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Auf Zeitonline gibt es eine kluge Analyse von Bernd Ulrich über Christian Lindner aka die FDP, die es erstaunlicherweise nicht die in die Printausgabe geschafft hat. Ich poste mal die letzten beiden Absätze, auch wenn man es möglichst als Ganzes lesen sollte:
Christian Lindner hat auf die fünfte Wahlniederlage in Folge sozialdemokratisch reagiert. Wie die SPD in ihren Koalitionen mit der Union setzt er bei der Ampel darauf, dass sich eine erfolgreiche Politik der Regierung für die FDP auszahlen wird. Allerdings scheint Lindner daran selbst nicht ganz zu glauben. Um die Berlin-Wahl herum hat er sich auf leicht übertriebene Weise zum Auto bekannt, so als sei es mehr als ein Gerät. In einem Tweet forderte Lindner "Respekt, Toleranz und Vielfalt für Autofahrer". In einem Land mit 48,5 Millionen Pkw, mit Städten, in denen alle Straßen von zwei geschlossenen Stahlbändern gesäumt sind und die Autoindustrie mächtiger ist als, sagen wir: die FDP, wirkt seine Einlassung weniger technikfreundlich oder bewegungsfreiheitlich, sondern vielmehr identitätspolitisch, so als sei der deutsche Autofahrer eine trans Person, die auf "Respekt, Toleranz und Vielfalt" pochen darf. Man sieht, dass die "Stimme der Vernunft" sich beim Parteivorsitzenden gelegentlich überschlägt.
Der Unersetzliche wirkt ratlos
Zweifel an seinem Glauben an das gute Regieren hat Lindner auch gesät, als er sich vergangenen Woche in einem Brief an Robert Habeck in seiner eigenen Sprache sonnte (der Brief war süffisant und kunstvoll formuliert), was auf den Adressaten und den Ampel-Frieden keine gute Wirkung haben dürfte. Profilieren in der Regierung geht also immer mal wieder fließend über in ein Profilieren gegen die Regierung.
Man könnte den Eindruck bekommen, dass Lindner zurzeit nicht so recht weiß, wie er aus der Misere kommen soll, der Unersetzliche wirkt etwas ratlos. Das ist verständlich, die Fragen, um die es geht, haben es in sich. Allerdings müsste er sie endlich stellen, oder zumindest ermutigen, dass sie in seiner Partei gestellt werden. Andernfalls droht Lindner am Ende doch noch das politische Schicksal von Guido Westerwelle. Allzu nahe liegt es, die programmatischen und mentalen Defizite der Partei mit den eigenen Stärken auszugleichen: mit noch mehr Selbstbewusstsein, noch treffenderen Formulierungen, noch geschickterer Profilierung und mit noch mehr Rechthaben.
Christian Lindner hat seine Partei in einem gewaltigen Kraftakt wieder ins Parlament gebracht und im zweiten Anlauf auch in die Regierung. Ins 21. Jahrhundert hat er sie noch nicht geführt.
Christian Lindner hat auf die fünfte Wahlniederlage in Folge sozialdemokratisch reagiert. Wie die SPD in ihren Koalitionen mit der Union setzt er bei der Ampel darauf, dass sich eine erfolgreiche Politik der Regierung für die FDP auszahlen wird. Allerdings scheint Lindner daran selbst nicht ganz zu glauben. Um die Berlin-Wahl herum hat er sich auf leicht übertriebene Weise zum Auto bekannt, so als sei es mehr als ein Gerät. In einem Tweet forderte Lindner "Respekt, Toleranz und Vielfalt für Autofahrer". In einem Land mit 48,5 Millionen Pkw, mit Städten, in denen alle Straßen von zwei geschlossenen Stahlbändern gesäumt sind und die Autoindustrie mächtiger ist als, sagen wir: die FDP, wirkt seine Einlassung weniger technikfreundlich oder bewegungsfreiheitlich, sondern vielmehr identitätspolitisch, so als sei der deutsche Autofahrer eine trans Person, die auf "Respekt, Toleranz und Vielfalt" pochen darf. Man sieht, dass die "Stimme der Vernunft" sich beim Parteivorsitzenden gelegentlich überschlägt.
Der Unersetzliche wirkt ratlos
Zweifel an seinem Glauben an das gute Regieren hat Lindner auch gesät, als er sich vergangenen Woche in einem Brief an Robert Habeck in seiner eigenen Sprache sonnte (der Brief war süffisant und kunstvoll formuliert), was auf den Adressaten und den Ampel-Frieden keine gute Wirkung haben dürfte. Profilieren in der Regierung geht also immer mal wieder fließend über in ein Profilieren gegen die Regierung.
Man könnte den Eindruck bekommen, dass Lindner zurzeit nicht so recht weiß, wie er aus der Misere kommen soll, der Unersetzliche wirkt etwas ratlos. Das ist verständlich, die Fragen, um die es geht, haben es in sich. Allerdings müsste er sie endlich stellen, oder zumindest ermutigen, dass sie in seiner Partei gestellt werden. Andernfalls droht Lindner am Ende doch noch das politische Schicksal von Guido Westerwelle. Allzu nahe liegt es, die programmatischen und mentalen Defizite der Partei mit den eigenen Stärken auszugleichen: mit noch mehr Selbstbewusstsein, noch treffenderen Formulierungen, noch geschickterer Profilierung und mit noch mehr Rechthaben.
Christian Lindner hat seine Partei in einem gewaltigen Kraftakt wieder ins Parlament gebracht und im zweiten Anlauf auch in die Regierung. Ins 21. Jahrhundert hat er sie noch nicht geführt.

