Eyes Wide Shut
Stück für Stück wird nun fehlendes in der Kubrick Filmografie abgearbeitet. Bis auf Shining (ja, man möge mich schlagen) habe ich nun alle "großen" Kubricks durch. Eyes Wide Shut schien ja den Kritikern und Fans nach sein umstrittenstes Werk zu sein - auch wenn für mich persönlich Full Metal Jacket eher der schlechteste ist (wobei schlecht für einen Kubrick anders zu werten ist, als für den Rest der Filmwelt *g*).
Bei den Schauspielern war ich direkt überrascht und zwar, dass mich Tom Cruise bereits zum 2. Mal in einer Rolle überzeugen konnte (zuletzt in Interview mit einem Vampir). Musste wohl an Kubricks Drill liegen.
Enttäuscht wurde ich aber etwas von der Kidman, die mir zu dick aufgetragen und daher etwas unglaubwürdig wirkte (abgesehen von der Szene am Anfang, das Gespräch während dem Tanz). Da sie aber ohnehin weniger Screen-Time besitzt, ist mir das jetzt nicht sooo negativ aufgefallen.
Seine größte Stärke zieht der Film, neben dem filmischen Handwerk, welches Kubrick halt einfach, wie kaum ein zweiter beherrschte, aus seiner inhaltlichen Seite.
Vielleicht wurde Eys Wide Shut gerade deshalb sehr zwiespältig betrachtet, da es im Gegensatz zu Barry Lyndon kein Epos ist, seiner Zeit nicht meilenweit voraus wie 2001, sich nicht so hip/cool wie Full Metal Jacket oder provokant wie ein A Clockwork Orange gibt.
Eyes Wide Shut gibt sich sehr bodenständig, mit ganz gewöhnlichen Kernthemen: Kommunikation, Vertrauen und Sexualität - allgemein Zwischenmenschlichkeiten, mit vor allem ihren Schattenseiten, wie der Unfähigkeit ehrlich miteinander kommunizieren zu können. Der Titel "Eyes Wide Shut" erzählt im Grunde bereits worum es sich dreht.
Faszinierend was Kubrick hier alles zwischen den Zeilen geschrieben hat. Allgemein handelt es sich hier um einen Film, in dem sehr vieles in der Luft liegt, welches nicht direkt greifbar scheint. Kann natürlich in vielen Fällen einfach an einem vorbei ziehen, andererseits kann es einen aber auch bannen und in eine überaus dichte Atmosphäre einwickeln, die einen beinahe in den traumartigen Zustand des Protagonisten versetzt und auf eine spannende Reise schickt - bis plötzlich der Moment kommt, in dem man die Augen öffnet.
Möchte dann doch natürlich noch ein paar Worte zur Meisterhaften Dramaturgie los werden...
Gar traumwandlerisch gibt sich Eyes Wide Shut (man achte nur einmal genau auf die Szenenbilder, die unterschiedliche Position von Schildern oder die Theken im Kostümverleih, das ziellose wandern,...alles nur um einen das nebulöse Gefühl eines Traumzustandes unterzujubeln), beim Einblick in das Leben von Dr. Hartford, auf sehr subtile Weise, ohne dabei in irgendein Extrem zu verfallen.
Jeder Stein sitzt genau auf dem anderen, wie er es soll, jeder Satz steht in Zusammenhang mit einem anderen bzw. bedingt einen anderen und die Szenenbilder wirken akribisch genau arrangiert. Diese symbolische Kraft alleine, über welcher der Film verfügt, ist schon ziemlich beeindruckend.
Ganz besonders sollte man hierbei wohl den "Maskenball" nennen, den ich jetzt zu den besten Szenen eines Films überhaupt zählen würde - einfach nur dicht und faszinierend, diese dabei aufkommende Atmosphäre.
Spannung ist ein weiterer Punkt, der hier meisterhaft umgesetzt wurde. Kubrick spielt permanent mit einem, zieht mal hier und mal da, lässt Schlüsse ziehen und fesselt schlussendlich.
Absolut genial und für Leute die gerne zwischen den Zeilen lesen, Liebe zum Detail würdigen und sich von Kubricks nahezu perfekter Dramaturgie auf eine ungewöhnlich-schöne, überaus stimmige Traumreise schicken lassen wollen.
Die Patzer von Kidman sind im Grunde das Einzige, was ich wirklich negativ anzukreiden habe. Der Rest klopft wieder einmal an der Pforte zur Perfektion (vor allem dramaturgisch sein bestes Werk) und ich sollte mir jetzt wohl doch noch Shining ansehen.
10/10 für diesen massiv unterbewertete Meisterwerk