In der Tat. Den zweiten Zusatzartikel – ich nenne ihn auch „Artikel der Freiheit“ – werden wir engstirnigen Deutschen wohl nie wirklich verstehen. Der zweite Zusatzartikel wird hierzulande oft nur oberflächlich betrachtet – als reine „Waffenliebe“ oder eine Art „Cowboy-Mentalität“. Dass er aber ursprünglich aus der Erfahrung der Unterdrückung durch eine Krone und ein stehendes Heer hervorgegangen ist, übersehen viele. Für die Gründerväter war das eben nicht abstrakt, sondern eine unmittelbare historische Erfahrung: ein Volk braucht die Möglichkeit, sich im Ernstfall selbst zu verteidigen – auch gegen eine eigene Regierung. Deshalb sollte sich das amerikanische Volk im Ernstfall zu helfen wissen, wenn die Freiheit des Individuums mit Füßen getreten wird.
Dass die USA heute längst ein stehendes Heer haben, ist eine andere Sache und muss differenziert betrachtet werden. Ob ich das gut oder schlecht finde, steht mir nicht zu. Andere Kultur, andere Sitten. Das ist aber auch die schöne Kunst der Geschichte und der Philosophie: wenn man die Dinge an der Quelle packt, reift die Erkenntnis und vielleicht ein besseres Verständnis.
Ich meine sogar, dass ich das schon einmal erläutert habe und auch schrieb, warum die Befürchtung, die Verfassung könne nicht standhalten und Amerika zu einem diktatorischen Staat werden, letztlich unbegründet ist. Aber in der Verzweiflung sucht man sich eben immer einen Anker.
Naja. RIP. Hoffentlich wird der Täter bald gefunden und vor Gericht gestellt.