Berlin lebt fast allein durch seine Ausländerviertel. In Kreuzberg und Neukölln, in den Bezirken, wo es teilweise auch nur türkische Geschäfte gibt, ziehen immer mehr Akademiker und Künstler ein. In Kreuzberg 36 sieht man mittlerweile fast nur noch Studenten. Überall gibt es auch kleine Galerien/Ateliers und kleine kiezige Geschäfte. Neukölln wird je weiter man sich vom Hermannplatz entfernt immer türkischer, aber trotzdem sehr angenehm, lebendig und immer studentischer.
Gerade durch diese Ausländerviertel ist die Kultur dort sehr interessant. Mir gefällt das so. Niemand will und braucht Integration. Wir verlangen eher Assimilation und ich bezweifle, dass gut gemeinte Gründe dahinter stecken. Wenn jemand Metaltürken kennenlernen will, dann kann er das tun. An jeder Uni gibt es Türken mit selbstständigem Musikgeschmack. Und Türken, die in dreckigen Vierteln aufgewachsen sind, sind genauso wie Deutsche, die aus diesen Gegenden kommen. Die Umgebung zeichnet einen Menschen.
Und hier urteilen die meisten doch bestimmt ohne Kontakt mit den vermeintlich asozialen Türken gehabt zu haben. Auch die nuschelnden Lederjackentypen sind reflektierende Menschen. Sie haben kein Vertrauen in Deutschland. Es gibt von keiner Seite eine Annäherung. Und wenn man doch mal in Kontakt kommt (und nicht abgezogen wird), wenn man vielleicht etwas Fußball kicken geht und dann eine Türkengang aufkreuzt, dann herrscht doch spätestens nach dem Spiel ein sehr angenehmer Respekt auf beiden Seiten.
Das sind vollwertige Menschen und keine dämlichen Proleten, die man erst umerziehen muss. Ich finde es respektlos wie über diese Kultur gesprochen wird. Wenn Integration, dann bitte auf Augenhöhe und nicht dieses herablassende Belehren.