Wer braucht noch Sylvester Stallone's lächerlichen Mitt-90er-Trash
Judge Dredd, wenn er Karl Urban in der (fast) gleichnamigen Neuinterpretation sehen kann? Richtig: Niemand! Urban spielt nicht nur Dredd, wie es auch schon Stallone in bescheuerter Plastikrüstung versucht hat, er IST Dredd. Ein wortkarger, immerzu mies gelaunter Gesetzeshüter der härteren Gangart. Wo Dredd auftaucht, gehts zur Sache. Und zwar so richtig.
An der Story haben sich die Drehbuchautoren (glücklicherweise?) nicht sonderlich lange aufgehalten:
In einer nicht gerade futuristischen Zukunft lebt die gesellschaftliche Unterschicht in riesigen Plattenbauten, die Platz für bis zu 75.000 Personen bieten. Kontrolliert von Ma-Ma (Herrlich verbraucht: Lena Headey), der ziemlich fiesen Anführerin des örtlichen Drogenkartells, kommt es dort natürlich häufiger zu blutigen Auseinandersetzungen. Das kann unser richtender Aggro-Cop Dredd (Grenzgenial: Karl Urban) logischerweise nicht zulassen und macht sich, samt weiblicher Rookie-Unterstützung (Sympathisch-unaufdringlich: Olivia Thirlby), ab in den wolkenkratzenden Bunker, um dort für Recht und Ordnung oder besser gesagt Tod und Verderben zu sorgen. Ma-Ma macht daraufhin das Hochhaus-Slum dicht und hetzt ihre gesamte Gangstermeute auf die beiden Judges.
Was folgt ist eine hochgradig unterhaltsame und überaus blutige Action-Gewaltorgie. Zwischen kultverdächtigen Onelinern und visuell abgefahrenen Drogentrips, zerballert Dredd alles, was bei drei nicht in der vergammelten Wohnung verschwunden ist. Manchmal sogar schon früher. Highlight sind hier ganz klar die Schießereien unter Einfluss von Slo-Mo, einer Droge, die - wie der Name schon vermuten lässt - die Wahrnehmung merklich verlangsamt und so den Anschein einer glitzernden Zeitlupenwelt erzeugt. Lustig vor allem, wenn sich Kugeln langsam durch den Körper oder gar das Gesicht der bösen Buben bohren und dabei faustgroße, fleischige Löcher zurücklassen. Und das sogar in hübschem 3D. Lecker!
Der erstklassige Dubstep-Soundtrack setzt der überspitzten Gewaltaction dann noch die Krone auf. Sozusagen das treibende Soundsahenhäubchen auf dem eh schon wohlschmeckend-schmutzigen Inszenierungskuchen.
Dredd 3D macht Laune - und das nicht zu knapp! Ein wunderbar überzeichneter, dreckiger und blutiger Genrefilm. Überaus cool von lässigen Darstellern vorgetragen und roh bebildert. Bester Actionfilm 2012 würde ich da fast sagen. Ein derart breites Grinsen hatte ich im vergangenen Jahr jedenfalls nur noch bei
The Raid im Gesicht. Also: Hirn aus (Das ist hier eindeutig die Grundvoraussetzung!), Blu-ray rein und sich besudeln lassen. Da fliegen, im wahrsten Sinne des Wortes, die Fetzen! Und es soll sich noch einer über Dredd's Riesenhelm echauffieren. Der sitzt nämlich hervorragend!
Dredd 3D ist sicherlich kein perfekter Film, bietet dafür aber einen nahezu perfekten Dredd.
Folglich gibts auch 'ne ordentlich hohe Wertung.