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Der Politikthread (1 Betrachter)

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Man weiss doch dass er noch nie rechnen konnte, wie oft muss man das noch aufzeigen? Man muss aber darüber streiten ob er ein Blender ist oder ein Betrüger.
 
Es ist vor allem erstmal eine rein populistische Ankündigung. Ohne Nachweise Zerschlagungen oder Gewinnabschöpfungen durchzuführen, beißt sich nun mal mit einem Rechtsstaat. Man hat ja in Berlin mit dem Mietdeckel gesehen, wo sowas endet.
 
Jo. So unsympathisch die Mineralölkonzerne auch sein mögen, sollte man sich mal vorstellen, was es bedeuten würde, wenn Staaten anfangen, Unternehmensgewinne in legitime Gewinne und in "Übergewinne" einzuteilen, die es abzuschöpfen gilt. Da wird dann beteuert, dass das ja ne einmalige Sache sei. Und dann wird direkt danach wenn man wieder Geld braucht, geschaut, wen man als nächstes mit Beifall der Bevölkerung angreifen kann. "Big Pharma, die nehmen wir, die kann eh keiner leiden. Danach noch mal die Tech-Konzerne. Und Rüstung mag auch keiner, dann bekommen wir zumindest etwas von dem Geld zurück, dass wir wegen Russland ausgeben müssen." Ist ja auch einfacher als eine sattelfeste staatliche Regulierung umzusetzen. Zum Glück gibt es da rechtlich (noch) sehr hohe Hürden.
 
Gegen eine solche Regelung ist ja die FDP. Das wäre nun ein anderer Ansatz, der speziell auf Märkte zielt, an denen der Nachweis kompliziert ist. Wie eben beim Mineralöl.
 
Mal sehen, ob er eine Regelung gebacken kriegt, die auch vor Gericht standhält. Gibt ja einen Grund, warum sowas nicht möglich ist. Für das Klientel reicht aber auch erstmal eine vollmundige Ankündigung und es wird geklatscht.
 
Naja, er wurde ja auch von der FDP gerügt, dass er zu wenig dagegen unternimmt und steht nun auch unter Druck.
 
Ich sehe es so, dass Maßnahmen wie der Mietendeckel und die von Habeck angekündigte Besteuerung der "Übergewinne" bei Mineralölkonzernen erste Versuche sind, der Ungleichheit des "Marktes" wenigstens etwas Einhalt zu gebieten.

Wie kann es sein, dass es (in einer sozialen Marktwirtschaft) für Mineralölkonzerne rechtlich möglich ist, Preise in einem Oligopol zu Lasten aller (und inzwischen sind diese Extrakosten schon längst auch ein Belastungsfaktor für Industrien und nicht nur private Endverbraucher) immer weiter in die Höhe zu treiben, eine angedachte (Nach-)Besteuerung dann aber nicht rechtens ist/sein darf?

Hier muss meiner Meinung nach ein Staat dringend eingreifen - hätte er eigentlich schon vorher tun müssen - damit es nicht zu solchen "Markt-Eskalationen" kommt.

Ähnlich ist es beim Corona-Impfstoff. Da werden zig hundert Millionen an öffentlichen Forschungsgeldern an Biontech gegeben, damit später der Großteil der Gewinne von Pfizer eingestrichen werden darf. Der Staat soll die Schnauze halten und brav danke sagen, weil er (bzw. seine Kommunen) vom Wachstum Biontechs mit Steuereinnahmen profitieren, das muss reichen.

Eigentlich müsste es hier eine Regulierung geben, dass zur Bewältigung einer Pandemie keine (übermäßigen) privatwirtschaftlichen Gewinne erzielt werden dürften und die Patente zeitnah freigegeben werden! Und ich bin fest überzeugt, wenn es um eine für viele Menschen lebensbedrohliche Pandemie geht, dann sollte ein gemeinsames Forschungs-Interesse bestehen, um die Menschheit zu retten, ohne dass die "freie Privatwirtschaft" der einzige Heilsbringer in einem solchen Szenario ist.

Zurück zur Besteuerung der Übergewinne: Nun ist das zwar ein Ansatz für mehr Gerechtigkeit, aber im Prinzip bleibt erstmal der Fakt, dass (in der gesellschaftlichen Wahrnehmung vorrangig) die Privatperson die überzogenen Preise für den Sprit bezahlt hat und dann der Staat einen Bruchteil dessen wieder reinholen möchte. Hierin sehe ich zwei Nachteile:

1. Die Kosten wurden in höherem Wert als durch die geplante Besteuerung vom Endverbraucher ausgegeben. Der Endverbraucher wird dieses "Delta des Mineralölkonzern-Oligopols" nicht vollumfänglich zurückerstattet bekommen durch die angedachte Extra-Besteuerung.

2. Die Politik muss im Nachgang entscheiden, wie sie die Zusatzeinnahmen wieder der Bevölkerung zukommen lassen möchte und kann. Auch hier kann es gar nicht zu einer ultimativ gerechten "Erstattung" der vorher für Endverbraucher entstandenen Kosten kommen.

Dass nach aktuellem Recht die Extra-Besteuerung richterlich wahrscheinlich einkassiert werden würde, lasse ich in der Betrachtung außen vor, sonst bräuchte ich den Beitrag hier gar nicht schreiben.

Es gibt so viel, was in der aktuellen Zeit wirtschaftlich falsch läuft (außer man ist Großinvestor oder ist Immobilien-Erbe in der richtigen Region), und es ist längst Zeit, dass dieses Ungleichgewicht der Mächte im Markt dringend angepasst werden muss.

Ob dies einem Habeck und dem Wirtschaftsministerium gelingen wird, wage ich zu bezweifeln. Aber er ist in meiner Wahrnehmung seit Jahrzehnten der erste Politiker in solch einer mächtigen Position in Deutschland, der wirklich etwas zum Besseren für die Menschen verändern will.

Eigentlich ist es traurig, dass es in den letzten Jahrzehnten soweit kommen konnte, dass jemand wie Habeck in der Politik wie eine "Ausnahmeerscheinung" rüberkommt und dass der normale Eindruck über einen Politiker von solch Exemplaren wie beim weitgehend konsequenzlosen CSU-Maskendeal (um nur ein Beispiel zu nennen, denn ähnliche Beispiele gibt es quer durch die Parteien) geprägt ist.

Vielleicht stellt sich irgendwann heraus, dass das vom Wirtschaftsministerium Angekündigte eh nur ein PR-Coup ist, aber ich würde mir von Herzen wünschen, dass es endlich jemandem gelingt, die unmoralischen, von Gier geprägten, eine Gesellschaft zersetzenden Regeln mal neu zu schreiben, auch wenn dies zugegebenermaßen eine Herkules-Aufgabe ist.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Eigentlich müsste es hier eine Regulierung geben, dass zur Bewältigung einer Pandemie keine (übermäßigen) privatwirtschaftlichen Gewinne erzielt werden dürften und die Patente zeitnah freigegeben werden!

Es gibt Schätzungen, dass Biontech allein im Jahr der Impfstoffentwicklung für 0,5% der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung verantwortlich war. Eine der wenigen Hightechbranchen, wo Deutschland und Europa wirklich noch in der Welt mithalten können und führend sind. Da fasse ich mir immer an den Kopf, dass viele das durch Patentfreigabe aufs Spiel setzen wollen. Denn genau das würde passieren. Bei der nächsten Pandemie sitzen die dann nämlich nicht mehr hier. Davon ab hätte eine Patentfreigabe nicht denen geholfen, die viele Leute hier vor Augen haben, den armen Afrikanern und Südamarikanern und Südostasiaten, sondern denen, die man eigentlich nicht so gern als Profiteure sehen würde, China und große US Pharma Konzerne, die ihren Status gegen einen Konkurrenten aus Europa absichern, auch wenn es sie vorerst ihr eigenes Patent kostet.

Beim gescheiterten Curevac Deal hat sich die Regierung afaik Unternehmensanteile gesichert und wäre an Gewinnen beteiligt gewesen. Bei Biontech war das nicht der Fall. Dumm gelaufen. Und letztendlich profitiert der Staat und Kommune ja trotzdem davon. Mainz als Stadt hat erstmal ausgesorgt durch die ganzen Steuereinnahmen.

https://www.swr.de/swraktuell/rhein...-klimaschutz-kinder-bildung-in-mainz-100.html

Zu dem ganzen Rest - kann man so sehen, aber die Erfahrung zeigt, dass immer wenn der Staat etwas "gut meint" das nur eine andere Bezeichnung für Desaster ist.
 
Es sei anzumerken, das eine Übergewinnsteuer nicht neues ist:

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Übe...,aus der Stromerzeugung ausdrücklich erlaubt.

Übergewinnsteuer ist eine Steuer, die Residualgewinne abschöpft. Übergewinnsteuern wurden in Großbritannien seit 1915, in Frankreich ab 1916 und in den USA von 1917 an erhoben.[1][2]

Die EU-Kommission hat Anfang März 2022 eine Leitlinie veröffentlicht, die eine bis zum Ende Juni 2022 befristete Besteuerung von Übergewinnen aus der Stromerzeugung ausdrücklich erlaubt.[3

Großbritannien führte im Ersten Weltkrieg 1915 für alle Handels- und Gewerbeunternehmen eine sogenannte „Excess Profits Tax“ ein, Frankreich folgte 1916 und die USA 1917.

Ziel war jeweils, Kriegsgewinne abzuschöpfen, um so die enormen Staatsausgaben in Kriegszeiten mitzufinanzieren. Die Sätze waren im Vergleich zur damals üblichen Steuerbelastung von Unternehmen saftig: Bis zu 80 Prozent des Übergewinns mussten die Firmen an den Fiskus abtreten. Im Zweiten Weltkrieg wurde in den drei Ländern die Übergewinnsteuer reaktiviert, diesmal teilweise mit noch höheren Sätzen. So mussten in den USA ab 1942 90 Prozent und ab 1943 sogar 95 Prozent gezahlt werden.

Es muss also keine heilige Kuh geschlachtet werden.
 
Klar, irgendwo auf der Welt findet man zu allem irgendeine Steuer, die man sich noch oben drauf packen kann. Ob das dann so sinnvoll ist, ist ne andere Frage. Im Notfall dann halt auch ne Kriegssteuer. Wir sind ja auch im Krieg. Im Krieg gegen die Pandemie, im Krieg gegen den Klimawandel und so ein kleines bisschen sogar gegen Putin.
 
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https://www.zeit.de/politik/ausland...t-bei-nordirland-protokoll-alleingang-ohne-eu

Yo, das wird noch lustig mit den Briten. Uncle Joe und Auntie Nancy werden das wohl auch nicht gut finden. Was läuft da bloß intern, daß sie so einen Stunt riskieren?
 
Haben bestimmt noch ganz tolle Handelsverträge mit Mikronesien und Guines-Bissau in der Pipe, und danach beginnt die Weltherrschaft :D
 
Aber es ist schon traurig. Ich mag die Briten eigentlich. Mag die meisten immer noch und war immer gern dort. Auch wirtschaftlich und finanzmarkttechnisch ist mir der angelsächsische Raum vor dem Brexit um Welten näher als das franko-germanische Wirtschaftsverständnis. Und sie waren ein wichtiges Gegengewicht gegen die Blockbildung des europäischen Südens.
 
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