Und dann wundert man sich.
27j. Lehrer missbraucht seinen Zweijährigen, hortet Kinderpornos in Massen, fliegt nach Hinweis der USA auf und bekommt dafür 27 Monate. Das Strafmaß ist für mich persönlich viel zu gering aber jetzt kommt es: nach Berufung wird die Strafe zur Bewährung ausgesetzt weil er der Täter grad versucht sein Leben auf die Kette zu bekommen.
Ich verstehe es nicht. Das ist doch schon fast ein Friebrief für alle Triebtäter. Das senkt die Hemmschwelle doch noch weiter. Oder wiegt die Vater und Beschützerrolle bei mir zu arg um das neutral bewerten zu können ?
Oberster Grundsatz bei unserem Straf- und Justizsystem ist es, Täter zu resozialisieren. Es geht bei uns erst mal nicht darum, jemanden wegzusperren. Das ist ultima ratio bei gemeingefährlichen Menschen, die sich jeglicher Resozialisation und Therapie widersetzen.
Und das ist als unverrückbarer Grundsatz erst mal gut so. Vor dem Gesetz darf NIEMAND seine Menschenwürde verlieren, egal wie abartig die Taten, egal wie sehr mal es aus einer emotionalen Reaktion her gut fände.
Daher ist es für mich erst mal verständlich, dass Strafen zur Bewährung ausgesetzt werden, wenn Psychologen eine Therapierbarkeit und Therapiewilligkeit diagnostizieren. Nur von den zwei Sätzen, die du zum Fall gepostet hast, bin ich hier aber auch verwundert, dass man dann direkt die Zügel so locker lässt und nicht die Therapie erst mal unter Haft durchführt, bis Erfolge sichtbar sind.
Da gibts für mich zwei Möglichkeiten: Entweder die Zusammenfassung vernachlässigt wichtige Aspekte, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Oder die Entscheidung war in diesem Fall schlichtweg falsch, da man einen untherapierten und durch seine Neigung gefährlichen Menschen frei gelassen hat.
Wenn ich als zweifacher Vater nur daran denke, dass sowas auch meinen Jungs passieren könnte, dreht sich mir natürlich auch der Magen um. Und wenn ich dann den Menschen in die Hände bekommen würde, könnte ich auch nicht dafür garantieren, dass ich ihn nicht aus dem Affekt und Hass heraus von Kopf bis Fuß zu Brei und Klumpen schlage.
Ich würde hoffen, dass ich die Größe hätte, das nicht zu tun, aber ich weiß es schlicht nicht. UNd will es auch nicht rausfinden müssen.
Aber trotzdem weiß ich, dass diese Reaktion nicht auch durch das Justizsystem erfolgen kann. Und bevor wir wie in den USA anfangen, Straftäter direkt wie Tiere wegzusperren und ihnen alle Grundrechte komplett und quasi unwiderruflich nehmen, bin ich der Meinung, dass unser Ansatz der Bessere ist. Denn auch wenn er hier und da zu solchen Ergebnissen führt, ist das gesamtgesellschaftliche Ziel, Straftäter zu resozialisieren und ihre Würde weiterhin zu achten, höher zu bewerten. Denn das sind die Dinge, die uns als Gesellschaft voranbringen und uns aus dem Mittelalter gelöst haben.
Und bevor jetzt jemand meine Erwähnung der Menschenrechte aufgreift und das auf die allerschlimmsten Verbrechen spiegelt: So schwer es fällt, der Staat muss auch da Artikel 1 GG achten. Auch wenn das sicher allen Beteiligten inklusive dem Richter schwer fallen wird. Und natürlich gehören manche Fälle in Sicherheitsverwahrung. Aber das darf nur das letzte Mittel sein.
Soviel mal mein Versuch, das differenzierter zu betrachten als "knöpft ihn an den Eiern auf und schneidet ihm die dann mit einem rostigen Brötchenmesser ab und lasst ihn Kopf voran in ne Kiste alter Fixer-Nadeln fallen".
Denn diese emotionale und verständliche Reaktion bringt das Justizsystem nicht weiter, ganz im Gegenteil.