
Viel schreiben muss ich bei diesem nahezu perfekten Thriller eigentlich nicht, da es schlicht und ergreifend nichts zu meckern gibt. Von daher fasse ich mich diesmal kurz: Verblendung bietet eine runde Kriminalgeschichte. Hochspannend, ergreifend, zeitweise sogar sehr drastisch und, obwohl sie sich viel Zeit für ihre Charaktere lässt, keine der 159 Filmminuten langweilig. Eingefangen in unterkühlte, wohlüberlegte Aufnahmen, welche hervorragend zusammengeführt und von einem dramatischen Score untermauert werden. Getragen von einem herausragenden Cast, angeführt von einem glaubhaften Daniel Craig und einer atemberaubend aufspielende Rooney Mara. Diese Frau ist einfach unglaublich. Wandelbar, authentisch, mitreißend und damit ohne Zweifel eine der besten Schauspielerinnen, die die Traumfabrik zur Zeit zu bieten hat.
Summa summarum: Clevere Geschichte, ein schweißtreibender Spannungsbogen, erbarmungslos gute Schauspieler und eine fantastische Inszenierung in ausnahmsweise Un-Amerikanischer Umgebung. Wer was für klassisch-spannende Thriller übrig hat, sollte sich das Remake unbedingt ansehen. Jetzt hoffe ich nur, dass sie sich mit den Fortsetzungen nicht so viel Zeit lassen.
9/10 Fotos
The Middle - Staffel 1
Eine mächtige Enttäuschung. Nach den weitgehend positiven Kritiken und als großer Fan des Scrubs'schen Hausmeisters Neil Flynn, der hier den Serienvater mimt, würde ich sogar von einer Katastrophe sprechen. Selten eine einfallslosere Sitcom gesehen, die mich dermaßen gelangweilt hat, dass ich nach 13 (der 24) Folgen abbrechen musste. Was mir, einem doch sehr leicht zu begeisternden Menschen, wirklich nur sehr selten passiert.
The Middle bedient sich frech bei der Genrekonkurrenz. Prinzipiell haben wir es hier mit einer dreisten Malcolm in the Middle-Kopsie zu tun, wobei die Rollenverteilung innerhalb der schrägen Familie ein wenig verdreht ist und Originalität, sowie Humor fast komplett entfernt wurden. So wurden mir hier nur mäßig unterhaltsame, sinnfreie, zusammenhangs- und einfallslose Kurzgeschichten vorgesetzt, die man in ähnlicher Form schon unzählige Male, meist sogar in deutlich besserer Ausführung, in irgendeiner Familien-Sitcom bestaunen durfte. Lediglich der intelligente, dafür aber nicht gesellschaftsfähige Sprössling, der auch gerne mal mit sich selber spricht bzw. flüstert, konnte mir zeitweise ein verhaltenes Grinsen herauskitzeln.
Ne, das war gar nichts. Abgesehen vom halbwegs sympathischen Grundton und überaus seltenen Schmunzlern, gibt's hier nur ausgelutschte Gags aus der Vorkriegs-Sitcom-Witzekiste, grob skizzierte Klischee-Charaktere, langweilige Familiengeschichten aus der typischen amerikanischen Sitcom-Kleinstadt und unmotivierte Darsteller. Da bleibe ich sehr viel lieber bei Raising Hope, Malcolm oder gehe etwas weiter in die Vergangenheit zurück und ziehe mir einfach wieder Eine schrecklich nette Familie rein.
Wie gesagt, ich habe die Staffel nicht beendet. Vielleicht wird es ja noch sehr viel besser, für die ersten 13 Episoden gibt's von mir aber nur unterdurchschnittliche
4/10 Gebrauchtwagen