Was man bei diesem Fall aber beachten sollte ist, dass der Bezirk hier nicht hoheitlich sondern privatwirtschaftlich eine Entscheidung getroffen hat.
Warum ist das wichtig? Ganz einfach: Beim hoheitlichen Handeln tritt der Staat (und in diesem Fall der "Bezirk", als Subeinheit des Staates) dem Bürger in einer übergeordneten Position entgegen um das Recht durchzusetzen und einen funktionierenden Staat aufrecht zu erhalten. Beispiele: Die Polizei nimmt einen einer Straftat Verdächtigen fest, die Baubehörde erlässt einen Bescheid, dass ein Gebäude abzureißen ist, weil es nicht den Bauvorschriften entspricht und so weiter.
Tritt der Staat aber privatwirtschaftlich auf, so tritt er dem einzelnen Bürger auf Augenhöhe entgegen. Wenn der Staat also beispielsweise alte Büromöbel auf einer Auktionsplattform verkauft oder eben Werbeverträge mit Unternehmen abschließt, die auf in seinem Eigentum stehenden (!) Plakatflächen Werbung machen wollen, dann handelt er nicht aus einer übergeordneten Machtposition heraus, sondern mit den selben Rechten und Pflichten versehen, wie sein Gegenüber.
Der Artikel der BZ suggeriert durch das Benutzen der Begriffe "zensiert" und "verboten" hier ganz klar, dass der Bezirk hoheitliche Maßnahmen ergriffen hätte, um "sexistische" Werbung zu verbieten.
Wenn man aber den Artikel liest, so stellt man fest, dass der Bezirk bloß bei "allen Werbeverträgen, die das Bezirksamt abschließt" auf die Einhaltung der neuen Richtlinien achten will und das ganze nur für "die vier Werbestandorte, die dem Bezirk gehören" gilt. Es geht also darum, dass der Bezirk in seinem privatwirtschaftlichen Handeln das machen möchte, was er für richtig hält.
Entgegen dem, was in dem Artikel also auf den ersten Blick suggeriert wird, schreibt der Bezirk keineswegs hoheitlich vor, dass auf sämtlichen Werbeflächen im Bezirk keine "sexistische" Werbung mehr plakatiert werden darf, sondern er wird ab jetzt auf seinen eigenen, in seinem Eigentum stehenden Werbeflächen nur noch jene Werbung zulassen, die er für "nicht sexistisch" hält.
Während einem auch das natürlich nicht gefallen muss, ist es doch ein sehr großer Unterschied, ob der Bezirk irgendetwas hoheitlich "zensiert" oder "verbietet", oder ob er einfach im Rahmen seiner privatwirtschaftlichen Tätigkeiten mit seinem eigenen Eigentum das macht, was er für richtig hält. Immerhin, das darf man nicht vergessen, sind die politischen Entscheidungsträger die das beschlossen haben, ja auch demokratisch legitimiert.
Ich hab mir jetzt gerade überlegt, warum ich mir die Mühe gemacht habe, das so genau auseinander zu klamüsern und bin draufgekommen, dass es vermutlich deswegen ist, weil ich nochmal darauf hinweisen möchte, wie wichtig es ist, gerade bei solchen "Aufregerthemen", die in den Medien absichtlich reisserisch transportiert werden, kritisch zu sein, ganz genau zu lesen, zu hinterfragen und zu reflektieren, bevor man sich vorschnell eine Meinung bildet und sich in eine emotionale Diskussion stürzt, die dann mangels tragfähiger Faktenbasis von Anfang an zur Fruchtlosigkeit verdammt ist.