Foren Aktuelles Erstellen Mitglieder Anmelden

Der Politikthread (1 Betrachter)

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Arschlöcher gibt's überall. Und bei Unternehmen, die nicht in prekären Bereichen wie Reinigung etc. angesiedelt sind rächt sich so eine Personalpolitik irgendwann auch mal. Aber natürlich darf ein Unternehmer und/oder die Geschäftsleitung deutlich mehr verdienen als jeder normale Mitarbeiter. Deswegen führen sie ja das Unternehmen (oder haben es gar gegründet, wobei das in Deutschland ja immer seltener der Fall ist), tragen die Risiken und die Verantwortung für das Wohlergehen vieler Menschen.
Wer sich (verständlicherweise) für die Sicherheit eines Angestelltenjobs entscheidet, der muss halt auch damit leben, dass man nicht annähernd so viel verdient wie eine Unternehmensleitung und Geschäftsführung.

Natürlich soll der Unternehmer auch entsprechend gut verdienen. Wie gesagt bin ich ja der Meinung, dass ich auch gut genug verdiene. Aber es sind halt die Relationen. Da ist das bei uns noch "relativ" genügsam. Wenn du aber die Zahlen kennst und sie dir dennoch vorjammert, dass sie den MA keinen Inflationsausgleich zahlen kann, vermutlich weil sie denkt, dass ich nicht rechnen kann, dann zuckt mir schon etwas das Auge...
Und bei den größeren Unternehmen, wo der Vorstand Millionen kassiert, brauchen wir nicht anfangen. Das steht dann in keiner Relation mehr, wenn die Mitarbeiter dagegen überlegen müssen, ob es für sie nicht besser wäre, Bürgergeld zu empfangen.

Und letztendlich ist die eigene Arbeit eine Leistung die man anbietet und der Arbeitgeber ist eigentlich der Arbeitnehmer. Nicht jeder kann seinen Job einfach wechseln, nicht in jeder Region kann man einfach den Job wechseln, aber viele von denen die jeden Monat jammern könnten es und sind nur zu bequem, es anzugehen, denn das wäre ja Veränderung und ein gewisser Aufwand.

Umso fataler wäre es, wenn wie in Italien das Bürgergeld wegfallen würde. Wenn ich in einem Bereich arbeite, indem ich nicht mal eben wechseln kann, oder Ortsgebunden bin, oder wie auch immer und mein Job fällt weg, dann steh ich in Italien komplett mittellos da. Zum Glück ist das in Deutschland noch nicht so, aber solche Menschen trifft ja auch die Debatte rund um die Erhöhung des Bürgergelds. Denn ob ich nun gar nichts bekomme oder "zu wenig", es ist beides würdelos.
 
Was ist denn "zu wenig"? Meine ehemalige 60+ jährige Nachbarin war aus UK und lebte in Hamburg von Bürgergeld. Die hatte/hat ne kleine Wohnung in Othmarschen, einem der besten Stadtteile Hamburgs. Sie konnte sich alles leisten was man zum Leben brauchte und alle Gesundheitsprobleme werden von der gesetzlichen Krankenversicherung aufgefangen.

Bei meinen Eltern in der Straße lebt ne fünfköpfige Familie aus dem Irak und was die beim Amt abgezogen haben müssen bzw wie die das bescheißen müssen um so zu leben ist ne Geschichte für sich.

Ich denke ne Grundsicherung ist schon lange vorhanden und alles darüber muss man sich leisten können. Für eine komplette Abschaffung bin ich natürlich auch nicht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Das es Leute gibt, die das System ausnutzen, wird immer so sein. Egal ob im Berufsleben, oder bei Sozialleisungen: Dreistigkeit siegt. Die sich an Regeln halten und bescheiden sind, werden immer die sein, die in die Röhre schauen, aber die darf man nicht vergessen, bei dem Ganzen.

Ich kenne auch ein Pärchen, haben sich "scheiden" lassen, leben aber noch zusammen und ziehen fürs Jugendamt ein Schauspiel ab, nur um mehr Kohle abgreifen zu können. Und das erzählen die einem auch noch brühwarm, weil die ganz genau wissen, dass der Staat da nix machen kann.
 
Ich beobachte bei Themen wie Bürgergeld auch einen normativen Konflikt zwischen der politischen "Rechten" (im wirtschaftlichen Sinne) und der Linken: Die Rechten wollen gerade so viel Sozialstaat zur Verfügung stellen, dass man überlebt - Bürgergeld soll aber nicht dafür da sein, um den Theaterbesuch oder einen Wochenendausflug zu finanzieren. Die linke Seite hingegen wünscht sich, dass der Sozialstaat volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht inkl. Sportverein für die Kinder etc.

Beide Seiten ziehen dann schnell Einzelfälle hervor, die zu ihrem Narrativ passen. Hier Arno Dübel, Deutschlands "dreisteter Arbeitsloser", dort die Kinder einer alleinerziehenden Mutter, die ja nicht für die wirtschaftliche Lage ihrer Mutter können. Das Problem ist aber: In unserem komplexen System kommen halt beide Fälle vor. Daher würde ich mir wünschen, wenn wir über das Ziel von Sozialleistungen sprechen würden, nicht über die Höhe. Hat z.B. das Bürgergeld zum Ziel, das nackte Überleben sicherzustellen (Wohnung, Heizung, Mahlzeit?). Oder soll Bürgergeldempfängern soziale Teilhabe ermöglicht werden, wohl wissend, dass einige das System ausnutzen und andere, die unverschuldet drinstecken, sehr dankbar eine Verbesserung ihrer Situation wahrnehmen?
 
Ich beobachte bei Themen wie Bürgergeld auch einen normativen Konflikt zwischen der politischen "Rechten" (im wirtschaftlichen Sinne) und der Linken: Die Rechten wollen gerade so viel Sozialstaat zur Verfügung stellen, dass man überlebt - Bürgergeld soll aber nicht dafür da sein, um den Theaterbesuch oder einen Wochenendausflug zu finanzieren. Die linke Seite hingegen wünscht sich, dass der Sozialstaat volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht inkl. Sportverein für die Kinder etc.

Beide Seiten ziehen dann schnell Einzelfälle hervor, die zu ihrem Narrativ passen. Hier Arno Dübel, Deutschlands "dreisteter Arbeitsloser", dort die Kinder einer alleinerziehenden Mutter, die ja nicht für die wirtschaftliche Lage ihrer Mutter können. Das Problem ist aber: In unserem komplexen System kommen halt beide Fälle vor. Daher würde ich mir wünschen, wenn wir über das Ziel von Sozialleistungen sprechen würden, nicht über die Höhe. Hat z.B. das Bürgergeld zum Ziel, das nackte Überleben sicherzustellen (Wohnung, Heizung, Mahlzeit?). Oder soll Bürgergeldempfängern soziale Teilhabe ermöglicht werden, wohl wissend, dass einige das System ausnutzen und andere, die unverschuldet drinstecken, sehr dankbar eine Verbesserung ihrer Situation wahrnehmen?

Für mich ist die Antwort klar, so wie wahrscheinlich für viele auf der anderen politischen Seite. Die Sozialhilfe war imo schon lange genug um beides zu gewährleisten. Über Anpassungen für Alleinerziehende kann man immer reden, aber das mit den Kindern ist halt auch son Punkt. Der Staat könnte soziale Teilhabe auch anders ermöglichen als den Eltern extra Geld zu überweisen, ohne zu wissen ob auch nur ein Cent beim Kind ankommt...
 
Für mich ist die Antwort klar, so wie wahrscheinlich für viele auf der anderen politischen Seite. Die Sozialhilfe war imo schon lange genug um beides zu gewährleisten. Über Anpassungen für Alleinerziehende kann man immer reden, aber das mit den Kindern ist halt auch son Punkt. Der Staat könnte soziale Teilhabe auch anders ermöglichen als den Eltern extra Geld zu überweisen, ohne zu wissen ob auch nur ein Cent beim Kind ankommt...

Was ist "genug"? Ich glaube die Menschen die von Armut betroffen sind und Bürgergeld empfangen, haben eine andere Definition davon. Die Zahlen für das "Existenzminimum" zieht sich der Staat ja auch nicht aus dem Allerwertesten. Ich käme mit dem Regelsatz nicht hin, selbst wenn Miete, etc. übernommen werden würde. Da müsste ich mega sparen und am Ende würde dennoch nicht viel übrigbleiben. Das Experiment will ich lieber nicht wagen. Wenn ich mir dann vorstelle, dass ich darauf angewiesen wäre, wäre ich für jeden Cent mehr unglaublich dankbar.

Die Idee mit den "Gutscheinen" oder whatever für Kinder ist prinzipiell erstmal OK, aber dabei muss man auch bedenken, dass Kinder in der Regel diese Gutscheine ja auch nicht direkt bekommen, sondern die Eltern und diese müssen sie dann mit ihren Kindern gemeinsam einlösen. Wenn die Eltern aber keinerlei Interesse daran haben...Eine wirklich perfekte Lösung wird man dafür nicht finden.
 
Was ist "genug"? Ich glaube die Menschen die von Armut betroffen sind und Bürgergeld empfangen, haben eine andere Definition davon. Die Zahlen für das "Existenzminimum" zieht sich der Staat ja auch nicht aus dem Allerwertesten. Ich käme mit dem Regelsatz nicht hin, selbst wenn Miete, etc. übernommen werden würde. Da müsste ich mega sparen und am Ende würde dennoch nicht viel übrigbleiben. Das Experiment will ich lieber nicht wagen. Wenn ich mir dann vorstelle, dass ich darauf angewiesen wäre, wäre ich für jeden Cent mehr unglaublich dankbar.

Die Idee mit den "Gutscheinen" oder whatever für Kinder ist prinzipiell erstmal OK, aber dabei muss man auch bedenken, dass Kinder in der Regel diese Gutscheine ja auch nicht direkt bekommen, sondern die Eltern und diese müssen sie dann mit ihren Kindern gemeinsam einlösen. Wenn die Eltern aber keinerlei Interesse daran haben...Eine wirklich perfekte Lösung wird man dafür nicht finden.

Man soll ja auch sparsam leben müssen und nicht mit hochgelegten Beinen...

Gutscheine sind auf jeden Fall eine viel bessere Lösung. Zumal man diese auch auf ihre Einlösung tracken und zur Not zuständige Ämter kontaktieren kann, wenn diese nicht eingelöst werden (zum Unwohl der Kinder).
 
Wenn die Eltern kein Interesse daran haben ist eh nicht mehr zu helfen, aber dann kostet es den Steuerzahler wenigstens kein zusätzliches Geld, das die Eltern dann verbraten.

Aha, da Gutscheine kein Geld kosten?

Man soll ja auch sparsam leben müssen und nicht mit hochgelegten Beinen...

Es geht doch nicht darum mit "hochgelegten Beinen" zu leben, sondern einfach frei und selbstbestimmt leben zu können. Ich war schon über einen längeren Zeitraum sehr von meiner finanziellen Situation belastet, als meine Frau noch studiert hat und keinerlei staatliche Förderung bekommen hat. Da war das Konto schon mal im Minus und was das mental mit einem macht, darf man nicht unterschätzen. Es geht auch darum, dass man sich nicht jeden Monat die Frage stellen muss, ob man sich jetzt mal schnell nen Döner holen kann, oder doch lieber drauf verzichtet, weil man sonst wieder kein Geld für was anderes hat. Oder ob man jetzt zum 3. Mal seinen Freunden absagen muss und nicht mit ins Kino gehen kann, weil man sonst wieder auf eine Mahlzeit verzichten müsste.

Gutscheine sind auf jeden Fall eine viel bessere Lösung. Zumal man diese auch auf ihre Einlösung tracken und zur Not zuständige Ämter kontaktieren kann, wenn diese nicht eingelöst werden (zum Unwohl der Kinder).

Das stimmt, das wäre natürlich gerecht, aber leider verwaltungstechnisch nicht zu stemmen, befürchte ich.
 
In den USA gibt es das. Die Leute, die das System tatsächlich verarschen wollen, verkaufen die Gutscheine dann mit Abschlag vorm Supermarkt gegen Bargeld.

Lebensmittelgutscheine machen in meinen Augen auch einfach überhaupt keinen Sinn und greifen selbst mir zu sehr in die Mittelverwendung ein. Aber Gutscheine für Kinder für Schwimmbad, Kino, kulturelle Veranstaltungen, schulische Veranstaltungen etc. würde ich deutlich positiver sehen.
 
Es geht doch nicht darum mit "hochgelegten Beinen" zu leben, sondern einfach frei und selbstbestimmt leben zu können. Ich war schon über einen längeren Zeitraum sehr von meiner finanziellen Situation belastet, als meine Frau noch studiert hat und keinerlei staatliche Förderung bekommen hat. Da war das Konto schon mal im Minus und was das mental mit einem macht, darf man nicht unterschätzen.

Meiner Ansicht nach sollte die Sozialhilfe nicht mehr als Miete, Essen und die Krankenversicherung abdecken. Allein schon aus Fairness gegenüber der arbeitenden Bevölkerung. Wenn man mehr möchte, muss man sich halt einen Job suchen. Und auch während eines Studiums kann man bspw. einen Studienkredit aufnehmen oder schlicht einen Studentenjob nebenher machen. Hab ich auch gemacht. Aber immer diese Erwartung, dass einem alles geschenkt wird ist einfach nur absurd.

Der Leistungsgedanke ist in diesem Land viel zu sehr abhanden gekommen. Den Leuten geht's echt zu gut.
 
Das mag deine Meinung sein, wäre aber verfassungswidrig. Vgl. bspw. https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/recht-a-z/323361/existenzminimum/

Genau, finde den Fehler! Bei Kleidung und Hygiene gehe ich sogar noch mit, aber ganz sicher nicht bei Freizeitaktivitäten oder ähnlichem.

Btw:

"Islamverbände kritisieren CDU-Grundsatzprogramm"

Quelle: https://www.welt.de/politik/deutsch...mverbaende-kritisieren-Grundsatzprogramm.html


Im Grunde ein Ritterschlag für das neue Grundsatzprogramm und der Beweis, dass Merz auf dem richtigen Weg ist :ugly:. Wenn die CDU nun noch eine Koalition mit Rot/Grün ausschließt, gibts bei der kommenden Wahl womöglich sogar die absolute Mehrheit.
 
Meiner Ansicht nach sollte die Sozialhilfe nicht mehr als Miete, Essen und die Krankenversicherung abdecken. Allein schon aus Fairness gegenüber der arbeitenden Bevölkerung. Wenn man mehr möchte, muss man sich halt einen Job suchen. Und auch während eines Studiums kann man bspw. einen Studienkredit aufnehmen oder schlicht einen Studentenjob nebenher machen. Hab ich auch gemacht. Aber immer diese Erwartung, dass einem alles geschenkt wird ist einfach nur absurd.

Der Leistungsgedanke ist in diesem Land viel zu sehr abhanden gekommen. Den Leuten geht's echt zu gut.

Frei nach dem Motto: zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.

Ich hoffe für dich, dass du nie in die Situation kommst, auf Sozialhilfe angewiesen zu sein.

Btw: "Fair" wäre es, wenn man nicht immer darüber diskutieren würde, ob Bürgergeldempfänger zu viel bekommen, sondern warum Arbeitnehmer zu wenig bekommen...
 
Zuletzt bearbeitet:
Was ist "genug"? Ich glaube die Menschen die von Armut betroffen sind und Bürgergeld empfangen, haben eine andere Definition davon. Die Zahlen für das "Existenzminimum" zieht sich der Staat ja auch nicht aus dem Allerwertesten. Ich käme mit dem Regelsatz nicht hin, selbst wenn Miete, etc. übernommen werden würde. Da müsste ich mega sparen und am Ende würde dennoch nicht viel übrigbleiben. Das Experiment will ich lieber nicht wagen. Wenn ich mir dann vorstelle, dass ich darauf angewiesen wäre, wäre ich für jeden Cent mehr unglaublich dankbar.

Die Idee mit den "Gutscheinen" oder whatever für Kinder ist prinzipiell erstmal OK, aber dabei muss man auch bedenken, dass Kinder in der Regel diese Gutscheine ja auch nicht direkt bekommen, sondern die Eltern und diese müssen sie dann mit ihren Kindern gemeinsam einlösen. Wenn die Eltern aber keinerlei Interesse daran haben...Eine wirklich perfekte Lösung wird man dafür nicht finden.

Ich glaube, viele können sich dieses Gefühl, das man in der ersten Woche des Monats bereits weiß, das man ab der zweiten oder dritten schon fast kein Geld mehr für ein Brot hat, gar nicht vorstellen.

Mal ganz davon abgesehen, was eine kaputte Waschmaschine bedeuten würde.

Kann letzten Endes irgendwo jeden treffen in Bereiche zu kommen, wo Sozialhilfe ein Segen ist und man dankbar ist, obwohl das Geld nicht mal ausreichen würde, um aktiv am sozialen Leben teilzunehmen.
Bis dahin ist es ja auch ein gewisser Weg.

Fallen ist immer leichter als Aufsteigen. Deswegen finde ich es extrem kurzsichtig, wenn man dort immer weiter kürzen will.

Für Leute aus meinem alten Team, die sowieso schon recht wenig verdienen sorgt sowas für Angst den Job zu verlieren. Geht über das man sich ausbeuten und zugrunde richten lässt, nur weil man trotz Niedriglohn ja doch noch mehr hat, als mit Bürgergeld (und da sowieso noch eine ganze Menge mitkommt).

Das stellen sich einige wohl aus einer privilegierten Position extrem blumig vor und sind wohl auch nahe den Leuten, die denken, Flüchtlinge kommen mit wehenden Fahnen auf einem Partyboot hier an.

Edit: und nicht auszudenken was irgendwann in Richtung Ruhestand kommt, wenn man schon weiß, das man eigentlich nix sparen kann.
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Zurück
Oben