Zunächst kurz zu meiner geschmacklichen Vorgeschichte: Ich bin ein Zack Snyder-Fanboy vor dem Herrn und halte ihn für einen der größten visuellen Visionäre Hollywoods. Superman hingegen ist mir absolut gleichgültig. Ich war noch nie ein großer Freund dieser geleckten, eierlegenden Alien-Wollmilchsau. Entsprechend habe ich mich mit meiner Vorfreude auch ein wenig zurückgehalten.
Was ich, wie sich nun glücklicherweise herausgestellt hat, gar nicht hätte tun müssen. Denn Snyder wäre nicht Snyder, wenn er mich audiovisuell und thematisch bedingte Vorurteile damit nicht gleich auch noch vollkommen wegblasen würde.
Man of Steel ist das, was jede Superman Interpretation zuvor immer sein wollte. Ein ernstes, aber glaubwürdig-unterhaltsames, wie abartig spektakuläres Superheldenspektakel. Klar, im Gegensatz zum Mann aus Stahl reißt die Handlung keine Bäume aus. Gewohnt vorhersehbar strukturierte, bisschen klischeehafte, wenig intelligente Origin-Story, die uns aber die größten Stolpersteine (etwa aufdringliche Liebesgeschichten) erspart und stattdessen ein treibendes Weltenzerstörer-Rache-Epos bereithält, das, wie Glod ganz richtig sagt, eigentlich schon eher was für den bombastischen Abschluss einer Trilogie gewesen wäre. Noch extrem geht es nämlich eigentlich nicht.
Aber genau das ist es, was ich immer sehen wollte. Superman ist schließlich ein unverwundbarer, übernatürlich starker, fliegender, Hitzestrahl-schießender, röntgenblickender Alien. Der geht halt nicht auf Kleinganovenjagd wie Spider-Man oder muss sich erst mal die nötige Technik zusammensuchen wie Batman. Superman gibt auf die Fresse! Und das macht er hier - nach der ersten, einführenden Filmhälfte, die uns seine Selbstfindungsprobleme und Kindheit in appetitlichen Rückblenden-Häppchen serviert und damit leichter verdaulich wirkt als manch andere Superhelden-Herkunftsstory - fast pausenlos. In gewohnt genial gefilmten Bildern entfesselt Snyder Super-Duper-Mann und lässt ihn auf Manhatt... äh, Metropolis niederregnen wie es sonst nur Michael Bay oder Roland Emmerich mit Riesenrobotern oder Meteoriten tun. Wo der Einteiler-tragende Krypton-Flüchtling hinschlägt, wächst kein Gras mehr. Schon die erste wirkliche Auseinandersetzung in Smallville hat wahrscheinlich mehr Schaden verursacht als Tebartz van Elst je in seine Prunkbude investieren könnte. Ein derartiges Actionschauspiel habe ich tatsächlich noch nie gesehen. Jedenfalls nicht in einem Realfilm, weshalb mich
Man of Steel zeitweise mehr an einen Anime als den typischen, westlichen Actionfilm erinnerte.
Vorwerfen kann ich diesem bombastischen Krach-Bumm-Film, neben der insgesamt eher seichten Story und einiger (fehl)konstruierten Drehbuchentscheidungen, eigentlich nur, dass er mir etwas "seelenlos" vorkam. Gerade in Bezug auf die ziemlich glatten und klischeebeladenen Figuren. So gut die Schauspieler auch waren (Go, Antje, Go!) , mitgefühlt habe ich, selbst in den emotionalen Momenten, mit niemanden. Da hat das Marvel-Filmuniversum einige ganz andere Charakter-Kaliber am Start, die ich im Laufe der Zeit wirklich lieben gelernt habe. Kann bei Superman vielleicht auch noch kommen, in diesem Fall waren es aber alles austauschbare Standardfiguren und -Storykonstellationen.
Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, betrachtet man sich einfach mal die abartig genial inszenierte Zerstörungsorgie, die Zack Snyder und hier vorsetzt. Genau so hat ein vernünftiger Superman-Film auszusehen. Kein gezwungenes Drama, keine breitgetretene Liebesgeschichte und kein weinerlicher Superheld, sondern schlicht und ergreifend brachiale, auf den thematischen Punkt (zwei unverwundbare Aliens bekämpfen sich auf Leben und Tod) gebrachte, audiovisuelle Orgasmen hervorrufende Auf-die-Fresse-Action. Joss Whedon kann vielleicht besser schreiben und seinen Geschichten damit mehr Seele verleihen, Snyder dafür aber unbeschreibliche Action-Feuerwerke abfackeln, die man ansonsten eigentlich nur in japanischen Zeichentrickserien zu Gesicht bekommt. Supis Power Level war hier eindeutig auch über 9000!
