G
Gelöschte Mitglieder 688
Gast
Den Kuschelkurs in den Talkshows, wenn man mal wieder denkt einen AfD Mann-/Frau einzulanden versteh ich überhaupt nicht. Genau so müsste das jedesmal ablaufen wie es Herr Somuncu mit Brander macht. Immer! Aber eigentlich auch mit jedem anderem Politiker der sich im rumdrucksen versucht.
Kleiner Nachtrag: Serdar Somuncu gerade auf seiner Facebook-Seite.
+++Nachlese zu einem unsichtbaren Skandal +++
Wenn man sich auf ein Gefecht mit dem Teufel einlässt, darf man sich nicht darüber wundern, dass es in der Hölle gelegentlich hitzig und selten zimperlich zugeht. Alles andere wäre ziemlich naiv.
Dass ich Zielscheibe einer unbändigen Wutwelle werde, die über mich schwappt, wenn ich einen „führenden“ Protagonisten der Gruselpartei AfD in meine Sendung einlade und wage als zwangsrekonvertierter „Ausländer“ meine Wurzeln zu ignorieren und dieselben Methoden anzuwenden wie diejenigen, die sich sonst dreist vorbehalten alle Regeln der politischen Leitkultur zu brechen und zu ignorieren, war mir also irgendwie klar. In meiner jahrelangen Auseinandersetzung mit allen Formen des neuzeitlichen Faschismus habe ich schließlich diese unberechenbare Wut zu genüge schätzen und fürchten gelernt.
Vielleicht habe ich es mir gerade dadurch schon fast redlich verdient in die Schranken eines überambitionierten Migrantenclowns zurückgewiesen zu werden, der versucht mit seinen begrenzten Möglichkeiten aufzuzeigen, wie undemokratisch, perfide und zugleich dämlich diese vermeintlichen Deutschlandbeschützer rüberkommen, wenn man sie mal am braunen Schopfe packt.
Aber, was ich jetzt an Kommentaren in den Spalten einschlägiger Foren lese, das erschüttert nicht nur mein eigentlich intaktes Deutschlandbild, es lässt mich vor allem daran verzweifeln, wie wenig Möglichkeiten es gibt, sich dem Überfall des scheinbar Gewöhnlichen zu entziehen und wie viele Menschen es gibt, die dieses ungezähmte Wüten mittlerweile als selbstverständlich ertragen.
Es ist ein kollektiver Offenbarungseid, dass es in diesem Land eine Wiederauferstehung längst ausgestorben gedachter Unsitten zu geben scheint, die Teil eines neonationalistischen Feldzugs gegen alle anderen sind.
Nationalismus ist schick. Anti sein gegen alles und immer. Die neuen Punks tragen blau und denken dunkelbraun. Intoleranz ist gleich Mut zur Wahrheit und Wahrheit ist allzeit en vogue. Dabei ist alles gelogen und nur hohle Behauptung. Staatsmedien, Fremdbestimmung. Selbst das bipolare Verhältnis der Rechten zur Gerechtigkeit ist nichts anderes als gedankliches Unkraut, das einzig auf dem fruchtbaren Boden der Realitätsverklitterung gedeihen kann, wenn man es nur ausreichend mit abstrakten Vorurteilen düngt. Egal. Systemterror ist Pseudoaufklärung, gepaart mit blinder Aggression und als freie Meinungsäusserung getarnter Beleidigung.
Unverhohlene Beschimpfungen jenseits von Strafbarkeit und moralischer Anbindung haben Vorfahrt vor humanistischen Werten und rationaler Erwägung. Patriotismuspolitik lebt von ihrer unterschwelligen Emotion und der latenten Panik. Seltsamerweise ist dabei die Leidensfähigkeit der Angegriffenen oft geringer, als die Schmerztoleranz ihrer Opfer. Sobald man getroffen ist, wird zurückgeschlagen. Unerbittlich und immer im Namen einer schweigenden Mehrheit. Man wähnt sich unter seinesgleichen. Die Relation zur Gerechtigkeit ist verkommen zu einem leidlich unterdrückten Verfolgungsphantasma, indem unsichtbare Gutmächte auf den reinen Geist des nach Wiederauferstehung kämpfenden Teutonengemüts trachten.
Gerade dieser paradoxe Überlegelegenheitsgedanke aber ist die Krux an der Überheblichkeit der neuen Rechten. Sie glaubt wirklich mit den verhältnismäßig überschaubaren Stimmanteilen, die sie erringt einen Gezeitenwechsel der Mehrheitsgesinnung herbeiführen zu können, dabei ist sie nur ein beträchtliches Stürmchen im Wasserglas vor dem man sich nur dann fürchten muss, wenn man auf offener See nicht schwimmen kann.
(Wiederholung der So!muncu Sendung am 02.Juni um 11.10 Uhr auf ntv)
