Ja, ist Crackdown. Und wisst ihr was: das ist großartig. Fühlt sich genau so an wie der Erstling. Nicht wie der im wahrsten Sinne des Wortes mutierte zweite Teil, den mochte ich nicht. Nein, wie der gute erste.
Präzise, spaßig und vor allem: süchtig machend. Es gibt keine (kaum) Story und auch keinen vorgeschriebenen Weg, sondern nur dich, die Gegner und Orbs. Und das reicht aus, um bereits nach kürzester Zeit wieder eine ungemeine Sogwirkung zu entwickeln. Das Grundprinzip ist einfach zu reizend. Uh, irgendwo in der Nähe erklingt der typische Orb-Sound. Wo ist er denn? Ah, gefunden! Wie komme ich jetzt da hoch? Hier, dort, geschafft. Vertikalität ist abermals ausreichend gegeben. Oh, schon höre ich den nächsten Orb summen. (Gelungene Integration des Sounds in die eigentliche Spielmechanik.) Einer geht noch, immer. Dazu die ständigen Belohnungen. Sind ja nicht nur die (Agility)Orbs, sondern für jede Aktion und jeden Kill gibt es entsprechend deiner Spielweise bunte Bälle. Gegner erschossen, Waffen-Orbs. Gegner erschlagen, Power-Orbs. Gegner Granate an den Kopf geworfen, Explosions-Orb. Usw. Du züchtest dir deinen passenden Superagenten einfach durchs Spielen des Spiels heran. Und dabei willst du natürlich immer mehr und mehr. Cool wie der Agent auch visuell immer weiter "aufgepumpt" wird.
Ja, das funktioniert auch heute noch einwandfrei.
Spielerisch hat es auch einige Detailverbesserungen erhalten. Mehr Waffen, Gadgets und Upgrades etwa. Oder Kleinigkeiten wie die Tatsache, dass Ausweichen und Springen auf dem linken bzw. rechten Analogstick liegen. So musst du auch in hitzigen Situationen nicht den Daumen vom Stick nehmen, was das Movement überraschend präzise macht. Hatte ich nicht so erwartet.
Aufmachung ist nett. Ich mag den überzeichneten Agency-Schwachsinn. Technisch ist es gut. Läuft flüssig, erscheint in 4k ziemlich sauber und es gibt auch einzelne schicke Effekte. Artdesign ist dabei genau so reduziert und simplifiziert wie 2007, was echt angestaubt aussehen kann, aber insgesamt deutlich cleaner.
Simples, aber effektives Arcade-Game, das, im positiven wie negativen, im Jahr 2007 hängengeblieben ist. Man fühlt sich in diese seichte Zeit zurück versetzt, in der es eben noch ausgereicht hat und cool war, in einer statischen Open-World Kulisse einfach nur Gegner (und Zivilisten - wie herrlich sie durch die Gegend fliegen) umzunieten, Explosivfässer zu zünden und seinen Agenten aufzuleveln. Wer braucht schon emotionale Stories und Inszenierung? Aber die Videospiellandschaft hat sich natürlich geändert. Wer schon die Sammelei in aktuellen Ubi Open-Worlds kritisiert, der dürfte von Crackdown 3 Albträume kriegen. Verstehe ich.
Mochte man jedoch Crackdown 1 und mag man sein Spielprinzip auch heute noch, kriegt man hier ein ebenso süchtig machendes Jump'n Run'n Gun. Absolut okayes Spiel. Wertungen passen. Ist kein Highlight, aber auch nicht dieses "bah, ekelhaft", zu dem es einige gerne stilisieren. Ob es seinem (wahrscheinlich hohen?) Budget und der Entwicklungszeit gerecht wird, ist eine andere Frage. Tut es nämlich nicht. Aber dass hier allerlei Ressourcen verschwendet wurden, war ja abzusehen. Ändert aber nichts am brauchbaren Endprodukt. Das ist Crackdown 2007 in 2019. Kann man spielen - perfekt geeignet auch für kurz zwischendurch oder nach der Arbeit, zum abreagieren. Muss man aber nicht.
Multiplayer gibt's die Tage.