Dafür aber die völlig verblödeten Trials.
Bin jetzt im zweiten Kapitel und doch ein wenig überrascht wie gut der Nachfolger in den frühen (User-)Reviews weggekommen ist. Es wurde ja von vielen Verbesserungen gesprochen und da habe ich zumindest einen kleinen Sprung erwartet (wie von 999 auf VLC). Verbessert bzw. überhaupt verändert wurde bis jetzt gar nichts und ich bezweifle, dass sich da noch viel tun wird.
Die Charaktere sind gewohnt abgedroschen, irgendwie ziemlich dumm und auch in den aufklärenden Free-Time-Gesprächen nicht sonderlich interessant. Die Story und Inszenierung ist auch auf dem Niveau des Vorgängers. Man zockt halt wieder dieselbe Story, aber zum Glück bekommt man relativ früh absurde Wendungen, die das Geschehen etwas anziehen. Langsam fühlt man auch die Verknüpfung zum ersten Teil und dann dürfte es auf einer abstrusen, freakigen Ebene irgendwo spannend werden.
Gameplay ist leider wieder sehr unsinnig und noch einen Tick blöder. Der Kern ist natürlich wieder derselbe, nur das man sich jetzt in einigen wenigen Abschnitten frei bewegen kann. (Hätte ich jetzt nicht gebraucht). Die Neuerungen findet man im Drumherum. Man hat jetzt z.B. ein Tamagotchi, um das man sich jetzt kümmern darf. Es macht Kaka und darf beschenkt werden. Mit jedem Schritt (deswegen die freien Abschnitte) wird es etwas älter und entwickelt sich irgendwann bis es dann abhaut und einen beschenkt (mit Münzen und Geschenken, grind, grind grind). Braucht niemand, aber gut.
Die Class Trials thronen auf dem Olymp der Blödsinnigkeit. Anstatt einfach Ace Attorney zu kopieren und alle glücklich zu machen, muss man hier wieder durch eine Vielzahl dämlicher Minispiele durch, in denen sich irgendwo die logische Aufschlüsselung des Falls versteckt. Damit es nicht langweilig wird, hat man alle Mechaniken des Vorgängers übernommen und um noch mehr verworrene Mechaniken ergänzt (bereits im ersten Trial). Es reicht natürlich nicht, dass man das Zwischengebrabbel mit dem Schalldämpfer wegballern muss um das Argument gegen die Falschaussage zu schießen. Man muss jetzt auch mit einem Schwert unwichtige Aussagen per Combo in richtiger Richtung wegschneiden, damit der Gegner (evtl. nach einer Wer-drückt-schneller-X-Runde) seine Falschaussage überhaupt erst präsentiert. Es ist so dumm. Ich will darüber nicht weiter reden.
Ich habe natürlich immer noch viel Spaß mit dem Game. Ein bisschen schade ist es schon, wie niedrig das production value bei (den meisten) japanischen Visuel Novels ist. Abseits des (wirren) Drehbuches steckt hier so wenig Mühe oder zumindest Kompetenz drin. Hoffentlich kommt das Genre irgendwann beim Qualitätsstandard 20 Jahre alter westlicher Adventures an. Aber genug Nippon-Disses. Wer den Vorgänger gezockt hat und mit 999 (übrigens ein sicherlich besserer Einstieg in das Genre) und so was anfangen kann, sollte zuschlagen.