Die Mumie
Meiner Meinung nach ist Stephen Sommers' Die Mumie einer der besten Abenteuerfilme, die je gedreht wurden und verdient es in einem Atemzug mit Indiana Jones oder Spielberg's Tim & Struppi genannt zu werden. Er bietet genau das richtige Verhältnis aus klassischem Abenteuer, aufregender Action und Witz. Ja, sogar an eine gewisse, der Vorlage Respekt zollende, Portion Horror (oder eher Grusel) wurde gedacht. Dazu eine relativ einfache, aber umso effektivere Story inkl. geschliffener Dialoge und ein sympathisches und bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetztes Protagonistengespann.
Aus heutiger Sicht, könnte man lediglich die in die Jahre gekommenen Spezialeffekte kritisieren. Wobei selbst diese für eine 1999er Produktion überaus gelungen waren und sich auch im Zeitalter von Transformers, Star Trek & Co noch sehen lassen können. Überhaupt wissen Ausstattung und Setdesign zu gefallen und lassen die sandige Atmostphäre fast greifbar werden. Erstaunt bin ich übrigens von Sommers' sehr "plastischen" Regiearbeit. Nicht selten erzeugt er, durch clevere Kamerafahrten und plakative Mitten-in-die-Fresse-Effekte, ein Mitten-drin-Gefühl, das eher an heutige 3D-Produktionen als einen Abenteuerfilm anno 99 erinnert. Da war der gute Mann seiner Blockbuster-Zeit fast schon voraus.
Rick O'Connell's turbulentes, sowie selbstirionisches Abenteuer ist ein Abenteuerfilm par excellence. Ein rasantes Spektakel, dessen Charme seitdem noch am ehesten in Uncharted eingefangen werden konnte. Ich begreife bis heute nicht, wieso der Film damals bei den Kritikern derart durchgefallen ist. Mal abgesehen von der seichten Handlung und mittlerweile angestaubten Effekten, finde ich da absolut nichts zu meckern. Eindeutig einer meiner Lieblingsgenrevertreter.
10/10 Grabkammern
Die Mumie kehrt zurück
Ich muss gestehen, dass ich Die Mumie 2 etwas besser in Erinnerung hatte. Auf die Frage, welcher Mumien-Teil mein liebster ist, habe ich eigentlich immer spontan mit "Die Mumie kehrt zurück natürlich!" geantwortet. Nach meinem Triple Feature muss ich nun aber feststellen, dass Sommers' Fortsetzung zwar nicht wirklich schlecht, aber doch ein Stück schwächer als der Erstling ist.
Das liegt vor allem daran, dass hier, ganz nach dem Motto "Bigger is better!", in jedem Bereich noch eins draufgelegt wurde. Jedenfalls hat man es versucht. Während Teil 1 eben genau die richtige Gewichtung zwischen den einzelnen Genreelementen vorweist, gibt es nun noch mehr Action, noch mehr Albernheiten und noch mehr Bombast. Resultat ist ein audiovisuell sicherlich sehr ansehnliches Spektakel, das zwischenzeitlich aber auch etwas übers Ziel hinausschießt. Dennoch macht auch die Mumienrückkehr wieder großen Spaß und lässt unser charmantes Hauptdarstellertrio (bzw. -quartett, wenn man den, angenehm unaufdringlichen, Jr. noch dazuzählt) gleich gegen mehrere miesgelaunte, untote Mullbindenmänner antreten, die dann auch für reichlich Schauwert sorgen.
Auch in Teil 2 geht die fulminante Mischung aus Abenteuer, Humor und Action wieder auf. Wobei einige fragwürdige Drehbuchentscheidungen (Wiedergeborene Prinzessen? Ach komm...) und überraschend plumpe 1:1-Szenenkopien des Vorgängers (luftige Flucht vor Sand- bzw. jetzt Wassergesicht) das Gesamtbild doch ein wenig trüben und die Höchstwertung verhindern.
8/10 Skorpione
Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers
Zunächst das Positive: Spezialeffekte aus dem Jahre 2008 sehen einfach besser aus als noch vor der Jahrtausendwende. Joa, das wars eigentlich auch schon mit den positiven Entwicklungen. Ansonsten ist Die Mumie 3 nämlich der mit Abstand schlechteste Teil der Reihe. Das oben angesprochene, hervorragende Genregleichgewicht der Vorgänger ist hier nahezu komplett verschwunden und wurde unpassender over-the-top Action und peinlichen Alberheiten (Ich sage nur: kotzende Kuh und footballende Yetis ...) geopfert. Genau so wie die bezaubernde Rachel Weiz, deren Charakter nun von Maria Bello verkörpert wird. Dabei wäre Frau Bello nicht mal das Problem, halte ich sie doch für eine halbwegs talentierte Schauspielerin. Leider verleiht sie ihrer Figur einen gänzlich anderen Charakter, wodurch von der einst liebenswürdigen Bücherwurmheldin nur noch ein maskulines, eindimensionales Abziehbild übrig bleibt. Der mittlerweile erwachsene Jungsspund der Familie Connell ist ebenfalls keine Bereicherung, sondern vielmehr ein geringfügiger Störfaktor, da er (und natürlich auch Evelyn's Neubesetzung) das in Teil 1 und 2 perfekt eingespielte Abenteurerteam in gewisser Weise auseinanderreißt. Dazu kommt noch die Tatsache, dass Stephen Sommers seinen Regiestuhl an Rob Cohen abgetreten hat und dieser schlicht und ergreifend kein guter Filmemacher ist, was man an den zerfahrenen Actionszenen und miesen Szenensprüngen auch deutlich merkt.
Naja, immerhin weiß der erfrischende Settingwechsel zu überzeugen und das Set- und Kostümdesign ist wieder überaus ansehnlich geworden. Auch macht der Film, trotz seiner großen Drechbuch- und Regieschwächen, irgendwie Spaß. Auf eine edel-trashige Art und Weise.
Hach, was würde ich mich über einen vierten Teil von Sommers und mit der ursprünglichen Besetzung freuen. Schade, dass da, wegen des Len Wiseman-Reboots, nichts mehr draus wird.
6/10 Tonkrieger