Jehuty
892p ist voll ok
The Master
Ah, da haben wir ihn ja, den nächsten Academy-Skandal. Ohne die superbe Leistung von Lewis (Lincoln) in Frage zu stellen, denn er war grossartig, muss mir hier erstmal einer erklären, weshalb der Oscar nicht an Phoenix ging. Einen so facettenreichen und verstörten Charakter muss man erstmal spielen können und was der Mann hier abliefert, spielt ausnahmslos alle Nominierten gnadenlos an die Wand. Aber dass gute Schauspieler allein noch lange keinen guten Film ergeben, wird dem Publikum auch hier vor Augen geführt. Pressestimmen wie hochspannend sind entweder völlig aus der Luft gegriffen oder die Mannen haben einen anderen Film gesehen. Von Anfang bis Ende werden hier und da interessante Stränge aufgebaut, die aber spätestens nach 4 Minuten wieder auf der Strecke gelassen und im Verlauf nicht mehr wieder aufgenommen werden. Auch was die Message angeht, hätte er viel mehr sein können, als ein simples was bedeutet es, geliebt zu werden und was für einen Preis hat die absolute Unabhängigkeit?, die beinahe gänzlich der Eigeninterpretation überlassen wird, genauso die Charakterzeichnung - Beispiel, die geistige Störung von Phoenix: wie kam es dazu? Nachkriegstraumata? Am Ende wirkt der Film viel mehr wie ein Schauspielkabinett, in dem drei Hauptrollen brillieren, und genauso scheint, als würden die ganzen 140 Minuten nur diesem einen Zweck dienen.
Schade, echt, die Parallelen zu Scientology sind gegeben, die erkennt ein jeder Blinder, auch wenn es eben im Kern nicht um diese Thematik (Problematik) geht, da hatte Anderson wohl nicht die Lust, mit einem Namen klaren Tisch zu machen. Vielleicht auch gut so, denn die Absurdität der Vorschlaghammersymbolik erkennt man meist nur dann, wenn sie genutzt wurde, so bleibt aber dennoch ein Film zurück, der zwar durch grandiose schauspielerische Leistungen und der makellosen Ausstattung, samt Inszenierung, besticht, sich aber mit weit, weit weniger zufrieden gibt, als er mit etwas mehr Mut zur Konsequenz und einem Spannungsbogen hätte sein können.
In diesem Zuge fällt es mir schwer, eine Empfehlung auszusprechen, aber Hölle, allein die Chemie zwischen Phoenix und Hoffman wäre SO verdammt sehenswert.


Und Florida als Schauplatz bietet auch sehr viel für das Auge. Definitiv eine sehr positive Überraschung!

