Okay, nun will ich mich doch noch dazu äußern, weil ich das Gefühl habe, dass ich einige Dinge nicht unwidersprochen lassen kann und will.
Im KT gehören wir augenscheinlich nicht zu der Personengruppe, die sich durch die hier besprochenen Darstellungen auf den Müller Milch-Flaschen verletzt fühlen könnten. So weit so gut. Was ich jedoch unendlich anmaßend finde ist aber die Haltung, die sich bei einigen hier dann breit macht, bei der potentielle Betroffene negiert oder zumindest marginalisiert werden.
Getreu dem Motto, „Ich aus meiner Sicht sage: von so einer Darstellung
kann man gar nicht verletzt oder betroffen sein. Ich habe zwar in meinem Leben keine derartige Diskriminierung, Marginalisierung, etc. zu spüren bekommen, aber fühle mich dennoch zu dieser Einschätzung berufen.“
Konkret geäußert wird das dann in etwa so…
(ich habe bereits einen Link gepostet, in dem sich ein Vertreter der
Initiative Schwarze Menschen in Deutschland(sic!) äußert. Aber was ist schon die Stimme eines Betroffenen gegen das eigene Empfinden?)
… oder so…
… und hier finde ich die Argumentation schon fast perfide, weil hier bereits ein Grundstein gelegt wird, sich dem Diskurs verweigern zu können.
Ich kann also sagen „es gibt schwarze Frauen, die sich verletzt fühlen“, siehe zum Beispiel…
… aber es ist eben
nur eine betroffene Person, erst mal ein Einzelfall. Das hat ja keine Relevanz für die Mehrheitsgesellschaft. Wo kämen wir denn auch hin, wenn wir auf jede Befindlichkeit Rücksicht nehmen sollten?
Und das zieht sich so weiter…
Nochmal, es wird überhaupt nicht versucht, die Perspektive einer betroffenen Person einzunehmen, geschweige denn nachzuvollziehen. In der gesamten Diskussion werden Betroffene ausgespart, da wird „sich aufgeregt“ von Leuten „die zu viel Zeit haben“. Dabei verschaffen erst die Leute, „die zu viel Zeit haben“ und „sich aufregen“ den Betroffenen eine Bühne, auf der sie gehört werden können. Oder auch nicht, wenn man hier den Thread verfolgt.
Was Probleme sind, entscheiden nämlich
wir, nicht
die.
Eine weitere Strategie: nicht nur werden potentielle Betroffene nicht mitgedacht, es werden auch alle, die sich mit diesen „solidarisieren“ als
nichternstzunehmende Spinner abgestempelt. Und da hilft auch der Zusatz nichts, dass ich nicht Adressat der Aussage bin, aber dass mit dem „verkorksten Leben“ nehme ich durchaus persönlich.
Und dann ist mir noch folgendes ein Anliegen, Thema: political correctness.
Dazu ein Zitat des österreichischen Kabarettisten Thomas Maurer:
Political Correctness wird mittlerweile hauptsächlich dazu verwendet, um die Gegenseite zu diskreditieren. Was der Begriff nämlich nahelegt ist, dass diejenige (heute mal generisches femininum) nicht wirklich diese Meinung vertreten würde, wenn sie nicht gerade der PC entsprechen würde. PC wird dabei als eine Meinung verstanden, die von einer Art ominöser, totalitärer Macht dem dummen Volk aufoktroyiert wird. Und jede, die eine Position einnimmt, die zufällig der PC entspricht, ist dann kein frei denkender Mensch mehr, sondern ein gesteuerter Lemming.
Im Umkehrschluss ist natürlich diejenige, die nicht die PC vertritt, die wahre Freidenkerin und im Gegensatz zur Gegenseite in der Lage, den eigenen Verstand zu benutzen und sich nicht von oben steuern zu lassen.
Das setzt ein vollkommen verqueres Verständnis voraus, wie PC überhaupt zustande kommt. Denn es ist doch so, dass PC überhaupt erst aus einem stattfindenden oder stattgefundenen Diskurs hervorgeht, in dem Argumente ausgetauscht wurden, Positionen vertreten wurden, freie Rede und Gegenrede stattgefunden hat. Das macht es irgendwie pervers all jenen, die eine Meinung vertreten, die sich mit der PC deckt, zu unterstellen, sie seien fremdgesteuert und plapperten ominösen Mächten nur nach dem Mund.
Ups, jetzt habe ich doch wieder eine
wall of text produziert.
Deswegen gestern auch: tl;dr.