Ich sehe da gibt es noch Gesprächsbedarf. Man muss eben überhaupt erst einmal mit Verhandlungen wieder anfangen und wenn diese nicht funktionieren, dann funktionieren sie eben nicht und man versucht es erneut. Das ist ein sehr anstrengender Prozess, bei dem allerdings niemand stirbt, aber das wird wohl jeder wissen. Das von dir angesprochenen Problem ist sehr relevant und darauf gehe ich gleich ein, aber es ist eben kein Grund, von vorneherein überhaupt nicht zu verhandeln.
Ich vertrete eben die Position, dass solche Verhandlungen durch dritte Parteien verstärkt werden müssen, die Russland Dinge anbieten können, die die Ukraine nicht kann, ohne der Ukraine zu schaden. Ich hatte vor ein paar Seiten ein paar kleinere Beispiele genannt, aber die Diskussion wurde nicht angenommen und das lassen wir nach dem weiteren Verlauf wohl auch besser. Von daher bist du etwas zu spät dran. Diesen Standpunkt mit dritten Parteien habe ich übrigens nicht neu erfunden und der war auch letztes Jahr Teil der öffentlichen Diskussion. Leider wurde dann recht schnell unterstellt, dass man über die Ukraine fremdbestimmen wolle und es wurden unsägliche historische Vergleiche gezogen. Wie leider rhetorisch sehr vieles in der Zeit zerpflückt wurde, was auch nur eine minimale Chance auf ein Ende des Krieg in Aussicht stellte. Wieso erzähle ich dir das mit den dritten Parteien?
Du hast das Problem genau erkannt, dass es alleine zwischen Russland und der Ukraine derzeit kaum eine Verhandlungsbasis gibt. Das würde sich auch durch einen günstigen Kriegsverlauf für die Ukraine nicht ändern. Unglücklicherweise passiert da ein Anpassen der Minimalwünsche je nach Kriegsverlauf. Am Anfang des Krieges hat jeder gefordert, dass man wieder in die Grenzen vor Februar zurück geht. Als dann später die Ukraine Boden gewann, war die Krim Teil der Minimalforderung für die Ukraine. Verständlich, da vor 2014 noch ukrainisches Gebiet. Daher ist man rhetorisch auf "die Ukraine soll siegen" umgesattelt, was eher schwammig ist und daher inzwischen teilweise auf "jeder russische Soldat muss vor Verhandlungen aus der Ukraine raus" umgedeutet wird. Das wäre ein Sieg, aber noch kein Ende des Krieges.
Mit anderen Worten: wenn man die Wunschliste in Verhandlungen oder die Definition von Sieg je nach Kriegsverlauf anpasst und vor allem von beiden Seiten immer nachlegt wird, dann kann durch den Kriegsverlauf alleine keine Situation entstehen, wo man übereinkommen kann. Dann gäbe es nur noch den Diktatfrieden. Der ist allerdings aus ukrainischer Sicht nicht zu erreichen, weshalb selbst das anspruchsvolle Ziel "jeden Russen aus der Ukraine drängen" nicht automatisch zum Frieden führt, weil die Russen dann einfach weiterballern, weil sie selbst dadurch noch etwas haben. Von daher ist ohne Verhandlungen dann eigentlich nur noch der russische Diktatfrieden möglich, den ich als die mit Abstand schlechteste Option sehe.
Daher bleibt noch die Herangehensweise, dass man die russischen Belange von dritter Seite ein bisschen kompensiert und sei es in Teilen nur billige Symbolik. Das ist allerdings wiederum nur dann möglich, wenn man von "Russen demütigen" wegkommt. Die Ukraine wird nach dem Krieg sowieso das vielfache an westlichem Support bekommen und schneller wieder bessere Verhältnisse als Russland. Lehnen die Russen das auch nach vielen Versuchen ab? Vielleicht, aber probieren sollte man es trotzdem.
So ganz verstanden habe ich deinen letzten Abschnitt nicht, aber hinsichtlich der Kosten kann ich nur sagen, dass ein immer weiter laufender Krieg finanziell die schlechteste Option ist, weil das Geld einfach verfeuert und die Anschaffungen verschlissen werden.