@Nimble
Was sind denn deine Ziele für die Zukunft? ALG II und den ganzen Tag Serien bingen kann doch nicht der Anspruch sein? Ich kann verstehen, dass Gesundheit vor geht und Dich MS einschränkt, aber willst du wirklich nie wieder arbeiten? Für mich hat das Jahr 22 einen extrem gesundheitlichen Einschnitt gebracht und dadurch hab ich immer noch mit Einschränkungen kämpfen, die mich bis an mein Lebensende begleiten werden. Doch ich habe mich wieder zurück gekämpft und stehe wieder voll im Berufsleben.
Bist du wenigstens mittlerweile meinem Rat gefolgt und bist Mitglied in einem Sozialverband geworden? Die würden Dir vieles abnehmen und dich extrem unterstützen.
Habe ich dir irgendwas getan? Und nein, ich weiß nicht was bei dir gesundheitlich los war. Lass uns gerne daran teilhaben. Auch andere Nutzer haben den Thread genutzt um von Krankheiten zu berichten. Und nein, das hier ist kein Wettbewerb wie andere bereits angemerkt haben.
Ich beziehe kein ALG, weil man dafür "richtig" gearbeitet haben muss. Ich bekomme seit 2021 Bürgergeld. Die letzten Jahre sogar trotz Arbeit...
Wer grob meine Vita kennt, weiß das ich im Gegensatz zu den meisten hier keine Karriere hingelegt habe. Ich habe stets im Niedriglohnsektor gearbeitet und Mindestlohn bekommen. Ich habe über zehn Jahre lang als Security bei Konzerten gearbeitet, das geht nun definitiv nicht mehr. Körperlich ist dies wohl aus nachvollziehbaren Gründen nicht mehr möglich. Wie soll ich einen pöbelnden Gast entfernen, wenn ich kaum stehen oder laufen kann...
Und da ich nie wirklich was verdient habe, habe ich auch keinen Anspruch auf Rente da nicht genug eingezahlt. Vermutlich werde ich in die Grundsicherung fallen. Meine Partnerin zB ist seit über zehn Jahren bereits in der Grundsicherung. Und glaube mir, sie hat sich auch ein anderes Leben vorgestellt. Sie hat ihre Ausbildung zur Ergotherapeutin mit 1 abgeschlossen und aus diversen Gründen ist ihr berufliches Leben schon sehr lange vorbei.
Mein Neurologe meinte auch schon, dass der Reha Antrag wohl als Rentenantrag gesehen werden wird, da eine Reha ja zur Wiederherstellung dient. Bei meiner Form der MS ist aber nichts wiederherzustellen, ja nicht mal aufzuhalten. Bei dieser Variante gibt's kein Medikament was es mildert oder aufhält. Das einzige was es gibt ist eine Chance auf Verlangsamung, und so wie es aussieht ist dies bei mir nicht der Fall. Es schreitet permanent voran. Hab halt die Arschkarte.
Meine Liste an körperlichen Einschränkungen wächst täglich. Fatigue lässt mich an manchen Tagen durchgehend schlafen. Konzentration? Weg. Gedächtnis? Lässt stark nach.
Ich werde mit meinen Jungs nie wieder Fußball, Tischtennis oder ähnliches spielen können. Ich kann nicht mehr mit dem großen skaten gehen. Ich kann nicht mehr Fahrrad fahren oder schwimmen. Ich brauche im Alltag bei simplen Dingen Hilfe.
Welchen Anspruch soll ich denn da haben? Entweder tut mir alles weh oder ich schlafe. Ich schaffe es kaum noch zum nächsten Supermarkt und zurück.
Was meine Ziele sind hast du gefragt. Ich hatte nie welche. Ansonsten hätte ich mit meinem Fachabi sicher etwas anderes angefangen als ungelernte Aushilfsjobs in Videotheken und ähnliches.
Ernst gemeinte Frage: Was soll ich in meinem Zustand arbeiten ohne jegliche Qualifikation?
Meine Partnerin hat eine 40qm Wohnung. Vermutlich werde ich bei ihr einziehen müssen, wenn auch ihre Wohnung nicht barrierefrei ist. Immerhin befindet sie sich nicht in der vierten Etage wie die Wohnung in der ich zwar gemeldet bin, aber kaum noch die Treppen hochkomme. Und jetzt stell dir vor wie es mit Kindern in den Ferien ist, ohne Kinderzimmer oder ausreichend Platz.
Wir sind beide behindert. Aber wir lieben uns, sind füreinander da und wollen nächstes Jahr heiraten. Bei all der Scheiße sind wir beide sehr dankbar dafür diese Liebe gefunden zu haben.
Es könnte schlimmer sein. Natürlich könnte es auch besser sein. Aber man darf auf gar keinen Fall den Fehler machen und sich mit anderen vergleichen. Vergleiche machen unglücklich.
Der Text ist nun etwas länger geworden, aber irgendwie hat mich deine Nachricht tatsächlich leicht verärgert. Ich bin weder sauer noch nachtragend, keine Sorge. Nur... Was soll ich denn machen? Viel mehr als Akzeptanz wird mir wohl nicht bleiben, oder?