BIOWARE IS BACK!
Nach 10 Jahren Pause hab ich endlich wieder Interesse an einem Bioware Spiel gehabt. Wahnsinn! Soll Inquisition wirklich schon 10 Jahre alt sein? Und es ist! Viele können Inquisition nicht so viel abgewinnen, was ich nicht nachvollziehen kann. Das kann ich eher bei Werken wie Andromeda oder Anthem. Die ließen mich richtig kalt.
Aber warte! Es geht hier um The Veilguard. Sogar ich hab mich vorab kurz aus dem Konzept bringen lassen durch irgendwelche Schlaufüchse, die behaupteten, dass in Veilguard im gesprochenen Wort gegendert wird. Das hat sich zum Glück als Bullshit herausgestellt. Weil ich nichts handfestes dazu gefunden hatte, hab ich doch vorbestellt und es hat sich gelohnt.
Der Editor
Hier fing der erste Spaß an. Man kann, wie üblich, Geschlecht, Gesicht, Haare, Klasse, Rasse und viel mehr anpassen. Aber man merkt hier schon, dass die Charaktere richtig authentisch aussehen. Nehmen wir mal Mass Effect als Beispiel. Alles andere als der Standard Commander Shepard fügte sich nicht richtig in die Welt ein. Nicht so hier mit Rook. In keiner Bewegung, in keinem Gesichtszug wirkt hier etwas deplatziert beim erstellten Charakter.
Und was ich richtig cool fand, war, dass man sich noch nen Inquisitor basteln konnte. Da ich meinen alten PS4 Spielstand nicht mehr habe, war ich dankbar auf die Schnelle ne ähnliche Inquisitorin zu basteln und Rahmenbedingungen der Story zu wählen.
Rook, ihre Gruppe und der Charakter des Spiels
Vorab: Ich liebe Rook. Ihre Stimme, ihre wehenden Haare beim Laufen, ihre liebe Art, ihre Sprüche. Es ist alles auf den Punkt getroffen.
Auch ihre Gruppe ist sehr gut getroffen. Alle sehen schön markant aus, haben ihre Geschichte. Ihre Sorgen und Nöte interessieren mich immer mehr, je besser ich sie kennen lerne. Besonders Bellara hat mich mit ihrer lieben und tollpatschigen Art angesprochen - auch wenn ich mich für eine Liebesbeziehung für Neve entschieden habe.
Der Ton des Spiels ist ziemlich lieb. War Dragon Age früher blutig, dreckig und manchmal charakterlich gemein ist hier von Veilguard keine Spur mehr. Auch wenn ich es ziemlich feiere, dass das Spiel sich traut mal nicht alles Scheiße sein zu lassen, wirkt diese Liebheit an manchen Stellen etwas unehrlich und deplatziert.
Es gibt drei Stellen im Spiel, wo ich mir auch echt an den Kopf gefasst habe. Ich werde das nicht näher ausführen. Es war Bioware offenbar sehr wichtig, das so zu bringen. Joa, Haterfutter. Insgesamt dürften das aber nur 10-15 Minuten für einen Spieldurchlauf sein. Wer das nimmt um ein Spiel zu meiden, tut mir leid.
Was ich dem Spiel ankreide ist, dass wiederkehrende Charaktere aus den Vorgängern bis auf Solas viel zu kurz kommen.
Auf jeden Fall kann ich aber sagen:
ICH HABE NEVE GALLUS GEKÜSST!!!
Story und Quests
Obwohl man für die Story keine wirklichen Vorkenntnisse braucht, sind diese aber stark von Vorteil, da man sehr davon beeinflusst im Verhalten zu Solas ist, wenn man ihn aus dem Vorgänger kennt. Auch schadet es nicht Varric oder Morrigan zu kennen. Wobei Morrigan IMO charakterlich echt schlecht getroffen ist. Aber gut, Veilguard will ja ganz lieb sein
Zur Story möchte ich gar nicht wirklich was schreiben, weil diese in Bioware Spielen eher existieren um den Rest wie Quests und Charaktere darum zu schmücken. In Veilguard ist die Ausgangslage eben sehr interessant.
Die Nebenquests selber sind im Nachgang irgendwie auch kaum interessant gewesen - selbst die größeren. Es ist die Entwicklung der Gruppe gewesen, die durch die kurzweiligen Quests belohnt wurde.
Man war irgendwie immer sehr schnell bei der Quest, die hatten ne angenehme Länge und dann wurde man belohnt. Aber wirklich was behalten hab ich nicht so viel. Da waren die Vorgänger prägnanter.
Hierdurch hat das Spiel aber eine ganz tolle Suchtspirale entwickelt: Nur noch eine Quest, ach komm, noch ein ein Gespräch, na gut, noch eine Quest, noch die Ecke da erforschen...
Gameplay
Hier wurde gepolished was das Zeug hält. Rook macht immer exakt was man eingibt. Egal ob im Kampf oder in ruhigen Passagen. Wenn ich doch mal ungewollt aber agil über ein Hindernis geslidet bin, lag es daran, dass ich mit Speed darauf zugelaufen bin.
Kernstück des Gameplays liegt aber in den Kämpfen und die haben mir verdammt viel Spaß gemacht. Mit einer Magierin die Wahl zwischen Nahkampf mit Orb und Dolch oder Fernkampf mit Stab zu haben ist schon mal ziemlich sexy. Dann noch Spezialattacken, die man entweder im richtigen Moment oder in Kombination mit den Partnern anwendet ist ziemlich cool. Da ich selber nicht geheilt habe, hatte ich immer mindestens oder meistens einen Heiler dabei.
Manche Elemente im Gameplay haben mir aber wirklich nicht gefallen. Ich sag nur Verderbnis und Kristalle. Man kann sowas ja von mir aus ein paar Mal ins Spiel bringen. Aber diese Quantität war einfach überflüssig. Klar, meist hat man sich da schnell durchgewühlt - manchmal halt aber auch nicht.
Loot, Charakterverwaltung, Skillbäume, Upgrades. War alles gut funktional und zweckmäßig - aber auch nicht herausragend.
Grafik und ihre Pracht im Design
Hier trumpft Veilguard auch noch mal auf. Grafisch ist das Spiel auf einem sehr hohen Niveau, auch wenn man das im ersten Moment auf Youtube nicht sieht.
Es läuft alles auch im Quality Mode absolut flüssig. Es ruckelt nix und es clippt nix.
Ich hab ja schon das Charakterdesign angesprochen, aber auch das ganze Drumherum ist schön. Hier ein Turm, da eine Klippe, noch eine tolle Lichtstimmung...
Und wenn ich schon bei Stimmungen bin, will ich noch anmerken, dass die verschiedenen Locations ihre eigenen Stimmungen mitbringen. Wirkt eine Stadt auf den ersten Blick schön bunt und fröhlich, wird der nächste Ort beklemmend und wieder ein anderer richtig schön.
Sound, Musik, Sprache
Es gibt ja die Spiele, bei denen man unbedingt einen Kopfhörer tragen sollte. Veilguard gehört mMn nicht dazu. Mir hat es mit meinem Soundsystem viel besser gefallen, weil das Game sehr von seiner Klangdistanz lebt. Kampfgeräusche und Ambient hat mir sehr gut gefallen.
Die deutsche Sprachausgabe hat tolle Stimmen geboten. Man hat hier sehr sauber und hochwertig eingesprochen.
AAAAABER was zum Geier hat man sich mit diesem spanischen Akzent gedacht? Das klingt ja einfach nur schrecklich. Im englischen haben die das ganz gut hinbekommen, aber Lucanis & co auf Deutsch tun schon weh.
Die Musik war immer präsent und dudelte vorsichtig vor sich hin. Man hat doch schon einen Hans Zimmer an Bord. War ehrlich gesagt noch nie ein großer Fan von ihm und weiß nicht wie tief er involviert war. Mir ist die Musik aber nicht prägnant genug. Die Musik war einfach da ohne Charakter oder Wiedererkennungswert zu haben.
Es gab 2 Musikstücke, die mir insgesamt gefallen haben und eins davon fand ich richtig geil. Das war bei nem Bosskampf aus Stein.
Trophäen:
Das Erspielen der Trophäen macht zum Großteil sehr viel Spaß und einiges erledigt sich auch von selbst, wenn man aufmerksam durch die Gebiete läuft. Toll finde ich auch, dass, wenn man alles richtig macht ein Spieldurchgang ausreicht um folgendes zu erhalten...
Fazit:
Mir hat Veilguard richtig gut gefallen. Die Leichtigkeit und gute Laune in so einem RPG war mal ne wohltuende Überraschung - auch wenn ich die dadurch resultierende Entscheidungsfreiheit schmerzlich vermisst habe. In manchen Situation wäre ich doch gern mal ein Arschloch oder was konsequenter gewesen. Ist aber voll okay und hat hier auch prima reingepasst. Mass Effect 5 darf und soll aber bitte wieder ernster und nicht so nett sein.
In meiner 82 stündigen Spielzeit hatte ich keinen einzigen Bug. Hierfür gibt es gleich mal nen dreifachen Beifall von mir für Bioware. Ihr habt mit diesem tollen Spiel nach 10 Jahren endlich wieder abgeliefert. Danke dafür.
Veilguard liegt in einem für mich starken Jahr 2024 auf Platz 3 bisher hinter Stellar Blade und Granblue Fantasy Relink
Ich gebe 88/100