Okay, du bist echt noch zynischer als ich dachte.
Jetzt ist es also die Schuld der Journalist*innen, wenn sich das Iranische Volk - unter anderen mangels internationaler Unterstützung, die aufgrund des Festklammerns an das Atomabkommen auszubleiben scheint - tragischerweise nicht selbst von ihrer Diktatur befreien können sollte?
Und dann wäre dir lieber, man würde über die Aufopferbereitschaft des Iranischen Volkes und die Held*innentode, die gerade (leider!) massenhaft gestorben werden, erst gar nicht berichten?
Und warum? Weil du dich um irgendein "Image" westlicher Medien sorgst?
Es ist nunmal alles was Journalist*innen bleibt: zu appellieren, eine Öffentlichkeit zu schaffen, Menschen eine Stimme geben die sie nicht selbst erheben können. Wenn überhaupt müsste in den westlichen Medien der feministische, Iranische Kampf mehr vorkommen als weniger.
Wenn es dich stört, das geschrieben wird aber nichts bei rumkommt, dann beweg dein Arsch nach draußen und geh auf eine Solidaritäts-Demo mit dem iranischen Volk, die es derzeit sicherlich auch in deiner Stadt gibt. Weil oh Wunder: Sachen passieren nicht einfach. Sie müssen mitunter erzwungen und erkämpft werden und manchmal hilft dabei auch, sich "nur" aus der Ferne zu solidarisieren.
Aber wenn eine 43 Jahre andauernde Diktatur nicht innerhalb von zwei Wochen gestürzt wird dann bitte darüber nicht mehr in der Zeitung schreiben oder in den Nachrichten berichten, das ist schlecht fürs Image und verleidet dem Herrn Mondknallschlumpf die morgendliche FAZ-Lektüre, richtig?
EDIT: Na gut, das war jetzt ein wenig generalistisch in Bezug auf Berichterstattung "Ja vs. Nein". Aber auch inhaltlich kann ich überhaupt keinen nachvollziehbaren Vorwurf an Journalist*innen ausmachen. Du schreibst von der aufgeworfenen Frage nach einer möglichen Revolution. Na klar ist die möglich, so umfassend und unnachgiebig war kein Protest in den letzten 40 Jahren im Iran. Die Revolution ist nicht nur möglich, sondern es bleibt auch zu hoffen, dass sie stattfindet. Du "kritisierst" weiter, dass der Mut der Iranerinnen gelobt würde und die Aufforderung, dass sich westliche Länder an die Seite der Protestierenden stellen sollen.
Und auch hier: Was ist daran falsch? Wenn dann ist falsch, dass die Politik sich diesen Appellen weitestgehend verschließt.
Wenn dabei überhaupt ein Image Kratzer erleiden sollte, dann nicht das der berichtenden Journalist*innen sondern doch vielmehr das der viel zu stillen Frau Bärbock, die sich doch so stolz eine "feministische Außenpolitik" auf die Fahnen geschrieben hat. Davon sehe ich gerade herzlich wenig.