Erinnert ihr euch noch, wie es Anfang des immer noch jungen Jahres in diesem Thread ganz schön heiß herging, weil hier eine
vermeintlich rassistische H&M-Werbung die Gemüter bewegt hat? Oder eben nicht bewegt hat, was wiederum Anlass war für noch bewegtere Gemüter derer, deren Gemüt ohnehin schon bewegt war, was dann wiederum auch die Gemüter der zunächst unbewegten Gemüter bewegt hat?
Jedenfalls, ich bin gerade über einen sehr interessanten Artikel zu genau dieser Debatte gestolpert und es ist fast schon erstaunlich wie sehr dieser eine Quintessenz der damaligen KT-Diskussion darstellt:
Eine Anleitung gegen Ignoranz in Rassismusdebatten
Nur weil man keinen Rassismus erkennen kann, heißt das nicht, dass er nicht da ist.
auf sueddeutsche.de oder bei kleinerdrei.de
Inhaltlich wurde dazu ohnehin schon alles gesagt; sowohl hier durch die beteiligten Personen als auch nochmal sehr schön dargelegt in dem oben verlinkten Beitrag.
Ich empfehle die Lektüre des Beitrags an dieser Stelle aber dennoch, gerade auch wegen der vielen interessanten Querverlinkungen im Text, der die Argumentation noch mehr untermauert und viele weitere Hintergrundinformationen bereit hält.
Danke für den sehr interessanten Artikel, den ich gestern komplett gelesen habe.
Ich muss sagen, dass ich bei diesem Thema nach wie vor hin und her gerissen bin und seit dieser H&M-Werbung schon darüber nachdenke, wie ich damit umgehen soll, ohne bisher zu einem Ergebnis gekommen zu sein.
Auf der einen Seite kann ich die Ansichten derer, die sich dadurch tatsächlich SELBST diskriminiert fühlen (also nicht für andere sprechen) nicht nachempfinden. Ich bin ein weißer, deutscher Mann und damit vermutlich einer der am wenigsten benachteiligten Menschen auf diesem Planeten, und genau deshalb kann ich es nicht im Ansatz nachempfinden, wie es ist, diskriminiert zu werden. Ich versuche mich da hineinzuversetzen, aber es fällt mir schwer. Mir bleibt daher nur zur Kenntnis zu nehmen, dass sich manche Menschen durch diese Werbung diskriminiert fühlen, und es zu akzeptieren.
Soweit die eine Seite.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch eine Stimme in mir, die sich diesem "Akzeptieren" empört entgegenstellt. Wobei - nein, das ist falsch - es geht nicht um das Akzeptieren an sich, dass sich jemand diskriminiert fühlt (das will und darf ich niemandem absprechen), sondern allein um die Konsequenzen, die daraus entspringen mögen. Muss H&M sein Marketing verändern, nur weil sich manche Menschen davon angegriffen fühlen? Muss ich meinen Lebensstil verändern, nur um möglichst niemandem auf den Schlips zu treten? Im Falle der H&M-Werbung kann ich den Unmut verstehen, aber wo kann so etwas hinführen und wo muss man die Grenze ziehen?
Wenn nun der Ultrareligiöse daherkommt und sich beleidigt fühlt, dass seine Kinder in der Schule mit der Evolutionstheorie konfrontiert werden ... der Türkischstämmige regt sich auf, weil im neuen H&M-Katalog zwar ein schwarzes, ein weißes und ein asiatisches Model abgebildet werden, aber kein arabisch aussehendes ...
Freiheit bedeutet eben auch, dass man ertragen muss, was andere in der Öffentlichkeit machen. Und die Frage, die ich mir stelle ist die, ob ein Schwarzer nicht ebenso diese H&M-Werbung ertragen muss, so wie ich es als sehr religionskritischer Mensch ertragen muss, dass ich tagtäglich mit der christlichen Tradition unseres Landes konfrontiert werden.
Ich weiß nicht einmal, ob das vergleichbar ist und tue mich wie gesagt mit diesem Thema sehr sehr schwer.