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Der Politikthread (1 Betrachter)

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Ich bedauere, dass bei den Amis immer noch kein Umdenken eingesetzt hat in der großen Masse. Ein Land, in dem eine gesetzliche Krankenversicherung immer noch als Kommunismus diffamiert wird, ein Land, in dem ein Bernie Sanders, der nach normalen politischen Vorstellungen so etwas wie ein Sozialdemokrat ist, dort aber als Sozialist gilt.

Und ich habe die Befürchtung, dass auch die Corona-Pandemie nicht genügend US-Amerikanern die Augen öffnen wird, wie scheiße ihr soziales Netz eigentlich ist und auf Menschenleben einen Scheißdreck gibt. So leben sie (und wir) halt weiter im Neoliberalismus und lassen sich/uns erzählen, dass dies der einzige Weg für Wohlstand ist. Wohlstand für wen? Für immer weniger Menschen im Westen?
 
Noch ein paar Worte zum Rückzug Sanders.
Bernie Sanders Was Right - Goodbye to an honest man's campaign. (nytimes.com)

Wenn man Sanders schon länger verfolgt hat, oder aber zumindest die letzten Jahre (ich verfolge ihn und seine Politik zumindest seit seiner letzten Kandidatur recht nah), dann war das mit das Augenscheinlichste und das Beeindruckendste: seine Ehrlichkeit und seine Integrität. Und zwar nicht nur innerhalb der Kampagne, sondern über seine gesamte politische Karriere hinweg.
Wir hatten diesen Punkt hier letztens Mal im Zuge der Kandidatur von Merz zum Parteivorsitz, als ihm seine Ablehnung zu einem Gesetz gegen eheliche Vergewaltigung aufs Brot geschmiert wurde.
Sowas hat es bei Sanders nie gegeben. Und wenn er mal einen politischen Fehler gemacht hat, dann hat er es unverhohlen zugegeben und ehrliche Reue gezeigt. Aber grundsätzlich ist und war er jemand, der für seine Überzeugungen schon immer und stets ohne Rücksicht auf Verluste eingetreten ist; und diese Positionen waren lange Zeit wenig populär.

Trump hat vor vier Jahren erfolgreich einen "Anti-Establishment"-Wahlkampf geführt, was absurd erscheint angesichts der Tatsache, dass niemand so sehr für das neoliberale Establishment, das die us-amerikanische Politik fest in der Hand hat, steht, wie Trump.
Bernie hat auch einen Anti-Establishment-Wahlkampf geführt; aber bei ihm hat es zu 100% gestimmt und deswegen waren auch seine politischen Forderungen für die etablierten Mächte tatsächlich gefährlich.
Sinnbildlich für die Angst des Establishment (zu dem auch weite Teile der Medien gehören) diese Nachricht über das Ausscheiden Bernies aus dem Kandidatenrennen:
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Jetzt ist man also bei Biden gelandet als Gegenkandidat zu Trump. Und ich kann mir kaum eine Konstellation vorstellen, die ernüchternder sein könnte.
Biden ist der absolute Gegenentwurf zu Sanders, auch wenn man es kaum glauben mag, wenn man sich vor Augen führt, dass beide zunächst mal alte weiße Männer sind.
Aber der eine ist halt wirklich ein "alter, weißer Mann" (also so einer, den man meint wenn man heutzutage von "alten, weißen Männern" spricht). Und der andere ist Bernie, der um sich rum ein Team versammelt hat, das diverser nicht sein könnte, das nicht mehr für ein progressives Amerika stehen könnte. Und eben jemand, dessen Politik kaum weiter entfernt sein könnte von Klientelpolitik für alte, weiße Männer.

Auch hier mal ein Symbolbild, um die Unterschiede zwischen Biden und Bernie auf den Punkt zu bringen:
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Naja, jetzt also Biden vs. Trump.
Oder aber auch:
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Und damit eben auch die Verhinderung links-progressiver Politik für die nächsten fünf Jahre. Depremierend as fuck.

Aber, um hoffnungsvoll zu enden: Bernie ist zwar inzwischen auch eine absolute Kultfigur der amerikanischen Politik. Aber sein Personenkult ist nicht seine Politik (anders als bei Trump).
Er war in diesem Jahr nur so erfolgreich und dicht dran, weil er seine Kampagne von vor fünf Jahren niemals beendet hat, sondern damals etwas angestoßen hat, was über die Jahre gewachsen ist und eine wahre Bewegung geworden ist.
Um ihn und seine Poltik herum haben sich viele, viele junge Menschen gescharrt, aber vor allem auch viele junge Politiker*innen, die seine Politik inhaltlich fortführen werden.
Oder um es mit Noah Chomsky zu sagen:
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Das gibt Zuversicht.
Aber ehrlich gesagt muss ich erst mal noch ein bisschen enttäuscht sein. Ich weiß zwar nicht was ich erwartet habe, denn allein dass Bernie so nah dran war ist eine größere Sensation als Trumps Wahlsieg vor vier Jahren, weil Sanders die wesentlich mächtigeren Gegner*innen ins Visier genommen hat.
Naja, ich bleibe für immer Bernie-bro!
 
Ja, Bernie wäre mir auch lieber als Biden gewesen.

Ich hoffe dass Pete Buttigieg in den nächsten Jahren noch mehr Zuspruch bekommt. Empfand ich auch als recht vielversprechenden Kandidaten.
 
Sanders hatte halt nie eine Chance, auch wenn seine Anhänger sich da immer was Anderes eingeredet haben. Er mag ja im eropäischen Sinne ein Sozialdemokrat sein, im US-amerikanischer Wahrnehmung ist er ein Sozialist und die will keiner. Gut, daß er raus ist, auch wenn er das selbst nicht richtig wahrhaben will.
 
Vor allem in der eher konservativen Mittelschicht hätte er 0 Chancen gehabt. Habe auch Verwandte in den USA in Illinois. Die waren eigentlich immer eher Reps, warum auch immer. Bei der letzten Wahl dann Demokraten, weil sie Trump verachten. Aber wäre es Sanders geworden hätten sie vermutlich sogar noch eher Trump gewählt als Sanders.
 
Sanders hatte halt nie eine Chance, auch wenn seine Anhänger sich da immer was Anderes eingeredet haben. Er mag ja im eropäischen Sinne ein Sozialdemokrat sein, im US-amerikanischer Wahrnehmung ist er ein Sozialist und die will keiner. Gut, daß er raus ist, auch wenn er das selbst nicht richtig wahrhaben will.
Jo die Amis spinnen halt. Sozialist. Das ist sooo peinlich. Aber gut. Sozial wird ja gleich mit Kommunismus dort gleich gesetzt.
Aber die "Basis" träumt ja auch vom Reichtum der Reichen.
Aber die sind ja eher das Problem.
 
Vor allem in der konservativen Mittelklasse hätte er 0 Chancen gehabt. Habe auch Verwandte in den USA in Illinois. Die waren eigentlich immer eher Reps, warum auch immer. Bei der letzten Wahl dann Demokraten, weil sie Trump verachten. Aber wäre es Sanders geworden hätten sie vermutlich sogar noch eher Trump gewählt als Sanders.
Wobei das ja Konservativen gefallen müsste. Systeme die nicht funktionieren, müssen verändert und verbessert werden. Was funktioniert bleibt halt erhalten. Doof nur, dass der Konservatismus so subjektiv ist :/.
 
Uff, der ist ja sogar noch neoliberaler als die FDP. Hoffe der stürzt so schnell wieder ab wie er hochgeflogen ist.

Echt?

Gut, ich muss gestehen dass ich jetzt den Wahlkampf nicht soooo aktiv verfolgt habe.
Hatte nur ein paar Interviews gesehen als er die Kandidatur angekündigt hat. Da wirkte er eigentlich ganz vernünftig.

Aber wenn man Trump als Messlatte hat, wirkt alles vernünftig.
 
Wobei das ja Konservativen gefallen müsste. Systeme die nicht funktionieren, müssen verändert und verbessert werden. Was funktioniert bleibt halt erhalten. Doof nur, dass der Konservatismus so subjektiv ist :/.

Die haben halt alle mega Schiss vor Krankenversicherungskosten. Die Kosten sind ja wie allgemein bekannt in den USA eh schon völlig absurd. Jeder, der allen nicht Versicherten eine volle Krankenversicherung verspricht löst in der Mittelschicht Panik aus, weil sie denken, dass ihre eh schon absurden Kosten dann noch weiter steigen würden. Dann behalten sie lieber das zerbrochene System, dass sie aber bereits kennen, als aufs Unbekannte zuzusteuern.
 
Meiner Meinung nach werden sich eine Hillary oder ein Biden nie langfristig erfolgreich gegen solch Typen wie einen Trump positionieren können, weil sie genau für die Politik stehen, die ein Trump erst möglich gemacht haben. Da überhaupt erst die neoliberale Politik und die wachsende Ungleichheit durch den Kapitalismus so einen Typen wie Trump möglich gemacht haben.

Nur dass die durch den Kalten-Krieg aufgebaute amerikanische Psychose heute noch bei zu vielen ihre Wirkung zeigt und alles Links von einem Neoliberalen-Demokraten für Sozialistisch oder gar für den Kommunismus gehalten wird. Eine Hillary oder Biden werden langfristig nichts gegen solch Typen wie Trump ausrichten. Sollte der Biden doch unverhofft gegen Trump gewinnen, wird spätestens in 5 Jahren ein anderer Trump regieren.

Dieses Ping-Pong zwischen moderat Neo-Liberal zu Rechts-Erz-Neoliberal wird weiter gehen.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Sehe ich auch so. Auf der anderen Seite wäre ein Sanders aber auch niemand, der die Lager miteinander versöhnen könnte. Politische Kompromisse waren ja noch nie seine Stärke. Und ein Populist ist er ebenfalls, wenn auch der besseren Sorte.

Wie den auch, wenn sich so eine Politik wie die von Sanders nie beweisen/zeigen darf.
Das ist halt tragisch... so bleibt sie halt auf ewig nur dieses Schreckgespenst.
 
Meiner Meinung nach werden sich eine Hillary oder ein Biden nie langfristig erfolgreich gegen solch Typen wie einen Trump positionieren können, weil sie genau für die Politik stehen, die ein Trump erst möglich gemacht haben. Da überhaupt erst die neoliberale Politik und die wachsende Ungleichheit durch den Kapitalismus so einen Typen wie Trump möglich gemacht haben.

Nur dass die durch den Kalten-Krieg aufgebaute amerikanische Psychose heute noch bei zu vielen ihre Wirkung zeigt und alles Links von einem Neoliberalen-Demokraten für Sozialistisch oder gar für den Kommunismus gehalten wird. Eine Hillary oder Biden werden langfristig nichts gegen solch Typen wie Trump ausrichten. Sollte der Biden doch unverhofft gegen Trump gewinnen, wird spätestens in 5 Jahren ein anderer Trump regieren.

Dieses Ping-Pong zwischen moderat Neo-Liberal zu Rechts-Erz-Neoliberal wird weiter gehen.
Genau aus diesem Grund sagte ich bereits vor 4 Jahren mit Sanders wäre Trump nie Präsident geworden. Jetzt hätten die Demokraten die Gelegenheit gehabt die Scharte auszuwetzen...
 
ich finde bemerkenswert wie intensiv ihr euch mit der amerikanischen politik beschäftigt. gleichzeitig frage ich mich, wie viele von euch sich schon mal mit amerikanern in diese richtung unterhalten haben. klar, trump betrifft die ganze welt. niemanden würde es überraschen, wenn er den dritten WK vom zaun bricht, aber abseits davon? ami sind anders als wir. sie haben eine ähnlich kultur und prägen unsere, klar. aber sonst ist es schwer für uns auch nur im ansatz nachzuvollziehen wie die ticken. und dafür muss man nichtmal in den mittleren westen gehen.

es ist ein freies, demokratisches land. sie wollen jemanden wie sanders (noch) nicht. da brauchen wir sie doch nicht bedauern oder ihnen erklären wie blöd sie sind. sie haben selbst die wahl und sie entscheiden sich halt anders.
 
ich finde bemerkenswert wie intensiv ihr euch mit der amerikanischen politik beschäftigt. gleichzeitig frage ich mich, wie viele von euch sich schon mal mit amerikanern in diese richtung unterhalten haben. klar, trump betrifft die ganze welt. niemanden würde es überraschen, wenn er den dritten WK vom zaun bricht, aber abseits davon? ami sind anders als wir. sie haben eine ähnlich kultur und prägen unsere, klar. aber sonst ist es schwer für uns auch nur im ansatz nachzuvollziehen wie die ticken. und dafür muss man nichtmal in den mittleren westen gehen.

es ist ein freies, demokratisches land. sie wollen jemanden wie sanders (noch) nicht. da brauchen wir sie doch nicht bedauern oder ihnen erklären wie blöd sie sind. sie haben selbst die wahl und sie entscheiden sich halt anders.
Prinzipiell richtig. Aber: Wenn sich jemand dazu entscheidet Kot zu essen darf ich das ja auch blöd finden.
 
Genau aus diesem Grund sagte ich bereits vor 4 Jahren mit Sanders wäre Trump nie Präsident geworden. Jetzt hätten die Demokraten die Gelegenheit gehabt die Scharte auszuwetzen...

Mit Sanders wäre Trump noch deutlicher Präsident geworden. Dann hätten auch die gemäßigten Demokraten nicht gewählt und Hillary wäre noch weiter abgestürzt. Die Mehrheit der Amerikaner will keinen "Sozialisten", auch nicht die Demokraten.

Edit: Beachtet die "" bevor die Mistgabeln rausholt...
 
ich finde bemerkenswert wie intensiv ihr euch mit der amerikanischen politik beschäftigt. gleichzeitig frage ich mich, wie viele von euch sich schon mal mit amerikanern in diese richtung unterhalten haben. klar, trump betrifft die ganze welt. niemanden würde es überraschen, wenn er den dritten WK vom zaun bricht, aber abseits davon? ami sind anders als wir. sie haben eine ähnlich kultur und prägen unsere, klar. aber sonst ist es schwer für uns auch nur im ansatz nachzuvollziehen wie die ticken. und dafür muss man nichtmal in den mittleren westen gehen.

es ist ein freies, demokratisches land. sie wollen jemanden wie sanders (noch) nicht. da brauchen wir sie doch nicht bedauern oder ihnen erklären wie blöd sie sind. sie haben selbst die wahl und sie entscheiden sich halt anders.
Ist das nicht ein todschlagsargument im Prinzip für jede Diskussion?
Er ist so und macht das so fertig?
Also klar, ich verstehe dein Punkt.
 
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