Ist 'ne wirklich besch**** Entwicklung. Es ist ärgerlich, dass wir Russland nichts entgegenzusetzen haben. Ich denke, Putin hat den passenden Moment abgewartet:
- Bündnisse und Rückhalt aus China, Belarus, Tschetschenien,
- einen krisengebeutelten, vermeintlich gespaltenen (Brexit sponsored by Cambridge Analytics und Social-Bots) und geschwächten Westen,
- eine (wie ich glaube) kriegsmüde USA,
- eine militärisch äußerst schwache EU,
- Deutschlands Abhängigkeit vom Gas,
- die Oligarchen haben ihr ganzes Geld vorab nach Russland und in die Schweiz transferiert,
- USA hat zwar noch das mächtigste Militär und Geheimdienste, aber gegen ein Bündnis aus Russland, China, Nordkorea und einigen anderen Ländern/Atomneumächten halte ich selbst die USA + Nato für machtlos. Wenn Putin wollte, könnte er vermutlich binnen kurzer Zeit auch die restliche EU übernehmen.
- Wirtschaftssanktionen dürften Putin nur äußerst perihper tangieren, auch langfristig. Er hat China, mehr braucht Russland wirtschaftlich vermutlich nicht.
- Die EU hat wirtschaftlich, kulturell und infrastrukturell viel mehr zu verlieren und ist geopolitisch und geographisch sehr viel verwundbarer
[...]
Gedanklicher Exkurs am Rande:
[...] Ich frage mich daher schon, wieso so viele Jahre nach dem Kalten Krieg noch immer die Gräben zwischen Russland, China und Co auf der einen Seite und den westliche Ländern respektive der Nato auf der anderen Seite sich nicht überwinden ließen. Ging es wirklich nur um Menschenrechte?
Wo hat die Diplomatie in der Vergangenheit versagt? [...]
Bei den vielen, vielen Beiträgen konnte ich leider nicht mehr nachverfolgen, ob meine eingangs gestellte Frage hier mal wieder aufgegriffen und thematisiert wurde. Derzeit gibt es täglich viele Dokus zum Thema Russland und Ukraine - ebenso auf Youtube.
Bis wir hierzulande begreifen, was zu diesem harten Bruch zwischen Ost und West und auch zum Krieg geführt hat, werden noch Jahre auf Aufbereitung folgen (es hat ja auch Jahre gedauert, bis wir realisierten, dass der Irak keine Massenvernichtungswaffen hatte).
Aber bereits jetzt offenbart sich mir nach und nach unser Anteil und Mitverschulden am Versagen des Friedens und der Völkerverständigung zwischen Westen und Russland. Darunter einige Stichpunkte als Beispiel für eine Gegendarstellung (oder zumindest als billige Rechtfertigung für diesen aggressiven Krieg):
- Putins Rede auf der Münchener Sicherheitskonferenz vor 14 Jahren mit der eindringlichen Warnung davor, die Nato weiter nach Osten zu erweitern. Wir haben alle Warnungen von Russland Jahrzehnte hochnäsig oder einfältig ignoriert.
- Die Auflösung des sowjetischen Militärbündnisses, als der kalte Krieg vorbei war, während die Nator trotz Ende des kalten Krieges weiter expandierte und sogar trotz Verteidigungszwecke in Angriffskriege involviert war oder ohne Mandat vorging
- Herabwürdigung der russischen "Ehre" und Souveränität und Arroganz des Westens ggü. Russland (aus Russlands Sicht...)
- Einmischungen in viele russische Angelegenheiten mit Sanktionen und Hexenjagd durch Medien wegen Menschenrechtsverletzungen (westliche Moralhüter)
- Selensky, der Russland mit seinen Auftritten nach seinem Wahlerfolg herausforderte und bloßstellte (was sich ein Putin sicher nicht gefallen lässt)
- Die Kriegsverbrechen, die die USA im Irak und anderen arabischen Ländern sich erlaubt haben (siehe Bild unten). Die Empörung, als Syrien zerstört wurde, oder Unschuldige durch Drohnenangriffe umkamen, hat im Vergleich zum jetzigen Ukrainekrieg kaum Empörung ausgelöst.
Mich beschleicht das Gefühl, Putin konzertiert diese historischen Fehltritte nach, um sie uns unter die Nase zu reiben. So wie er jetzt chemische Waffen der Ukraine unterstellt, wie er Krankenhäuser und zivile Ziele bombardiert
Das kann natürlich keine Rechtfertigung für so einen schmutzigen Angriffskrieg sein. Und auf so einen autoritären und autokratischen Führungsstil kann ich gut verzichten, daher gönne ich Putin auch keinen Erfolg. Aber wie ich schon sagte:
wenn wir Frieden durch Diplomatie sichern wollen, müssen wir aus unseren Fehlern lernen, die Gegenseite besser verstehen und dazu vor der eigenen Haustür kehren. Das wird nicht leicht. Ich blicke dem Konflikt sehr pessimistisch gegenüber, weil ich die EU, wie bereits von mir dargestellt, für hoffnungslos unterlegen halte in unserer Position. Wir haben die letzten Jahrzehnte alles in Wohlstand, Kultur, Wissenschaft, Fortschritt, Entwicklung und Wirtschaft investiert, während Russland und andere östliche Staaten lieber mehr in Militär investiert haben. Wir haben nichts dem entgegenzusetzen (Beispiel Hyperschallraketen), dafür aber viel zu verlieren und wenig Gewohnheit/Resilienz ggü. Entbehrungen - das wird uns zum Verhängnis.