Sehr unkonventioneller/außergewöhnlicher Film, der großes Potential besitzt um zu polarisieren.
Als kleine Vorwarnung, was der Film nicht einmal ansatzweise besitzt: Action, Tempo und Humor. Braucht er aber auch nicht, denn er will überhaupt nicht "unterhalten".
Nachdenklich, philosophisch, bodenständig, realitätsnah und anspruchsvoll, mit einer großen Brise an Film-Magie, gibt sich diese "Liebesgeschichte" von Shinkai Makoto und hat mit ihren gerade einmal 62 Minuten geschafft, was vielen Filmen, in mehr als doppelt so langer Laufzeit, nicht einmal ansatzweise gelingt: Mir im Kopf zu bleiben.
Um was geht es in 5 cm Per Second nun eigentlich?
Der Name beschreibt die Geschwindigkeit mit welcher Kirschblüten zu Boden fallen und gibt damit zugleich auch den Takt zum Tempo des Films an.
Er lässt auch auf den Kern der Geschichte schließen: Eine Metapher auf Menschen, die nostalgisch in Erinnerungen schwelgen, während das Leben langsam an ihnen vorbei zieht oder wie Menschen oftmals gemeinsame Wege beschreiten, letztendlich dann aber dennoch stetig zu eigenen Pfaden abwandern.
Grundsätzlich geht es um eine Jugendliebe, die sich, über die Jahre hinweg, getrennt durch eine große Distanz, auseinander lebt. Die Story ist dabei in 3 Arcs unterteilt, die in der Kindheit beginnt und im erwachsenen Alter endet.
Im Grunde steht alles unter dem Banner, dass das Leben nicht immer so verläuft, wie man es denn gerne hätte.
Natürlich sollte hier auch ein Wort zur Animationsqualität genannt werden: Bombast in reinform!
Makoto Filme sind ja allgemein für ihre außergewöhnlichen, optischen Stil bekannt - 5cm Per Second ist hier keine Ausnahme und setzt sogar noch gewaltig einen drauf. Diese malerischen, vor liebevollen Details nur so zerberstenden Hintergründe (prächtige Sternenhimmel, surreale Traumsequenzen, der schönste Schneefall der bis Dato animiert wurde und vieles mehr) wissen auf gesamter Linie zu begeistern und erzeugen, zusammen mit der eigenwilligen wie geschickt-ruhigen Regieführung, eine faszinierende und magische Atmosphäre.
Musikalisch wurde auch nicht gekleckert. So setzt man auf sehr eingängige, unterschwellige, ruhige und die Stimmung des Films perfekt unterstreichende Stücke.
Besonders hervorgehoben gehört hier auch noch einmal die Sound-Kulisse, die sich sehr realitätsnah gibt und so ebenfalls ein - wenn auch vom Zuseher wahrscheinlich nicht einmal bewusst beachteter - wichtiger Bestandteil der grandiosen Atmosphäre ist.
Für wen ist der Film nun zu empfehlen?
Für alle die ohne oben genannte Dinge (Action, Tempo, Humor) auch auskommen.
Wer bereits Gefallen an den anderen Makoto Filmen gefunden hat, wie Voices of a Distant Star oder The Place Promised In Our Early Days, kann auch hier bedenkenlos zugreifen.
Für mich nahe an der Perfektion und der beste Shinkai Makoto. Für manch anderen wahrscheinlich untragbar, aber wie bereits ganz am Anfang erwähnt: 50cm per Second polarisiert.
Bildgewaltig und wunderschön.