Also ich fühle mich als weißer Hetero Mann noch nicht, als stünde ich kurz vor dem Sprung auf die Liste bedrohter Arten.
Natürlich wird es immer Berufe geben, die eher von mehrheitlich Frauen als Männern ausgeübt werden, oder eben umgekehrt. Darum geht es bei der ganzen Diskussion um Chancengleichheit auch gar nicht. Da ist ja vielmehr entscheidend, warum etwa Frauen bei gleicher oder höherer Qualifikation nicht in einen Vorstand kommen können. Eine Frage, die ich auch für durchaus berechtigt halte. Leider könnte man diesen Part noch erheblich ausdehnen, etwa auf all jene, die aus nicht ganz so wohlhabenden Familien kommen.
Die völlige Chancengleichheit in einer Gesellschaft ist andererseits reine Utopie. Wir können schließlich nicht alle Anwälte, Diplom-Ingenieure, Zahnärzte oder leitende Angestellte werden. Mein Ansatz wäre auch eher zu fragen, ob es wirklich angemessen ist, wenn Pflegekräfte oder Kassierer mit einem miesen Gehalt nach Hause gehen, wovon man kaum vernünftig leben kann.
Streng genommen haben wir aber schon ein grundsätzliches Problem, welches bei völlig irrgeleiteten Ansprüchen beginnt. Sieht man leider auch sehr schön am mangelnden Interesse für Handwerksberufe bzw. Karriere grundsätzlich. Kommt eben dabei heraus wenn Eltern zunehmend meinen, ihre Kinder müssen unbedingt in eine leitende Position, weil alles drunter kompletter Auswurf ist. Warum haben wir schon Rekorde an Studienabgängern? Da hast Du dann auch bei Kaufmanns-Berufen durchaus Azubis, die kommen mit einem Selbstverständnis ins 1. Lehrjahr, sie wären dazu berufen Führungskraft zu werden, und das nicht erst in 10 oder 20 Jahren... sondern direkt am 1. Tag der Ausbildung.
Wäre ja schon ein Anfang, wenn einfach wieder mehr Menschen mal einen Gang zurückschalten würden, denn diese "Mir steht das zu!" Mentalität ist Gift für eine Gesellschaft. Geführt werden solche Debatten öffentlich meist nur noch sehr hysterisch und am äußersten Ende der Fahnenstange. Damit wird man allerdings keinen Konsens erreichen.