Wäre ja langweilig, wenn ich perfekt bliebe.
War natürlich nicht ernst sachlich, sondern in einem Forum dahingesagt.
Also ernsthaft: Erbärmlicher öffentlicher Angriff der CSU auf die Person, fertig aus.
Aber (ganz andere Sache) willst du mir sagen, dass die Reaktion nicht eine ganz andere wäre, wenn die Person eine optische Lichtgestalt wäre?
Als ob das Politikum sich auch nur im Geringsten aufgrund
Hengameh Yaghoobifarahs Aussehen ereignen würde.
Als wäre nicht das Problematische, dass die CSU die Kolumne einer linken, als migrantisch gelesenen Person
in einer Art und Weise skandalisiert, die vor dem Hintergrund, dass gerade der rechtsextrem-motivierte Mordfall am Parteifreund Walter Lübcke verhandelt wird, einfach nur beschämend ist.
Als wäre der Skandal nicht, dass die zweitgrößte Polizeigewerkschaft Deutschlands sich mal wieder komplett lächerlich macht, in dem sie den*die Autor*in wegen "Volksverhetzung" anzeigt. Großes, dickes LOL!
Als wäre nicht das Traurige, dass jetzt jeder Chefredakteur eines bürgerlich-konservativen Scheißblatts, von NZZ bis FAZ, sich gemüßigt fühlt sich aus seinem Designer-Möbel-Büro heraus an Yaghoobifarah abzuarbeiten.
Als wäre nicht diese ganze Reaktion Ausrduck dessen, was an der Sache am meisten stinkt: nämlich dass Satire offensichtlich etwas ist, dass ein Jan Böhmermann in die eine Richtung darf, ein*e Hengameh Yaghoobifarah aber nicht in eine andere Richtung.
Leo Fischer hat zu einem ganz ähnlichen Fall mal im vergangenen Jahr etwas sehr wahres geschrieben:
»Satire darf alles« ist ein deutsches Sprichwort, das oft mit einem seltsamen nationalen Stolz vorgetragen wird - nach dem Motto »Freie Fahrt für freie Bürger«: Es gibt keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Humorautobahnen! Tatsächlich beruht die allgemeine deutsche Satirefreiheit wie immer auf unausgesprochenen Zugangskontrollen und einem stillen Konsens: Satire darf zwar alles, aber nicht alle dürfen Satire.
Vor allem darf Satire nicht migrantisch sein. Kritik am System, gerne - aber bitte von hier! Von Leuten mit ungewöhnlichem Nachnamen hört man sie gleich viel weniger gern. Da werden auch Linksliberale plötzlich paternalistisch: Seid doch dankbar! Werdet nicht hysterisch!
Der Kommentar war damals übrigens passenderweise übertitelt mit
"Migrantische Satire - Abfall" (neues-deutschland.de)
Und: Die damals Betroffene hat es damals - zyischerweise auf den Tag genau vor zwei Jahren - ebenfallsauf den Punkt gebracht:
Also: wenn eine satirische TAZ-Kolumne all das in Gang setzt. Dann muss man allein darüber sprechen, wie zur Hölle das bitte sein kann. Und erst dann kann man darüber sprechen, wie man inhatlich zu der Satire steht. Und gar nicht sprechen muss man über die optische Erscheinung der betroffenen Person, denn um die ging es nie.