Das sind zwei verschiedene Themen.
Ich sehe eine soziale Verantwortung bei jedem Menschen. Da ist es auch ein kontinuierliches Spektrum an sozialer Leistung, die man erbringen kann, und kein schwarz und weiß. Unabhängig (oder relativ) vom eigenen Einkommen. Man kann auf ein Auto verzichten oder auf Fleisch oder auf Produkte aus Chinas Fabriken. Oder auf alles oder auf gar nichts. Schön und gut.
Es gibt aber auch ein Problem, das tatsächlich Reiche betrifft, also müssen sie es auch richten. Wenn ein Großteil des weltweiten Vermögens bei Superreichen liegt, dann ist das per se zweifelhaft. Und es wird zum Problem, wenn es an anderen Stellen fehlt. Und Geld ist nun einmal limitiert. Ein Bezos ist so reich, weil seine Mitarbeiter so arm sind.
Und klar. Das Spiel kann man auch weiterspinnen und landet bei dem Ergebnis, dass
wir so reich sind, weil andere Menschen am Ende der Welt so arm sind. Also wirklich arm. Und jetzt gibt es leider einen Knackpunkt, der ziemlich grau ist, und zugegeben dadurch schwierig zu verstehen und zu vermitteln ist. Aber man muss sich hier die Dimensionen deutlich machen.
Ungefähr die Hälfte des weltweiten Wohlstandes gehört einem Prozent der Menschen. Das sind alles Millionäre. Also selbst wenn die Menschen so viel abgeben würden, dass sie weiterhin superreich wären, könnten alle anderen Menschen auf der Welt doppelt so wohlhabend sein. Das ist von mir aus utopisch, aber wir müssen hier irgendwo ansetzen. Irgendwo muss man diese Ungleichheit angehen. Es kann doch nicht sein, dass einige wenige Menschen abartig viel Geld haben, so abartig viel, dass sie einen Verlust von 99% praktisch nicht spüren würden, weil sie sich immer noch alles auf der Welt leisten könnten, aber andere Menschen Existenzängste haben, die nicht weniger arbeiten. Klar, lässt sich das mit dem Kapitalismus legitimieren. Alles was der Kapitalismus erreicht, ist zwangsläufig moralisch, weil er der Motor der Wirtschaft ist. Aber ich persönlich bin mit der Antwort nicht zufrieden. Für mich muss es da eine Lösung geben, die für eine faire Verteilung des Wohlstands sorgt. Das müssen keine Steuern sein. Man wäre ja schon glücklich, wenn das Geld irgendwo hinfließen würde und nicht allein dem Reichtum dienen würde.
Und selbst wenn es dafür keine Lösung gibt und die Weltwirtschaft zusammenbricht, wenn Top Manager nur noch Millionen und keine Milliarden verdienen, weil ihnen die Motivation fehlt, verstehe ich nicht, wie man sich das schönreden kann und mit Neid und gesellschaftlichen Leistungen (die noch nicht einmal auf Multimilliardäre zurückzuführen sind) gegenargumentiert.