Der neue Flachbild-Fernseher ist 143 Mal schneller als ein Durchschnittsfernseher, bietet Platz für bis zu drei Terabyte Unterhaltung und die Möglichkeit, beliebige 2D- in 3D-Filme zu verwandeln.
Kinofilme aus dem Internet direkt auf den Fernseher laden, in 3D umwandeln und TV-Sendungen dann ansehen, wenn gerade Zeit ist, und nicht, wenn sie gesendet werden: Das sind die Ansprüche an die Heimkino-Unterhaltung im neuen Jahrzehnt, denen der japanische Elektronikkonzern Toshiba mit einem Fernseher der Superlative begegnen will.
Herzstück des neuen Cell TV ist ein Prozessor, der mit acht Rechnerkernen und 3,2 Gigahertz arbeitet. Dieser Prozessor, der auch in der Spielkonsole Playstation 3 zum Einsatz kommt, macht Toshibas neues Flaggschiff um 143 Mal schneller, als es Durchschnittsfernseher sind. Diese Rechenkraft nutzt Cell TV für einige Spielereien, die die Herzen von Technik-Enthusiasten höherschlagen lassen.
Alles dreidimensional. So kann etwa 3D nicht nur dann genossen werden, wenn der Film oder die Sendung mit einer 3D-Kamera aufgezeichnet wurde. Jeder beliebige 2D-Inhalt – von Fernsehsendungen bis zu selbst gedrehten Videos – kann automatisch konvertiert werden und erscheint dann durch eine entsprechende Brille betrachtet in 3D. Dabei wird das Bild analysiert und anhand von Merkmalen wie Farbe und Schärfe die Raumtiefe berechnet. Anschließend werden zwei stereoskopische Bilder generiert. Erstaunlich genug, dass die Bildqualität darunter kaum zu leiden scheint. Bei ersten Demonstrationen auf der weltgrößten Technikmesse CES in Las Vegas erschienen lediglich die Farben ein wenig matter als üblich. Ganz so plastisch wie bei speziellen 3D-Filmen ist das Ergebnis auch nicht, dafür überraschend scharf und fehlerfrei. Auch Samsung und Panasonic setzen bei ihren 3D-Fernsehern auf diese Technologie.
Mit Cell TV hat Toshiba aber noch weitere Trends im Auge. Mit der Übertragung von Filmen, YouTube-Videos oder TV-Serien in Echtzeit aus dem Internet auf den Fernseher will man 2010 richtig durchstarten. Mit solchen datenintensiven Manövern soll Cell TV besonders gut umgehen können. Dank einer integrierten Festplatte mit bis zu drei Terabyte Speicherplatz lassen sich außerdem einige Stunden Unterhaltung direkt am Fernseher „lagern“, und der starke Prozessor macht es möglich, immerhin bis zu acht Sender gleichzeitig aufzuzeichnen. Theoretisch ist Cell TV auch für eine Auflösung von 3840 x 2160 Pixel gerüstet – allein, an Inhalten mangelt es noch.
Hand statt Fernbedienung. Wohl inspiriert durch Microsofts Project Natal sollen die Nutzer von Cell TV bald auch auf eine Fernbedienung verzichten können und das Gerät stattdessen mittels Handgesten steuern. Das funktioniert dank einer Infrarotkamera am unteren Bildschirmrand. Bei einer Demonstration waren auf der Festplatte gespeicherte Inhalte als kleine Symbole auf dem Bildschirm zu sehen, zwischen denen durch Handbewegungen navigiert werden konnte. Microsoft will heuer ein ähnliches Konzept für die Spielkonsole Xbox 360 veröffentlichen.
Wann genau Cell TV in Europa erhältlich sein wird, ist noch offen. Angepeilt wird ein Termin im Herbst. In Japan ist der Fernseher mit seiner etwas groß geratenen Rechnerkiste bereits seit Dezember zu haben und erfreut sich laut Toshiba größter Beliebtheit. Die Umsätze haben laut Spartenmanager Masaaki Osumi bereits eine Milliarde Yen übertroffen. Ob das Gerät wirklich ein durchschlagender Erfolg wird, bleibt allerdings abzuwarten. Immerhin liegt der Preis für den 55-Zoller in der teuersten Version in Japan bei umgerechnet 7000 Euro.