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Euer Beruf, welche Vorteile und Nachteile bringt er euch?

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Guten Abend liebe Gemeinschaft,

das Thema liegt mir schon paar Tage im Kopf. Ich hatte mit meinen besten Freund eine spannende Diskussion und würd gern eure Meinung hören. Zuerst, das Thema kommt mir jetzt nochmal hoch, auf Grund der (doch sehr positiven) Diskussion im Gehalts Thread.

Die Frage die ich und mein bester Freund uns gestellt haben? Wie hat euer Beruf euch positiv oder negativ verändert? Auch natürlich privat. Seit ihr gern in eurem Beruf? Wünscht ihr euren Wechsel? Seht ihr über die negativen Aspekte hinweg weil die positiven doch überwiegen? Ich beschreibe mal meine und seine Situation. Er ist Vollzugsbeamter in der JVA. Positiv für ihn ist natürlich der Fakt das er immer Arbeit hat, sich nie Sorgen machen muss um die Zukunft oder Einkommen. Auch Vorteile wie das er z.b. 2 Tage im Monat "einfach zu hause bleiben kann" ohne Schein o.ä. ist ein Vorteil. Auch der Fakt das er als Beamter sich keine Sorgen im Krankheitsfall machen muss, was passiert nach 6 Wochen? Völlig Scheiß egal. Das gibt ihn allgemein ein positives Gefühl und wirkt sich natürlich auch privat aus. Nachteil ist z.b. die hohe finanzielle Belastung da er privat versichert ist, auch ist durch seine Arbeit das Vertrauen sehr zurück gegangen. Er hat logischerweise mit Kriminellen zu tun und da lernt man ziemlich schnell auf die harte Tour nicht alles zu glauben. Da ist er sehr vorsichtig geworden.

Bei mir? Tja, ich war als Bauleiter arbeiten und nun als Ausbilder im Bereich Straßenbau. Ich hab im besagten Fred schon über mein Gehalt "gejammert". Aber mein Beruf hat auch sehr viele Vorteile. Ich bin mit Rad in 15 Minuten auf Arbeit. So blöd es klingt, aber der Arbeitsweg macht für mich viel von der Arbeitsqualität aus. Zweiter positiver Aspekt ist, das mein Job zukunftssicher ist. Ich hab und werde nie Probleme haben oder Angst das ich mein Job verliere. Azubis wird es immer geben und auch keine Maschine wird meinen Job ausführen können. Dritter Punkt ist das ich mit fast 5 Jahren mir auch ein gewisses Standing aufgebaut hab innerhalb der Firma und beim Chef. Vorallem aber bei den Azubis. Da ich laut Umfrage innerhalb der Azubis der netteste und kompetenteste Ausbilder bin merke ich das bei den Jungs. Die hören zu, sagen Danke Herr Deadman usw usw. Und wenn die Jungs nach bestandender Prüfung zu mir kommen, mir die Hand geben und sich für die Ausbildung bedanken ist das schon ziemlich cool. Gibt halt ein cooles Feedback.

Wieso ich nicht als Bauleiter weiter arbeite? Weil Bauleiter ein Scheiß Job ist. Du hast so viel Verantwortung, für das Projekt, deine Kollegen, den Auftraggeber, musst im jeden Cent bei der Abrechnung feilschen, sitzt nach Arbeit so oft im Büro um Bücher von Rechnungen zu schreiben. Das war für das Geld einfach viel zu viel Aufwand. Auch blieb, wenn man krank ist einfach alles liegen und es stapelte sich nur so wenn man wieder da ist.

Jetzt, auch wieder ein weiterer Vorteil bei meiner Arbeit, wenn ich krank bin, macht ein Kollege einfach meine Gruppe und fertig. Es bleibt halt nichts liegen und ich muss mir kein Kopf machen das icih danach mehr zu tun hab.

Hat mein Beruf auch Nachteile? Ja, einen für mich sehr großen der sich auch auf mein Privatleben auswirkt. Thema Geduld und Zuverlässigkeit. Dadurch das ich mit vielen Azubis arbeite muss man Sachen mehrmals erklären. Das prinzipiell nicht schlimm, gerade wenn sie im ersten Jahr sind aber ab dem zweiten Lehrjahr erwartet man Sachen und wenn dann einige einfach absichtlich auf Durchzug schalten und man Sachen nach fünf Minuten wieder erklären muss weil die einfach nicht zuhören wird es anstrengend. Auch das Thema Pünktlichkeit. Ich setze viel wert auf Pünktlichkeit, 7 Uhr ist Beginn, dann und dann ist Pause usw. Wenn einige denken aber ständig spazieren gehen zu müssen und Pausen zu ignorieren und man wie ein Kindergärtner hinterher rennt wird es anstrengend. Und das wirkt sich Privat aus. Ich hasse es wenn ich Sachen zu Hause fünf mal erklären oder sagen muss. Wenn ich der Frau was sage und sie mich zwei Minuten danach wieder fragt was war geht mir einer ab. Das verstehe ich nicht und treibt mich (wegen meiner Arbeit) schneller auf die Palme als vorher.

Ach und Lärm und Leute. Ich bin früher auf der Loveparade gewesen, 1.6 Mio Leute, laute Musik, kein Thema. Heute nervt mich Lärm. Wenn 15 Azubis mit einem Großpflasterhammer auf Naturstein 8 Stunden rum droschen hast nach Feierabend einfach die Nase voll.


Das sind alles so Aspekte die sich bei mir und meinem Kumpel positiv und negativ ausgewirkt haben. Vielleicht habt ihr auch solche Beispiele und könnt auch eure Punkte hier beitragen.
 
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Das mit der Pünktlichkeit, der heutigen Jugend, kann ich bestätigen. Es hätte damals zu meiner Zeit erheblichen Ärger gegeben wegen Pünktlichkeit. Heute allerdings kann man froh sein wenn sich ein Azubi vernünftig artikulieren kann und nicht 24/7 am Handy hängt. Es gibt aber auch Ausnahmen und wenn dir dein Job ansonsten Spaß macht ist es doch in Ordnung.

Das mit der Lautstärke kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich bin über die Jahre auch empfindlicher geworden was laute Geräusche betrifft.

Ich habe in dem anderen Thread gelesen was du verdienst. Ich empfinde das ist etwas zu wenig für das was du machst. Ich hab zwar Schichten und kann mir aussuchen am Wochenende zu arbeiten (WE arbeiten bedeutet nochmal ganz andere Bezahlung da Stundenlohn am WE viel höher ist) und teilweise fliege ich ca. 10 mal im Jahr in andere Büros nach Barcelona, München usw. Und arbeite von dort aus im Büro. Das bedeutet dann schon mal 2-3 Wochen jedesmal nicht zu Hause und Leben im Hotel 20-30 Wochen lang.

Mir macht das alles aber mehr als nur Spaß und wenn ich dein Gehalt noch richtig im Kopf habe dann habe ich letzten Monat ca. das doppelte an Netto raus gehabt. Deswegen war ich über dein Gehalt sehr verwundert und hätte echt gedacht das man als Apprentice Trainer mehr verdient.
 
Kommt halt auf die Branche an. Wenn du in einem Bereich arbeitest, in dem die Löhne generell recht niedrig sind, dann wird auch das Gehalt eines Ausbilders nicht unbedingt das doppelte sein. Also so zumindest mein Gedankengang. Unsere Praxisanleiter bekommen glaub ich 150 Euro monatlich zusätzlich...also ein Witz. Dafür ist das Gehalt in der Pflege aber an sich gut gestiegen und auf einem Niveau, wo eig niemand mehr meckern sollte. Dazu kommt, dass meine Kollegin, die leitende Praxisanleiterin ist, also den Hut über die Ausbildung auf hat, mein Gehalt bekommt. Wir sind im Tarfivertrag eine Stufe über den normalen Pflegekräften eingeordnet. Dafür machen wir aber auch kaum Wochenenden, oder Nachtdienste und da fehlen dann die Zuschläge...Unsere Pflegekräfte gehen teils mit nem 1000er netto mehr nach Hause als ich, bei entsprechend vielen Nachtdiensten und Wochenenden.

Seit ich aber im Büro arbeite gehts mir viel besser. Vorallem jetzt mit Kind könnte ich mir Schichtarbeit kaum auf Dauer vorstellen. Klar muss ich auch ab und an mal am Wochenende arbeiten, und auch die Woche über geht das mal, aber dauerhaft wäre das ne echte Belastung. Gerade Nachtdienst bekomm ich kaum noch hin. Da schlauchen schon wenige mich so sehr, dass ich da mehrere Tage brauche um wieder normal zu sein. Man ist es halt auch einfach nicht mehr gewöhnt.

So wie hat sich nun meine Arbeit auf mich aufgewirkt...mmh, ich bin denke ich viel ruhiger geworden. Ich bin früher recht schnell aus der Haut gefahren, auch als ich hier als QMB angefangen habe. Ich hab ja vorher schon als Teamleiter gearbeitet und meine Devise waren immer klare und deutliche Ansagen. Wenn jemand Mist gebaut hat, dann hab ich ihm das auch gesagt. Wir hatten ja auch nie einen Kommunikationskurs spendiert bekommen, man wurde halt in die Position geworfen und dann sieh zu, wie du zurecht kommst. Als Teamleiter hat mir das eig geholfen, denn die Leute wussten dann, was ich erwarte und das Team hätte sich gewünscht, dass ich bleibe, weils endlich mal kein Drama, kein Hintenrum gab und ich konnte wohl recht gut Dienstpläne schreiben ^^

Aber ich bin dann in die Akquise gewechselt und das hat mich erstmal gebrochen. Der Kollege, der das eigentlich gemacht hat und den ich unterstützen sollte, hat mich sofort als Bedrohung angesehen, hat mich nicht eingearbeitet, mich aktiv sabotiert. Er hatte halt Narrenfreiheit, weil er der absolute Liebling vom Chef war/ist und daher kommen und gehen konnte, wie es ihm passt. Der "arbeitet" nach wie vor eher so seine 2-3 Stunden am Tag, anstatt der 8, für die er eigentlich bezahlt wird. Daher hatte ich auch auf eine eher flexible Arbeitsweise gehofft, aber mir wurden von Anfang an feste Arbeitszeiten aufgezwungen, was bei dem Job eigentlich kontraproduktiv ist. Ich musste Sachen machen, die null mit dem Bereich zu tun hatten, aber erwartet wurden, wie zB ein Akquisekonzept schreiben. Das konnten sie dem anderen nicht aufzwingen, weil er halt die Narrenfreiheit genoss. Dazu kam dann noch der Stress, dass man ja ständig für neues Klientel sorgen muss, dass man Transporte und so von den bestehenden Klienten betreuen muss und eigentlich 24/7 auf Abruf bereit ist, wenns irgendwo Probleme gibt. Ich war so bisschen das Mädchen für alles und trotz fester Arbeitszeiten so gut wie immer im Dienst und der andere hat weiter Eier geschaukelt und mir weiter Steine in den Weg gelegt. Zu der Zeit hatte ich echt ne kurze Zündschnur, was im Beruf zu Problemen führte, aber auch privat nicht ganz unproblematisch war.

Nach nur einem Jahr war ich so am Ende, dass dann die Chefs selbst die Reisleine gezogen haben und mir eine Anstellung hier im 2. Pflegedienst als QMB angeboten haben und da bin ich nun seit 10 Jahren...

Mmh, schwierig jetzt in Worte zu fassen, wie mich dann jetzt verändert hat...ich glaub am meisten passt, wenn ich einfach schreibe, dass mir vieles einfach total egal geworden ist. Anfangs hab ich im Eifer noch alle Mängel angesprochen, so wie ich das auch als Teamleiter gemacht hab und saß jedesmal prompt bei der Pflegedienstleitung zum Gespräch. Die gleiche Pflegedienstleitung, welche sich immer über die mangelnde Disziplin der Mitarbeiter aufregt. Immer kamen Sprüche wie "die brauchen mal ne ordentliche Ansage". Wenn man dann aber mal ne Ansage macht und die Mitarbeiter es auch verstanden haben, dann kam besagte Pflegedienstleitung hat die Mitarbeiter wieder in Schutz genommen und mich bloß gestellt. Hab ihm dann ins Gesicht gesagt, dass ich dann halt gar nichts mehr beanstande und seitdem ist das so. Bringt halt nix, wenn ich den Mitarbeitern was sage und die PDL dann das genaue Gegenteil macht/sagt. Daher hab ich eine gewisse Gleichgültigkeit entwickelt, die sich tatsächlich auch ins private erstreckt. Ich hab dadurch teils echte Probleme, gewisse Sachen anzusprechen, weil ich mir denke, dass es ja eh nix bringt.

Dafür bin ich aber auch ruhiger geworden, kann aber auch am Alter liegen ^^

Praxisanleiter bin ich auch, aber obwohl die Schüler immer meine ruhige und nette Art zu schätzen wissen, ist der erste Eindruck meist ein anderer. Ich wirke halt im ersten Moment einschüchternd und unfreundlich. Dass ich bisher alle meine Azubis aber mit ner 1, maximal ner 2 durch die praktische Prüfung gebracht hab, brauch ich nem neuen Azubi aber nicht sagen, dass ändert ja den ersten Eindruck nicht. Dazu brauchts dann meist erst ne komplette Anleitung, zu der ich aber nur noch selten komme, weil wir so viele Praxisanleiter in der direkten Pflege haben.
Das mit der Pünktlichkeit kann ich nur bedingt unterschreiben. Nicht weil die "Jugend" bei uns immer pünktlich wäre, sondern weil ich während meiner Ausbildung auch nicht besser war und es daher nicht auf "die Jugend" schieben kann ^^
Wobei ich sagen muss, dass gerade unsere Azubis aus dem Ausland pünktlicher sind, als die hier geborenen. Wir haben jetzt 3 Azubis im 1. Lehrjahr, die alle super sind. Die einzige deutsche müssen wir jetzt aufgrund der enormen Fehlzeiten kündigen.
 
Das mit der Pünktlichkeit, der heutigen Jugend, kann ich bestätigen. Es hätte damals zu meiner Zeit erheblichen Ärger gegeben wegen Pünktlichkeit. Heute allerdings kann man froh sein wenn sich ein Azubi vernünftig artikulieren kann und nicht 24/7 am Handy hängt. Es gibt aber auch Ausnahmen und wenn dir dein Job ansonsten Spaß macht ist es doch in Ordnung.

Das mit der Lautstärke kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich bin über die Jahre auch empfindlicher geworden was laute Geräusche betrifft.

Ich habe in dem anderen Thread gelesen was du verdienst. Ich empfinde das ist etwas zu wenig für das was du machst. Ich hab zwar Schichten und kann mir aussuchen am Wochenende zu arbeiten (WE arbeiten bedeutet nochmal ganz andere Bezahlung da Stundenlohn am WE viel höher ist) und teilweise fliege ich ca. 10 mal im Jahr in andere Büros nach Barcelona, München usw. Und arbeite von dort aus im Büro. Das bedeutet dann schon mal 2-3 Wochen jedesmal nicht zu Hause und Leben im Hotel 20-30 Wochen lang.

Mir macht das alles aber mehr als nur Spaß und wenn ich dein Gehalt noch richtig im Kopf habe dann habe ich letzten Monat ca. das doppelte an Netto raus gehabt. Deswegen war ich über dein Gehalt sehr verwundert und hätte echt gedacht das man als Apprentice Trainer mehr verdient.
Das Ding ist ja das uns unser Vertreter von der Gewerkschaft auch gesagt hat, was wir auch als Grund für unsere Gehaltswünsche nehmen werden, dass es auch anders geht. In Bremen zb im Bauhof haben die Leute 1000 Euro mehr raus! Das muss man sich Mal überlegen.

Und im gewissen Maße sind wir ja auch Pädagogen. Wir bringen den ja nicht nur stupide das Bauen bei sondern versuchen die auch innerhalb der drei Jahre "zu erziehen" bzw auf die Arbeitswelt vorzubereiten. Das wird gefühlt auch immer schwerer. Während bei meiner Ausbildung und auch zu Beginn meiner Arbeit die Jungs wenn sie scheiße gebaut haben einfach angeschrien hat und die das hingenommen haben, ist das heute so nicht mehr möglich. Jeder reagiert da anders, der eine nimmt es hin, der andere jammert, einer diskutiert usw usw. Da musst du halt nochmal zusätzlich Arbeit rein stecken und jeden einzelnen kennen und dementsprechend Ran gehen. Gut zu reden, ab der Ehre packen, ja auch manchmal Konsequenzen androhen usw. Könnte mir ja auch egal sein, aber das ist nicht mein Anspruch an mich selbst. Ich will die Jungs schon best möglich zur Prüfung bringen und wie gesagt wenn einige sich dann per Handschlag bedanken kommen wenn sie bestanden haben ist das schon cool. Aber wie gesagt, gehaltstechnisch muss da jetzt richtig was kommen und da sind wir uns alle einig
 
HeyHo :)!

Hab diesen Thread hier "unter Beobachtung" , da ich ich das Thema sehr interessant finde. Schade, dass er eher ein Mauerblümchen ist. Dennoch möchte ich kurz beschreiben, was bei mir beruflich so los ist - denn es ist schließlich Wochenende :tanzen:!

Tätig bin ich in einer Einrichtung, die sich um Kinder und Jugendliche kümmert, welche schwierige Hintergründe haben. Von Vernachlässigung über seelische und körperliche Gewalt bis hin zu Missbrauch.
In unserem Haus gibt es mehrere Wohngruppen, wo die Kinder ein sicheres und behütetes Zuhause mit konstanten, strukturierten Abläufen haben. Darüber hinaus gibt es noch eine Inobhutnahme, wo Kinder und Jugendliche direkt aufgenommen werden.

Ich bin dort pädagogischer Mitarbeiter und immer da, wenn Psychologen und Traumatherapeuten pausieren. Man könnte sagen, dass ich eine Art Leuchtturm bin, Ansprechpartner, Vertrauensperson im Wortsinn und irgendwie auch Freund. In einem Krankenhaus wäre ich kein Chirurg, sondern eher Krankenschwester.
Unsere Kinder sind zwischen 3 und 15 Jahren, in die Inobhutnahme kommen teils auch Ältere. Im Schnitt kann ich sagen, dass ungefähr jedes 10. Kind aus sehr, sehr gutem bis reichen Elternhaus kommt und generell Elterteile mit akademischen Grad vorhanden sind.

Über meinen Arbeitsalltag kann ich sagen, dass kein Tag dem anderen gleicht und es oft über Nacht zu völlig neuen Herausforderungen kommt. Zum einen begleite ich Kinder zu Terminen bei Ärzten und Psychotherapie, bin Unterstützer bei Gesprächen mit Schulen und Vermittler zwischen Lehrern, unseren Erziehern & Betreuern im Haus oder arbeite mit Schulhelfern zusammen.
Zum anderen kommt es vor, dass ich mir einen Zugang zu suizidalen Kindern verschaffen muss, damit überhaupt ein "Ankommen" in unserer Einrichtung beginnen kann. Ed gibt auch Jugendliche, welche Sozialstunden ableisten müssen. Dort suchen wir gemeinsam nach Einrichtungen wo dies möglich ist und auch da bin ich als Vermittler ebenso dabei, wie bei der Suche eines Schulpraktikums oder Ausbildungsplatzes.

Darüber hinaus plane ich auch tägliche Unternehmungen und Projekte, bei denen ich freie Hand habe und auf die Wünsche der Kinder eingehe. Von Bastelarbeiten (Fortnite Bus, hier im Lego-Thread) über Kinobesuche oder "rumhängen" im Einkaufszentrum oder der Besuch einer Sportgruppe - es ist unheimlich vielfältig.

Durch mein Hobby, dem Golfen, habe ich ein vergleichsweise gutes Netzwerk und bessere Möglichkeiten, um über diesem Weg ebenfalls zu agieren. Fahrten mit Ferrari und Co, ein Besuch im örtlichen PorscheZentrum oder ein kostenloser Tag auf dem Golfplatz sind Dinge, die die Kinder zwar genießen aber noch wichtiger, die sie im Augenblick wieder Kind sein lassen.

Was mir an meiner Tätigkeit gefällt sind die Situationen, die ich mit den Kindern und Jugendlichen erlebe. Sei es die Reaktion, wenn sie das erste Mal in einer Autowäsche sitzen oder sie mich in ihre Gedankenwelt lassen. In wen sie verliebt sind oder was sie sonst so beschäftigt. Sie drücken mir die Daumen, wenn ich zum Zahnarzt muss und fordern gleichzeitig, dass ich als Erster mit dem selbstgebauten Lenkschlitten fahren muss.

Andererseits verschmelzen oft berufliche und private Grenzen. So zeigen die Kinder natürlich Interesse am Leben von meiner Frau und mir, was selbstverständlich normal ist.

"Was bekommt Dein Sohn zum Geburtstag?"

"Wohin fahrt ihr in den Urlaub?"

und, und, und...

Neben dem Zocken fahre ich noch MTB Downhill, bin begeisterter Autotuningfan und habe mit meiner Frau 3 gemeinsame Kinder. Diese Sachen helfen mir in verschiedensten Situationen beim "Mitreden" mit den Kindern, so dass man immer komplexe Schnittstellen findet.

Der größte Nachteil - oder besser, die Herausforderung - ist für mich(!) , dass ich meinen Beruf nicht mit nach Hause nehme. Meine Eselsbrücke ist die Brücke über die Elbe, die gleichzeitig mein Arbeitsweg ist. Alle Gedanken bleiben beim Überqueren dann auf Arbeit. Das gelingt natürlich nicht immer! Denn meine Kinder (aktuell 11,15,19) decken altersmäßig immer ein Kind von Arbeit ab. Ich vergleiche dann zwangsläufig.
Die Gründe für eine Aufnahme in unsere Einrichtung, auch wenn sie oft schlimmst sind, teilweise auch sichtbar, beschäftigen mich dabei weniger. Es sind vielmehr Kleinigkeiten, die länger nachhallen.
So gab es ein Mädchen im Grundschulalter, welches auf Grund von Verwahrlosung gemobbt wurde. Ich freute mich daher riesig, als sie nach einiger Zeit ihren Freundschaftsring zeigte. Als ich fragte, von wem der Ring sei, sagte sie, dass sie ihn sich selbst geschenkt habe. Das hat mich schon sehr bewegt und da gab und gibt es viele Kleinigkeiten, die sich immerwieder mal in den Kopf schleichen.
Doch das eigene soziale Umfeld und Hobbys helfen mir und meiner Psyschohygiene. Ist aber natürlich rein subjektiv. Denn Jeder geht anders damit um.

Vom Gehalt her und den Benefiz bin ich sehr zufrieden, sehe mich überdurchschnittlich! Weiter- und Fortbildungen sind jährlich gewünscht und ausgeschrieben.
Nicht schön reden kann ich die recht hohe Influktion der Betreuer, welche durch die 24/7 Schichten begründet sind.

Ja, dann Dankeschön an Jeden, der bis hier hin gelesen hat. War dann doch mehr, als ich gedacht habe :lol:.


:troest:
 
Dafür kann ich es ganz kurz machen :D

Nach meiner 3-jährigen Ausbildung zum Groß- & Außenhandelskaufmann habe ich nur ganze 2 Jahre angestellt gearbeitet.
Dann vor mittlerweile 31 Jahren :schock: aus dem Wohnzimmer heraus selbständig gemacht und nie mehr zurückgeblickt!

Vorteile: sein eigener Chef sein und was bewegen können und auch müssen...;)

Nachteile: alle die halt mit einer Selbständigkeit verbunden sind.

Trotzdem würde ich es IMMER wieder so machen!
 
Riesen Respekt an dich Camper.
Zu meinen Job kann sich jeder denken - Bezahlung schlecht. Arbeitszeiten schlecht. Kunden schlecht. Verkauf eben :D - hätte ich in der Schule besser aufgepasst und wär nicht so ne labertasche würd ich heut was anderes machen. Aber ich mache mein Job gut. Er macht in Teilen Spaß. Was anderes kann ich auch nicht. Vllt Immos verhökern, der Sprung dahin ist mir aber zu weit und zu spiessig.
 
Gute Bezahlung hätte ich jetzt nicht erwartet in dem Berufsfeld. Ist das nicht die Branche, die gefühlt immer am wenigsten bezahlt bekommt neben den Friseuren?
 
Bin gelernter Altenpfleger

Vorteile: Zumeist nette Menschen denen ich helfen darf, gute Bezahlung, erfüllend

Nachteile: Arbeitszeiten aus der Hölle, unterbesetztes Personal, undankbare Klienten (also die, die ihre Omas bei uns abladen) können echt anstrengend sein manchmal.
Gute Bezahlung? Gefühlt hört man nur das solche Berufe unterbezahlt sind
Das mit der Pünktlichkeit, der heutigen Jugend, kann ich bestätigen. Es hätte damals zu meiner Zeit erheblichen Ärger gegeben wegen Pünktlichkeit. Heute allerdings kann man froh sein wenn sich ein Azubi vernünftig artikulieren kann und nicht 24/7 am Handy hängt. Es gibt aber auch Ausnahmen und wenn dir dein Job ansonsten Spaß macht ist es doch in Ordnung.

Das mit der Lautstärke kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich bin über die Jahre auch empfindlicher geworden was laute Geräusche betrifft.

Ich habe in dem anderen Thread gelesen was du verdienst. Ich empfinde das ist etwas zu wenig für das was du machst. Ich hab zwar Schichten und kann mir aussuchen am Wochenende zu arbeiten (WE arbeiten bedeutet nochmal ganz andere Bezahlung da Stundenlohn am WE viel höher ist) und teilweise fliege ich ca. 10 mal im Jahr in andere Büros nach Barcelona, München usw. Und arbeite von dort aus im Büro. Das bedeutet dann schon mal 2-3 Wochen jedesmal nicht zu Hause und Leben im Hotel 20-30 Wochen lang.

Mir macht das alles aber mehr als nur Spaß und wenn ich dein Gehalt noch richtig im Kopf habe dann habe ich letzten Monat ca. das doppelte an Netto raus gehabt. Deswegen war ich über dein Gehalt sehr verwundert und hätte echt gedacht das man als Apprentice Trainer mehr verdient.
Jepp. Pünktlichkeit ist ein echtes Problem. Nicht bei jedem Azubi aber die Zahl derer die ihre Pause meinen "ausdehnen" zu müssen und sagen wenn sie 15 Minuten zu spät kommen das es ja nicht schlimm ist, ist definitiv höher. Generell muss ich auch sagen dass das Niveau vieler Azubis einfach runter gegangen ist, massiv. Ich hatte zb in einem Lehrjahr zwei drin die sorry, zu blöde waren eine Schippe zu halten. Als dann Zwischenprüfung war und der Firmenchef dabei war und sich das anschauen wollte hab ich gefragt wieso er die überhaupt eingestellt hat. Seine simple Antwort: "vor zehn Jahren hatte ich für 4 Stellen 20 Bewerber und konnte mir die besten raus suchen. Heute hab ich auf vier Stellen drei Bewerber und muss nehmen was kommt weil keiner einfach mehr ein Handwerk lernen will." Er meinte das er die die er heute irgendwie nehmen muss damals sofort nach Hause geschickt hätte und das geht anderen Firmen auch so. Vor sechs Jahren haben die Firmen den Anreiz gestellt dass wenn du mit zwei bestehst einen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommst, heute wollen und hoffen die nur das die bestehen, "gerade biegen wir uns die draußen irgendwie". Also selbst die Firmen müssen ihren Anspruch runter schrauben weil ein sehr großer Teil einfach gar kein Bock hat oder einfach zu blöde ist. Und das finde ich krass. Und ich rede da von einer Entwicklung in wie gesagt nur von ca 6 Jahren
 
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Hey Ho, Ihr Arbeitnehmer :D!

Heut war ich, nach 3 Wochen Sommerurlaub, den ersten Tag wieder auf Arbeit.
Das habe ich extra so gelegt und mache das, damit ich gleich wieder Wochenende habe - als sachten Einstieg sozusagen.

Dank Guiness Buch habe ich keine Probleme einzuschlafen, ich schlafe aber unruhiger und im Gegensatz zum Urlaubsmodus nie durch. Obwohl ich etwas vor 6:00 aufstehe, war ich seit kurz nach 3:00 wach.
Kopfkino ist übertrieben, doch gedanklich bin ich dann bei Dingen, Kindern oder vergangenen Situationen. Das ist zwar eine Ausnahme, da ich recht gut abschalten kann. Doch wenn ich längere Zeit nicht in der Einrichtung war, dann ist das bei mir so.

Glücklicherweise sind all meine Lieblingskinder noch da. Lieblingskinder hört sich bestimmt merkwürdig an, doch es ist so. Dies entwickelt sich recht schnell und beruht nicht auf Äußerlichkeiten, Hintergrund oder Misshandlung.
Die Weiterführung aus der Inobhutnahme in andere, teils bundesweite Einrichtungen, ist nämlich nicht planbar und vollzieht sich unvorhergesehen binnen weniger Tage - inklusive Schulwechsel. Das ist schon sehr, sehr heftig. Ich bin oft bei einigen Abschieden in den Schulen dabei, es ist sehr emotional! Freunde, Lehrer, auch bei mir fließen dann Tränen, wenn man das sieht. Es berührt mich schon. Die Kinder können nichts dafür, stellen unverschuldet ihr kleines, junges Leben radikal um, weil Eltern rigoros versagt haben.

Daher war ich heute froh, wurde freudig begrüßt und der Arbeitstag hätte mit 15 Stunden immernoch zu wenig gehabt.
 
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