Sehe ich nicht so. Die USA und die Fed haben da mehrere Vorteile. Wenn in den USA ein Bundesstaat in Schwierigkeiten gerät, ist eine Insolvenz möglich, es gibt keinen Schutzschild vom Bund. Und so eine Pleite hätte auch keine Auswirkung auf die Bonität der USA da die US Staatsanleihen unabhängig davon laufen.
In Europa zieht der schwächste und am höchsten verschuldete Staat alle anderen mit in den Abgrund, wenn sie sich nicht mehr finanzieren können. Deshalb muss die EZB mittlerweile eigentlich nur noch den Schuldenstand und Zins von Italien & Co. im Auge behalten und kann sich nicht mehr auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren.
Die USA haben zwar auch ein massives Schuldenproblem, aber sie können es zumindest zentral angehen und haben noch dazu die Leitwährung.
Ich bin verwirrt
Dein Post scheint mit dem ursprünglichen Thema nur bedingt etwas zu tun zu haben.
"Einige Staaten bräuchten eigentlich Zinssenkungen, andere Zinssteigerungen." bezog sich (für mich) einerseits auf die Inflation und andererseits auf die wirtschaftliche Entwicklung. Und da gilt diese Aussage für einige Staaten der Eurozone genauso wie für einige Bundesstaaten der USA.
Unabhängig davon: Eine Insolvenz eines US-Bundesstaates gab es meines Wissen nach noch nie und rechtlich ist dies wohl auch gar nicht ohne weiteres möglich* (
https://www.newsweek.com/bankruptcy-mitch-mcconnell-coronavirus-states-crisis-1500013; https://smartasset.com/financial-advisor/state-bankruptcy), insofern verstehe ich die Argumentation nicht. Bezüglich deiner These, dass es in den USA keinen Schutzschild vom Bund gäbe, nur diese eine Aussage aus dem ersten verlinkten Artikel:
"He [
Anm.: Maclyn Clause, professor of finance at the University of Denver's Daniels College of Business] believed that whatever the parlous circumstances of a state's finances, ultimately the federal government would come through with funding. However he believed it might be accompanied by tough stipulations on it being spent on essentials such as education, the police, and the transportation departments." Das klingt mir irgendwie erstaunlich ähnlich zu dem was man in der Eurozone mit Griechenland angestellt hat.
* Aus dem zweiten Artikel: "...State bankruptcy is uncharted territory for the U.S. legal system. It’s hard to say if any federal bankruptcy law for state governments would actually be legal, and almost impossible to predict how it would work if enforced. ..."
Auch bezüglich Bonität bin ich verwirrt: Deine Aussage bezüglich den USA ("... Und so eine Pleite hätte auch keine Auswirkung...") scheint zu implizieren, dass es in der Eurozone anders wäre. Nur zeigte doch die Eurokrise ganz hervorragend, dass die schlechtere Bonität und die höheren Zinsen einzelner Staaten (Griechenland, Spanien, Italien etc.) eben keine Auswirkung auf die Bonität anderer Staaten hatte (Deutschland, Niederlande, Österreich etc.). Naja, also irgendwie schon - die Zinsen in einigen anderen Staaten sind gesunken
Auch hier verstehe ich nicht wie diese Schlussfolgerungen zustande kommen:
"In Europa zieht der schwächste und am höchsten verschuldete Staat alle anderen mit in den Abgrund, wenn sie sich nicht mehr finanzieren können. Deshalb muss die EZB mittlerweile eigentlich nur noch den Schuldenstand und Zins von Italien & Co. im Auge behalten und kann sich nicht mehr auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren."
Wenn der erste Teil der Aussage stimmen sollte, warum hat dann die Eurokrise nicht dazu geführt, dass Griechenland, Italien und Co. Deutschland, Niederlande und Co. in den Abgrund gezogen haben? Und wenn der zweite Teil der Aussage stimmen sollte, warum hat dann die EZB die Zinsen bei steigender Inflation ab 2022 erhöht? Sie hätte - nach deiner Logik - sich nicht auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren können -, aber irgendwie sprechen sowohl die Handlungen (Zinsen erhöht; scheiß auf den Schuldenstand von Italien), als auch die Aussagen der EZB dafür, dass sie sich sehr wohl auf ihre Aufgabe konzentriert (primär die Inflationsrate im Rahmen zu halten).
Aber jetzt sind wir auch furchtbar weit von dem ursprünglichen Thema weitgekommen...