Eines der Hauptanliegen von Nadal ist das Einführen einer 104-Wochen Rangliste anstelle des aktuellen 52-Wochen Rankings. Er geht davon aus, dass dadurch Karrieren länger werden, weil Top Spieler häufiger pausieren können und verletzte Spieler besser geschützt wären. Nadal bekommt viel Zuspruch. Einer der wenigen prominenten Gegner: Roger Federer
ESPN.com hat mal durchgespielt, was so ein 2-Jahres-Ranking bedeuten würde:
Die aktuelle Nummer 1 der Welt wäre: Rafael Nadal
der aktuell beste Spieler wäre nur auf Platz 2. Natürlich würde er sehr bald auf Platz 1 vorstossen und dann für eine gewisse Zeit sicher auf diesem Platz bleiben, aber momentan wäre effektiv noch Nadal auf Platz 1.
Ein Nadal-Ranking würde also die aktuelle Stärke der Spieler schlechter einschätzen als das aktuelle Ranking, denn es steht glaube ich ausser Frage, dass Djokovic spätestens seit Sommer 11 als bester Spieler angesehen werden muss. Er bekäme den Lohn für seine Arbeit natürlich nur zeitversetzt, denn die Nummer 1 wird er (fast) ganz sicher. (ausser er verletzt sich jetzt und Nadal gewinnt wieder!!! Dann wäre Djokovic nie die Nummer 1). Aber ein Ranking soll ja auch möglichst glaubwürdig und einigermassen aktuell die Spielstärke der einzelnen Spieler abbilden.
Del Potro, der wohl am meisten unter seiner Verletzungen litt von allen Top-Spielern (nein, nicht Nadal selber

), wäre natürlich besser dran dank dem neuen Nadal-Ranking. Em, nein, doch nicht: zwar wäre er bei Beginn seiner Verletzung länger in den vorderen Ränge geblieben. das hätte ihm nur nichts gebracht. Jetzt wo er wieder fit ist, wäre ein Comeback deutlich erschwert. Er wäre nur auf Platz 27 anstatt 10. Das bildet weder die aktuelle Stärke des Spielers fair ab, noch ist es sinnvoll für die Spieler und Zuschauer: Del Potro würde so viel zu früh z.B. auf Djokovic (die NUmmer 2) treffen.
Nadals System hilft also kurzzeitig verletzten. Das ohnehin schwierige Unterfangen, im Männertennis ein Comeback nach langer Verletzung zu starten, würde es aber weiter erschweren.
Federers Kritikpunkt an Nadals Idee zielt vor allem auf die Jugend ab:
logischerweise wird ihnen der Weg nach oben schwieriger gemacht, denn es dauert länger, bis sie höher eingestuft sind im Ranking und somit gesetzte Spieler sind:
Tomic und Raonic haben beide den Durchbruch geschafft und es sich erkämpft, zu den gesetzten Spielern zu gehören. Anstatt auf den Positionen 28 und 34 wären sie beim neuen Ranking aber auf den Plätzen 48 und 67 zu finden. Runde 1 Wimbledon: Raonic vs Nadal; Tomic vs. Djokovic
man merkt es:
ich bin kein grosser Fan des 104-Wochen Rankings.
Nadal hat sicherlich recht, dass Top-Spieler vllt 1-2mal eine längere Pause einlegen können, weil sie ja mehr Turniere zum kompensieren haben. Ich zweifle aber daran, dass das wirklich so viel bringt. Am Ende des 104-Wochen Rankings zählt, genauso wie beim 52-Wochen Ranking, dann eben doch wieder jeder Punkt.
ich bin gegen zu viel künstlichen Schutz vor Verletzung auf Kosten eines glaubwürdigen Ranking-Systems und zum Nachteil derer, die längere Verletzungspausen einlegen müssen.