Rurouni Kenshin
Ja, doch, ich behaupte, dass Rurouni Kenshin die mit Abstand beste Live-Action Animeverfilmung überhaupt ist. Ich selber kenne die Vorlage nur vom Hörensagen und habe lediglich wenige zusammenhanglose Folgen des Animes aufgeschnappt. Aus diesem Grund möchte ich auch keinen Vergleich anstellen, kann aber sagen, dass Rurouni Kenshin, auch ohne wirkliches Animevorwissen, ein absolut geniales, von der Erzählung bis hin zur Action, nahezu perfektes Samurai-Abenteuer ist.
In epischen 2 Stunden wird die Geschichte von Rurouni Kenshin erzählt, der in Japan des 19. Jahrhunderts als Heimatloser durch das Land zieht und mit seiner Vergangenheit, in der er als Killer unzählige Leben nahm, abzuschließen versucht, indem er sich für die Hilflosen einsetzt und nie wieder auch nur einen einzelnen Menschen töten will. Als er jedoch an einen größenwahnsinnigen Opiumdealer gerät, der mit einer ganzen Heerschar von Ex-Samurais versucht unseren einstigen Auftragsmörder und seinen neuen Freunden den Garaus zu machen, wird sein friedliches Leben auf eine harte Probe gestellt.
Klingt jetzt nicht sonderlich außergewöhnlich, wird aber einwandfrei erzählt. Mit viel Gefühl für Charaktere und Spannungsbogen. Das Highlight ist aber eindeutig die fantastische Bildsprache. Egal ob ruhiger Gefühlsmoment, humoristische Einlage oder aber schweißtreibende Actionszene: Was Regisseur Keishi Ohtomo hier präsentiert, ist eine herausragende Arbeit, welche zweifelsfrei mit Hollywood konkurrieren kann. Gerade die atemberaubende Schwertaction sorgt dabei regelmäßig für feuchte Hände. Ich glaube ich habe noch nie derart schnelle und hervorragend choreographierte Schwertkämpfe gesehen, denen man ihre leicht überzeichnete Anime-Herkunft zeitweise zwar anmerkt, die aber trotzdem nie unglaubwürdig erscheinen. Das liegt auch daran, dass komplett auf CGIs verzichtet wird und selbst das allseits beliebte Drahtseil nur sehr selten zum Einsatz kommt. Und wenn, dann auch nur, um die Kämpfe noch mehr zu bescheunigen, indem die Darsteller förmlich durchs Bild gezogen werden. Das verschafft den Kämpfen einen erstaunlich realistischen Look, ohne aber ihren Anime-Ursprung zu verleugnen. Interessant ist an dieser Stelle natürlich, dass der Protagonist im gesamten Film tatsächlich niemanden tötet und deshalb hauptsächlich auf Verteidigung und "ausknockende" Angriffe setzt, was den Auseinandersetzungen einen ganz beosonderen Flow verleiht. Nach dem fast 40 Minütigen Finale, in dem dann noch mal alle Actionregister (1 gegen 1 Schwertkampf, 1 gegen 200 Schwertkampf, Faustkampf, Schwert vs. Pistolen, Minigun, usw.) gezogen werden, waren dann auch die wenigen Handlungslöcher, die ich unwissender Nichtkenner des Animes hatte, vergessen.
Rurouni Kenshin ist epochales Samuraikino made in Japan. Packend erzählt, detailverliebt ausgeschmückt, grandios gefilmt und mit der wohl rasantesten Schwertaction versetzt, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Was War of the Arrows für die Kunst des Bogenschießens ist, ist Rurouni Kenshin für den Schwertkampf. Also: Unbedingt anschauen! Wenn selbst mir als Nichtkenner der Vorlage die Freudentränen in den Augen stehen, werden Rurouni Kenshin-Liebhaber sicherlich in Ohnmacht fallen. Der notorische Asiafilm-Nörgler, der mit fernöstlichem Witz oder comichafter Charakterzeichnung nichts anfangen kann, bleibt - wie immer - besser draußen.
9/10 umgekehrte Klingen
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