Schärfen ist eigentlich ein sehr einfaches Thema...
Grundsätzlich gilt, dass in der digitalen Fotografie JEDES(!) Bild unbedingt nachgeschärft gehört.
Nahezu alle gängigen Digicams arbeiten mit einem Bayer Sensor, wodurch es systembedingt bereits zur Unschärfe kommt.
Ebenso haben die meisten einen Anti-Aliasing-Filter vor dem Sensor, der dem Moiré-Effekt und der Treppenbildung bei diagonalen Linien entgegen wirkt.
Hinzu kommt noch die Interpolation des Bildes. Durch die Umrechnung gehen Details verloren und das Bild wirkt unschärfer.
Gibt also reichlich gründe, wieso man unbedingt nachschärfen sollte.
Klar kann dies auch die Kamera mittels Menueinstellung übernehmen, aber wir wollen ja selbst die volle Kontrolle behalten und sobald zu viel Schärfe im Bild ist, gibt es keine Möglichkeit mehr für uns dies rückgängig zu machen, außer wir haben im RAW-Format fotografiert.
Schärfe ist im Grunde nichts anderes als Kantenkontrast. Je deutlich der Unterschied an einer Kante ist, desto eher wird es von uns als scharf wahrgenommen.
Häufigste Probleme die uns beim Schärfen begegnen sind Bildrauschen und überstrahlender Kantenkontrast.
Das Problem des Bildrauschens lässt sich durch Schwellenwertsregelung beim Schärfen umgehen, indem ein Schwellenwert gewählt wird, in dem gerade noch nur die Kanten geschärft werden, nicht jedoch die Flächen des Bildes, wodurch es zum Bildrauschen kommt.
Überstrahlender Kantenkontrast ist auch sehr schnell festzustellen. Sobald der Kontrast an der Kante zu krass wird, entsteht ein heller Lichtsaum (Halo). Unser Auge wird grundsätzlich von hellen Punkten angezogen und dementsprechend fällt es auch sofort negativ auf, wenn man mal genauer darauf achtet.
Eine genaue Regel wie sehr man nun schärfen soll, gibt es nicht wirklich. Einfach darauf achten, wann die Halo-Bildung eintritt und nur bis an jenes Limit schärfen, sodass gerade kein Halos zu sehen sind.
Beim Schärfen trifft man auch auf die "Radius-Einstellung", dort gibt es eine kleine Faustregel (die nicht immer stimmen muss, aber oft stimmen kann): Radius = Auflösung(DPI)/200
Für eine Monitor-Optimierung (72dpi) wären das in etwa 0,2-0,4px bei einer Stärke von oft über 100% und für den Printbereich 1,1-1,5px bei einer Stärke von teilweise sogar an die 200%.
Ist aber natürlich auch immer sehr stark von Motiv, Objektiv und Cam abhängig. Bei einem Porträt wird man auch ganz anders schärfen, als zum Beispiel bei einer Landschaftsaufnahme, bei der man am besten möglichst viele Details herausarbeiten möchte, während beim Portrait der Schwellenwert zB größer gewählt sein wird, um die Hautunreinheiten nicht noch zu verstärken.
Ein weiteres Problem bei Farbbildern sind Farbverschiebungen. Bei der Schärfung eines Farbbildes wird oft jeder RGB Kanal geschärft und es kann durch die Kontraständerung zu Farbverschiebungen kommen, die äußerst unschön aussehen. Um da dagegen zu halten, müsste man das Bild vorher in den LAB-Modus versetzen. Der A und der B Kanal enthalten hier die Farben, während der L Kanal rein in Schwarz-Weiß gehalten ist. Schärft man nur diesen Kanal, so kommt es auch nicht zu Farbverschiebungen. Das Bild muss im Anschluss aber wieder in den RGB-Modus gebracht werden, was mit 8bit leider nicht nur Vorteile bringt. Hier findet wiederum eine Umrechnung statt, was nicht ganz verlustfrei bleibt, aber in den meisten Fällen mit der Lupe zu suchen ist und daher nicht auffallen wird.
Wer hier absolut verlustfrei arbeiten möchte, müsste zuvor das 8bit Bild in ein 16bit Bild umwandeln, dann von RGB in LAB, von LAB zurück in RGB und von 16bit wieder zu 8bit. Das JPG-Format hat zB nur eine Tiefe von 8bit.
Ah ja, geschärft wird grundsätzlich nur auf 100% oder fürs Web auf direkter Ausgabegröße. Bei allen anderen Zoomfaktoren findet wiederum eine Interpolation der Software statt, was wiederum in nicht korrekt dargestellter Schärfe resultiert.