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Amokläufe - Wieso, weshalb, warum?

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Eigentlich bieten doch alle neuen Konsolen, PCs oder auch das Internet bestimmte Jugendschutzeinstellungen. Nur müssen diese auch von den Eltern getätigt werden bzw. eingestellt werden. Nur da liegt auch das Problem, die Eltern haben doch keine Ahnung das es überhaupt sowas gibt oder wie das geht.

Ich persönlich finde die Eltern müssen mehr zur Verantwortung gezogen werden sich mit den neuen Medien zu beschäftigen. Ich oder eigentlich wir wüssten wie man eigene Kinder vor gefährlichen Medien schützen kann; nur leider gibt es genug die keine Ahnung davon haben. Vielleicht kann man Kurse etc. anbieten. Die Kinder werden stöhnen, aber es wäre mal ein richtiger und wichtiger Schritt.

Ein Beispiel wäre hier Klicksafe

finde ich nicht verkehrt. Man kann seine Kinder natürlich nicht vor allem schützen, sie können auch bei Freunden ins Netz was ggf nicht gesichert ist. Aber dort sind sie nicht stundenlang und sie sind nicht alleine, denn sie haben Freunde. Was auch nicht ganz verkehrt ist ;)
 
Glod schrieb:
Naja, erstens kann ich mich auch in ein Forum stellen und labern, dass mein Boss der Deutschlandchef vom Saturn ist... Solang da nix offizielles kommt, glaub ich das nicht.

Und zweitens: Am lustigsten im Satz finde ich das Wort "vorübergehend". Denn das würde genau eins bedeuten: Wir machen die Spiele jetzt mal weg, und sobald die Wellen geglättet sind, machen wir weiter wie vorher, und verticken jedes Spiel ohne ernsthafte Alterskontrolle.
Doppelmoral ahoi...
 
Das größte Problem ist einfach, dass sie Leute keine Ahnung von den Spiele haben. Und man tut so, als ob die Spiele jeden krank machen. Das das einfach Fakt ist. Und die ältere Generation glaub den ganzen Blödsinn auch noch. Die Politiker wissen, dass es nicht an den Spielen liegt. Aber die Wähler wollen eben eine Reaktion von ihren Politikern. Und diese möchten wiedergewählt werden.
 
Raszagal schrieb:
Das ist übrigens ne Wiederholung, die jetzt passend rausgekramt wird.

Besteht Pro7 denn inzwischen nicht eh aus 95% Wiederholungen?

auf Spiegel Online gibts einen wirklich guten Kommentar zur Situation, der die Probleme treffend auf den Punkt bringt:
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,613181,00.html

Besonders der letzte Satz ist an Wahrheit kaum zu überbieten:
Das größte Problem sind Eltern, die ihren Job nicht machen.
 
Raszagal schrieb:
Das ist übrigens ne Wiederholung, die jetzt passend rausgekramt wird.

Mit einer (lächerlichen) Aktualisierung.

Und wieder eine unfassbare grenzdebile Feststellung im Schlusskommentar vom ehemaligen Lehrer von Steinhäusler. Würde er zukünftige Amokläufer vorher erkennen? Nein, keine Chance. Er kann ja nicht sehen ob jemand spielt. :roll:
 
ich finds geil das jetzt wieder alles andere als Ausrede für den Amoklauf hergenommen wird. Das eigentliche "Warum" wird überhaupt nicht hinterfragt und auf Computerspiele und Waffenbesitz des Vaters vereinfacht, wie ein Arzt der nur Symptome behandelt ohne die Krankheit selbst zu bekämpfen...
Mich ärgert so eine schwachsinnige Berichterstattung sehr, denn hier haben andere Stellen versagt und ich meine nicht die Eltern!

Die Medien haben natürlich sofort wieder die Lösung parat: Waffen und Killerspiele verbieten. Leider denkt niemand daran das dass überhaupt keinen Schutz vor so einer Tat bietet.
Ist genau das gleiche wie bei Drogen. Wer an Drogen kommen will, kommt daran und bei Waffen und Computerspielen ist das nicht anders... zumal das nur Faule ausreden sind.
 
Angesprochen auf den Amoklauf sind sich die Hersteller einig: Die Gesellschaft sei mit Schuld. „Vor 20 Jahren hat es so etwas noch nicht gegeben“, sagt Jens Heider vom US-Fabrikanten „Smith & Wesson“. Die Waffenindustrie sieht er nicht in der Pflicht. Schon eher die Produzenten von gewalttätigen Fernsehenserien, Videos und Computerspielen.

Irgendwie herrlich krank das Ganze. Ich wusste jetzt echt nicht, dass man mit einer DVD schießen kann.
 
In der heutigen Ausgabe des "Standard", einer österreichischen Qualitätszeitung die ich im Abo habe, erschien folgendes Kommentar der Autorin Andrea Schurian zur Debatte "Verbot von Killerspielen", wobei Schurian die "PRO" Seite vertrat:

Weg mit dem Schund

"Vergletscherung der Gefühle" nennt Regisseur Michael Haneke jenen soziopathischen Ausnahmezustand, wenn Killergames, Horrorschund, Videoschrott und TV-Trash ihre Faszination verlieren. Wenn man "es" sehen will: die Angst, das Leiden, Krepieren, letztes Röcheln in echt, Tod auf Augenhöhe. Wenn der Ego-Shooter zum ganz realen Massenmörder wird.

Gewaltvideospiele hinterlassen, wie eine Studie der Radiological Society of North America belegt, nachweisbare Spuren im menschlichen Gehirn und stimulieren besonders jene Regionen, die für emotionale Erregung zuständig sind, während sie gleichzeitig die Aktivitäten in Regionen der Selbstkontrolle vermindern. Sicher: Nicht jeder, der virtuell schießt, will auch im wirklichen Leben jemanden umbringen. Da bedarf es noch anderer Zutaten wie einer labilen Psyche, väterlichen Einzelunterrichts im Waffengebrauch, frei herumliegender Pistolen im Elternschlafzimmer.

Aber selbst Wissenschafter, die einem Verbot von Killergames skeptisch gegenüberstehen, geben zu: Computerspiele dienen der Systematisierung und Speicherung wichtiger Erfahrungen mit der Welt und sich selbst. Was genau lernt man also am virtuellen Schießstand? Kaltblütigkeit? Die Brachiallösung von Konflikten? Dass in einer undemokratischen Machowelt das Recht des Stärkeren gilt? Dass Schießwut aus einem verkorksten Ego einen Helden machen kann?

Verbotsgegner argumentieren, dass Counterstrike nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene attraktiv ist. Ja und? Das macht den Schund nicht besser. Weg damit!

Allerdings gab es natürlich auch, wie es dem Standard würdig ist, auch einen "Kontra" Artikel. Dieser kam von Alois Pumhösel.

Die Gewalt verschwindet nicht

Killerspiel-Alarm! "Counterstrike" und Konsorten wurden auch im waffenlastigen Haus des Amokläufers von Winnenden gefunden. - Genauso wie sie sich auf zig Millionen anderer Rechner und Konsolen finden. Die Schuldzuschreibungen überschlagen sich, und sie verstellen den Blick auf die größeren Zusammenhänge.

Nicht ganz neu: Spiele lösen andere Unterhaltungsformen ab. Die Familie als kontrollierende Instanz hinkt der sich schnell wandelnden Technologie nach und schiebt die Aufgaben auf die Politik ab. Und dort herrscht Sehnsucht nach einfachen Erklärungen: Weil die schrecklichen Handlungen in der Schule den virtuellen gleichen, ist Populismus billig.

Eine Gesellschaft, die ihre Aggressionen hinter freundlicher Fassade verdrängt, wenn sie nicht gerade Kriege führt, braucht sich nicht zu wundern, dass diese Seiten in Medien und Spielen zum Vorschein kommen. Ein Symptom des Missstands zum Sündenbock zu machen zeigt nur eine konsequente Ignoranz. Eine Gesellschaft, die offenbar auch Amokläufer hervorbringt, wird durch hilflose Verbote vermuteter Einflussgrößen nicht geheilt. Wenn sich die Gesetzgebung konstruktiv mit dem Phänomen auseinandersetzen möchte, wären ein Jugendschutz, der konsequent umgesetzt wird, und regulierte Gewaltdarstellung - ähnlich wie im TV - bessere Möglichkeiten.

Die Gewalt verschwindet jedenfalls nicht aus der Welt, wenn man ihre virtuelle Imitation verbietet.

Da mich der Artikel von Frau Schurian doch "ein bisschen" geärgert hat, habe ich folgenden Leserbrief geschrieben (sowas mache ich vielleicht alle 5 Jahre mal):

Der Artikel „Weg mit dem Schund“ vom 13. März 2009 war gleich in mehrfacher Hinsicht erschreckend. Einerseits zeigt er die enorme Ignoranz, welche sogar von sogenannten „Kulturexpertinnen“ gegenüber bestimmen neueren Ausdrucksformen von Kunst und Kultur an den Tag gelegt wird, andererseits zeugt er auch von einem äußerst leichtfertigen Umgang mit den Errungenschaften des liberalen Rechtstaates.

Tatsache ist, dass das von Frau Schurian genannte Spiel „Counter-Strike“ (so übrigens die korrekte Schreibweise) mit den von der Verfasserin am Beginn ihres Artikels beschriebenen Gewaltphantasien nichts zu tun hat. Ebenso wie die absolut überwiegende Mehrheit aller anderen so genannten „Ego-Shooter“, übrigens.

Auch die Menge an rhetorischen Fragen, welche die Autorin gegen Ende ihres Artikels über die Werte und Botschaften, welche von diesem Genre vermittelt werden, stellt, hätte sie sich mit ein wenig Ahnung von der Materie und Recherche selbst beantworten können.

Aber „Recherche“ ist wohl bei vielen Journalisten nicht mehr „in“, in Zeiten in denen „Fakten“ einfach von Wikipedia kopiert werden. Und das scheint sogar gar nicht so schlimm zu sein, wenn heute schon der Innenminister eines deutschen Bundeslandes auf eine relativ plumpe Fälschung einer Amokankündigung auf einer für ihre Regellosigkeit bekannten Internetseite hereinfällt und diese „Fake-Nachricht“ sogar auf einer Pressekonferenz verkündet.

Doch solche Begebenheiten sind symptomatisch für eine Diskussion, die in dieser Form nur deswegen geführt werden muss, weil die Seite die in dem genannten Artikel vertreten wird sich einfach beharrlich weigert, sich mit dem Gegenstand der Diskussion überhaupt ernsthaft auseinanderzusetzen, was ohne Scham gerne durch Falschbehauptungen, Nichtwissen und fehlende Erfahrungswerte in Fernsehgesprächsrunden oder eben in Zeitungsartikeln bewiesen wird. Das ist ein deutliches Signal, dass eine gewisse Gruppe von Menschen in unserer Gesellschaft, nicht durchgehend bestehend aus älteren Menschen, aber zum großen Teil, nicht mehr bereit oder eher nicht mehr in der Lage ist, sich mit neuen Entwicklungen jenseits ihres bisherigen Erfahrungshorizonts auf eine realitätsnahe Art zu befassen.

Das wäre ja an sich weder etwas Neues, noch etwas sonderlich Tragisches.

Gefährlich wird es dann, wenn diese Fraktion sich dann auch noch allen Ernstes und trotz ihrer absolut verzerrten Wahrnehmung der Realität dazu aufschwingen will, Kulturgüter die ihrer Meinung nach „Schund“ und „gefährlich“ sind, entgegen den Grundprinzipien unseres liberalen Rechtsstaates zu verbieten.

Dies weckt nicht nur wieder einmal und leider zu Recht Erinnerungen an eine andere Phase in unserer Geschichte in welcher so genannte „entartete Kunst“ verboten und vernichtet wurde.
Es zeigt auch leider, wie schnell manche Menschen die Grund- und Freiheitsrechte ihrer Mitbürger einschränken würden, nur weil sie deren Vorlieben weder teilen, noch verstehen können.

Mit dem Argument „Das macht den Schund nicht besser. Weg damit!“, könnte man genauso den gerade von mir zitierten Artikel von Frau Andrea Schurian auf eine Verbotsliste setzen.
Wenn man Spielen wie „Counter-Strike“ eine „verrohende“ Tendenz vorwirft, könnte man den Artikel „Weg mit dem Schund“ als gegen Grundwerte unserer Gesellschaft gerichtet bezeichnen.

Absurd an der ganzen Tatsache ist allerdings, dass bei all diesen Diskussionen schon längst feststeht, welche Seite sich durchsetzen wird.

Denn die Zeit wird dafür sorgen, dass sich Vorurteile und Ängste die gegenüber neuen Spielarten der Kultur und des menschlichen Ausdrucks auftreten, wie schon zu Zeiten der Hetze gegen Rockmusik oder der Hetze gegen Actionfilme, auch diesmal einfach abbauen.
Damit können haben die „Verbotsgegner“ neben der österreichischen Verfassung auch noch die Zeit auf ihrer Seite, was den Ausgang dieser Machtprobe mehr als vorhersehbar macht.

Die wirklichen Verlierer sind bei dieser Diskussion die unschuldigen Menschen, die beim nächsten Schulmassaker ihr Leben lassen werden müssen, weil manche Vertreter der Medien und Politik anstatt sinnvollen Lösungsansätzen allen Ernstes über Videospiele diskutieren.

Und jeder Journalist, Politiker und andere Verantwortliche, der weiter Zeit mit solchen realitätsfremden Diskussionen verschwendet, über eine Materie von der er kein vernünftiges Bild hat und die zur Verhinderung weiterer Amoktaten keinen Nutzen hat und damit von den gesellschaftlichen und sozialen Problemen ablenkt deren Bekämpfung zumindest manche dieser Taten verhindern könnte, macht sich zumindest auf dieser Ebene mitschuldig am nächsten Blutbad.

Unwissenheit kann nicht mehr vorgeschoben werden, nicht von Menschen, deren Job es eigentlich wäre, Zusammenhänge und Tatsachen zu recherchieren.

Nachdem dieser "Leserbrief" sowieso zu lang ist um gedruckt zu werden, liest ihn vielleicht wenigstens hier jemand. :ulgy:
Hilft schon, sich den Frust von der Seele zu schreiben. :dhoch:
 
Guter Text! :dhoch:

Die wirklichen Verlierer sind bei dieser Diskussion die unschuldigen Menschen, die beim nächsten Schulmassaker ihr Leben lassen werden müssen, weil manche Vertreter der Medien und Politik anstatt sinnvollen Lösungsansätzen allen Ernstes über Videospiele diskutieren.
 
Zensur, Zensur, das ist Deutschland. War so, wird immer so bleiben. Die eigentlichen Gründe werden ignoriert. Die tollen Vorschläge (Ich wäre für einen bewaffneten Sicherheitsbeamten an jeder deutschen Schule, der den Eingang kontrolliert) werden ignoriert. Stattdessen werden Sündenböcke gesucht, die für die Wahlkampfstrategien herhalten müssen und die eigentlichen Veranwortlichen in ihrer Unverantwortlichkeit stärken. Anstatt Geld für Sicherheit und Bildung auszugeben, werden 500 Milliarden € aus dem Hut gezaubert, um der Wirtschaft zu helfen. Bis zum nächsten Amoklauf, dann gehts wieder von vorne los...alle Jahre wieder.
 
Christian86 schrieb:
Super, Osa. Gefällt mir ganz gut.

Ich bemerke gerade, dass ich einige zu große Gedankensprünge und einige dämliche Formulierungen eingebaut habe. Ich hätte das doch gleich am Vormittag schreiben sollen und nicht jetzt gerade neben der Skypekonferenz mit ein paar irren Nintendofans :ulgy: aber was solls, Hauptsache diesen Leuten die Meinung sagen. :D
 
Aber schön zu sehen das es in österreich genauso beklotte bibt die alles verbieten wollen was sie nicht verstehen ...

Lange kann die Politik mit solchen sachen aber eh nichtmehr Punkten , da immer mehr potentielle wähler mit dem medium Videospiele aufgewachsen sind .
 
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