Allerdings eignet es sich aus meiner Sicht auch nicht besonders, um jetzt die große Kapitalismuskritik daran aufzuhängen. Da gibt es doch bessere Beispiele.
Ja na klar, deswegen muss man den Kapitalismus bei jeder Gelegenheit kritisieren, weil der Kapitalismus so grundlegend etabliert ist, dass er in beinahe allen Lebensbereichen greift und es quasi keine gesellschaftliche Prozesse (mehr) gibt, die frei von kapitalistischen Logiken sind.
Der Spargel ist nur eines der Beispiele, auf das dies zutrifft.
Und sicher kann man entgegnen, dass es am unterschiedlichen Lohnniveau liegt, dass man andernfalls die Lebensgrundlage der Menschen zunichte macht, die dafür möglicherweise sogar 'gerne' nach Deutschland zum arbeiten kommen und so weiter und so fort.
Das greift aber in so fern nicht, weil man natürlich weiter in der Systemlogik gefangen bleibt. Natürlich ist es scheiße für rumänische Erntehelfer*innen, wenn ihnen die Einnahmen wegbrechen auf die sie möglicherweise angewiesen sind.
Aber das ist ja nicht die Kritik, zumindest nicht meine. Ich kritisiere das System, dass genau für diese Konstellation verantwortlich ist.
Das Problem ist jedoch, dass in den meisten Diskussionen (so wie auch hier) die Phantasie einer 'kapitalismusbefreiten' Welt so eindimensional ist, dass die einzig vorstellbare Alternative ein gescheiterter Sozialismus zu sein scheint.
Das erschwert natürlich jede Diskussion; denn eine Alternative zum Kapitalismus - selbst eine abstrakte - scheint unvorstellbar und alle weiteren Argumente sind quasi tautologisch: dass z.B. ein unterschiedliches Lohnniveau herrscht etc. ist ja gerade ein Ergebnis des kapitalistischen Wettbewerbs und damit ebenso in der Kritik mitgemeint.
Das große Problem in der Nahrunsgmittelproduktion ist nunmal, dass sie - mit allen Vor- und Nachteilen - nach kapitalistischer Logik funktioniert. Das heißt, dass es einen Markt gibt, auf dem es Angebot und Nachfrage gibt und genau danach geregelt ist. Und der Lebens- und Arbeitsbedingungen, Ethik, Hunger und dergleichen höchstens mittelbar nachgeschaltet sind.
Wenn Lebensmittel in erster Linie also Kapital sind, dann folgt eben sowas:
Das Angebot ist da, aber es gibt keine kapitalgestützte Nachfrage. Um Markt und Preise zu schützen werden die nicht absetzbaren Produkte dem Markt durch Vernichtung entzogen. Geschieht natürlich ebenso in Europa.
Es gibt hungernde Menschen und es gibt genügend Lebensmittel, aber in einer kapitalisitischen Marktlogik finden diese zwei Entitäten nicht zusammen.
Das gleiche passiert mit dem Spargel.
Da steckt weniger ein nahrhaftes Lebensmittel im Boden als vielmehr gebundenes Kapital, das vernichtet werden würde, wenn es nicht bald da rausgeholt wird.
Und im Kapitalismus zählt eben nur das Kapital, weshalb es auch politischer Wille es zu schützen.
Da diskutiert man dann einerseits, ob es unter dem Vorwand von Seuchenschutz wohl noch erlaubt ist, sich in München alleine auf eine Parkbank zu setzen und ein Buch zu lesen.
Und fernab davon, in einer scheinbar anderen Realität, werden Sonderflüge eingesetzt um Menschenmassen von A nach B zu transportieren um Kapital zu schützen.
Das ist dann eben meine grundsätzliche Kritik am Kapitalismus: dass die Logiken so weit greifen, dass sie letztlich fast schon gegensätzlich zum gesunden Menschenverstand stehen.
Und da frage ich mich einfach, ob es wirklich so geil ist in einem Gesellschaftssystem zu leben, dass vom gesunden Menschenverstand und vom Wohle der Menschen so weit entkoppelt ist, wie es im Kapitalismus nun mal in vielen Fällen ist:
Aber die Alternative ist wohl SoZiAlIsMuS aka es gibt keine Alternative.
edit: Ich hab auch schon verständlicher formuliert aber jetzt ist der Beitrag geschrieben und naja