Stuttgart – Der Amokläufer von Winnenden litt nach Einschätzung eines Gerichtsgutachters unter einer „ängstlich vermeidenden Persönlichkeitsstörung”. Geäußert habe sich dies etwa in seiner sozialen Außenseiterrolle und einem geringen Selbstwertgefühl des 17-Jährigen, so Psychiater Reinhard Haller im Prozess gegen den Vater des Amokläufers vor dem Landgericht. Die Anzeichen der Störung seien nur „mäßig” nach außen sichtbar geworden, berichtete der von der Verteidigung beauftragte Gutachter. Nach seiner Hypothese hat Tim K. seine Gefühle möglicherweise über Monate aufgestaut, sei dadurch depressiv geworden und habe sich in eine fantastische Welt zurückgezogen. Es sei kein Zufall, dass der Täter ein guter Pokerspieler gewesen sei. Bei Männern äußerten sich Depressionen häufig in Form von Gewalt und Aggression. Der Vater des Amokläufers muss sich vor Gericht verantworten, weil er die Tatwaffe unverschlossen im Schlafzimmer aufbewahrt hatte. Mit der Pistole hat sein Sohn am 11. März 2009 in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen und sich selbst erschossen.