Will jetzt, wie versprochen, auch noch ein paar Worte zu dem Film verlieren...
Vorweg, ich wurde nicht enttäuscht, was meine größte Befürchtung war, nachdem ich Mittwoch eine erneute Sichtung des Originals unternahm. Man lehnt sich wirklich sehr stark an dieses an, während man dennoch eigene Wege zu beschreiten versuchte. Besonders deutlich wird dies im Art Design des Films. Hier hat man etliche Stilmittel übernommen, mitsamt eines "Retro Trimmings" aber trotzdem seine eigene, moderne Handschrift gezeichnet. Dieser Balance Akt hat mir wirklich ausgesprochen gut gefallen. Die ganzen, teilweise sehr subtilen Anspielungen auf den Vorgänger haben mir natürlich auch immer ein Schmunzeln auf die Lippen gezaubert. Ich denke audiovisuell muss man da nicht viel mehr sagen, außer dass Blade Runner 2049 in dem Aspekt wasserdicht und hervrragend war. Ob er genauso gut altern wird wie sein Vorgängern, der mich audiovisuell selbst nach 35 Jahren noch stark beeindruckte? Ich weiß es nicht aber da der neue Blade Runner etwas mehr auf CGI denn das Original damals setzt, wenn auch sehr hochwertig und stimmig verwirklicht, habe ich da trotzdem meine Zweifel.
Ein kurzer Nachtrag zum 3D: Das war ziemlich sinnlos, hat aber auch nicht wirklich gestört. Man merkt es schon recht deutlich, dass man beim Drehen nicht zu viele Gedanken daran verschwendete und es sich eigentlich um eine 2D Produktion handelt. Hat mich aber, als bekennender 3D Gegner, auch nicht großartig gestört.
Inhaltlich muss ich Clouds "die Story passt leider auf einen Bierdeckelrand" nochmal aufgreifen. Prinzipiell hat er damit nicht unrecht, denn der rote Faden lag recht offen und war eigentlich auch ziemlich kurz (ganz nebenbei bemerkt, war dies beim Vorgänger auch bereits der Fall). Von demher hätte man zumindest das wirklich auf einen Bierdeckel verfassen können. Weshalb ich es aber nicht ankreide und nicht ganz dem entspricht wie ich es wirklich wahrgenommen habe, liegt daran WIE es ausgeführt wurde. Man hat dieses Bisschen an roten Faden sehr schlüssig und konsequent verfolgt, mit sehr, sehr viel Liebe zum Detail. Was mir auch hervorragend gefallen hat und da bin ich ja immer ein ganz großer Fan von: Es war wieder mal ein einer jener seltenen "Blockbuster", der sehr viel rein durch seine Bilder und Akustik zu erzählen wusste und dies nicht immer nur in seinen Dialogen verpacken musste (meiner Meinung nach auch ein gewisses Markenzeichen von Villeneuves Filmen). Um all diese kleinen Details auch atmen zu lassen, hat man sich mit den 2:43 Stunden an Laufzeit auch reichlich Zeit gelassen und dem somit ausreichend Raum geboten. Ich könnte daher nicht behaupten, dass er mir zu lange gewesen wäre. Nein, das war eigentlich genau goldrichtig. Der kurze, roten Faden verfügt demnach über ausreichend Tiefe und weiß gekonnt die Sinne zu transzendieren.
Apropos Blockbuster. Einen solchen sollte man sich lieber nicht erwarten. Der neue Blade Runner entfernt sich noch weiter vom typsichen Blockbuster als dies das Original bereits tat. Er weist schon gewisse Züge eines Avantgardefilm light auf. Ob nun das Original von 1982 oder Villeneuves Sequel besser ist, vermag ich nach der einmaligen Sichtung noch nicht zu beurteilen. Dazu muss ich mir Blade Runner 2049 nochmal auf Blu-ray ansehen. Bis dahin betrachte ich die beiden Filme auf Augenhöhe und kann ihn daher ausnahmslos jedem Fan des Vorgängers empfehlen, da er hier nicht viel Angriffsfläche zur Enttäuschung bietet. Wer jedoch mit dem Klassiker bereits nicht warm wurde, für den stehen die Zeichen schlecht, da sich Blade Runner 2049 insgesamt doch wesentlich exzentrischer als sein Vorgänger gibt.
Mit Sicherheit einer der besten SciFi Filme, die ich je gesehen habe.