Ich habe nicht viel erwartet und leider noch weniger bekommen.
Snow White & The Huntsman ist eine stinklangweilige Neuinterpretation des klassischen Gebrüder Grimm Märchens. Anstatt es so wie Tarsem Singh mit
Spieglein, Spieglein zu halten, die angestaubte Geschichte in einem selbstironischen Gewand zu verpacken und somit mit alten Märchenkonventionen zu brechen, gehen die
Snow White-Macher genau den anderen Weg und präsentieren eine spannungsarme, lieblos erzählte Gothic-Version von Schneewittchen, die lediglich auf eine imposante Optik abzielt, dabei aber nahezu jeden anderen Punkt außer Acht lässt.
Die modernisierte (sprich: auf Action und Effekte getrimmte) Handlung wird derart uninspiriert und langatmig vorgetragen, dass der Film bereits nach wenigen Minuten in einer ungeheuren Belanglosigkeit zu versinken droht. Da wird weder Spannung aufgebaut, noch Gefühl vermittelt oder für sonstige Unterhaltung gesorgt. Selten war es mir egaler, was mit den eindimensionalen Klischee-Protagonisten passiert. Daran kann auch eine herrlich diabolische Charlize Theron nichts ändern, die, mit Verlaub gesagt, weitaus hübscher ist als Kristen Stewart. Da hat das Spieglein an der Wand aber mal ganz dreist gelogen als es Frau Theron nach der Schönsten im ganzen Land fragte.

Zudem kann Stewart schlicht und ergreifend nicht schauspielern. Einen einzelnen Gesichtsausdruck halte ich jedenfalls nicht für Schauspiel. Egal welche Emotion sie gerade rüberbringen soll oder in welcher Situation sich ihre Figur befindet, ja, selbst in Anbetracht des drohenden Filmtodes, reicht ihr schauspielerisches Talent gerade mal dazu aus, ihre Oberlippe in Richtung Nase wandern zu lassen (siehe oben). Das ist einfach nur schlecht und erinnert eher an miese Fernsehfilme oder gar Pornos als an eine aufstrebende Hollywood-Schauspielerin.
Immerhin wird Stewart's Unvermögen durch einen routinierten Chris Hemsworth und die überraschend bekannten Sieben Zwerge-Darsteller ausgeglichen, welche das Unterhaltungsniveau, zusammen mit Charlize Theron, wenigstens von
"Nicht vorhanden" auf
"Geht so" anheben. Auch audiovisuelle macht
Snow White & The Huntsman nahezu alles richtig und befindet sich absolut auf der Höhe der Zeit. Mit viel Liebe zum Detail wurde hier eine ansprechende, erfrischend schmutzige und stimmige Märchenwelt erschaffen, die mit allerlei beeindruckender Aufnahmen und ansehnlicher Fabelwesen begeistern kann.
Leider sind das atmosphärische Artdesign und die soliden Darsteller aber auch schon das Beste am Film. Ansonsten gibts nämlich nur steif erzählte, einfallslose und irgendwie falsch gewichtete (wichtige Elemente wurden mit einer Szene abgespeist, Uninteressantes künstlich aufgeblasen) Fantasykost. Ich will nicht sagen, dass es ein totaler Rohrkrepierer ist, jedoch ein Film, welcher seiner märchenhaften Vorlage nicht gerecht wird und nach der Sichtung (zurecht) gleich wieder in Vergessenheit gerät. Als Schneewittchen-Interpretation ein Totalausfall, als austauschbarer Fantasyactioner für anspruchslose Genrefeunde aber durchaus zu empfehlen.
Anstatt mit Kristen in die Kiste zu springen (Wer tut das überhaupt, wenn sich auch Charlize Theron am Set befindet, mit der man ebenfalls fummeln könnte?

) , hätte sich Regisseur Rupert Sanders lieber mal das bescheidene Drehbuch ansehen sollen ...