Das Szenario hatte er sicher schon lange im Kopf. Grob geplant sicherlich spätestens seit 2014. Aber so wie die Offensive bisher gelaufen ist, das war ganz sicher nicht geplant, selbst wenn er geahnt hat, dass das vielleicht kein easy Durchmarsch wird. Die russische Armee wird viele Jahre brauchen, um sich davon zu erholen.
Ja, so denke ich das auch.
Putins strategischer Plan sah das schon lange vor.
Die konkrete Umsetzung war so ganz sicher nicht geplant. Dazu gibts zu viele überprüfte Berichte über Treibstoffmangel, desaströse Versorgungslinien hinter der vorrückenden Front, ständig scheiternde Schlachtpläne, miese Ausrüstung, die entweder aus den 70ern kommt oder hanebüchen "modernisiert" wurde, hungernde, verwirrte (weil sie dachten es wäre ein Manöver und/oder dass sie mit Jubel als Befreier begrüßt werden) und demotivierte Soldaten.
Ich denke, es war wirklich als Blitzkrieg geplant. Schnell rein, die Separatistengebiete "befreien", ohne Gegenwehr der überraschten Ukraine nach Kiew vorrücken, Präsident zwingen, eine Kapitulation zu unterschreiben und abzudanken und wieder raus marschieen.
ich hab jetzt schon ein paar Mal gelesen, dass die Korruption ein Mitgrund sein könnte. Russland wollte die Armee in den letzten Jahren modernisieren. Da ist viel Geld geflossen - das aber eher in Superyachten und den Taschen wichtiger Menschen ankam und nicht in Ausrüstung für die Armee. da niemand schuld sein wollte, drang das nie zu Putin vor, der dachte, dass die Armee modern und kriegsbereit ist.
Gestern z.B. Bilder moderner Kampfjets der Russen gesehen, bei denen als Navigation ein handelsübliches (altes) GPS-Ding für Wanderer an das Dashboard montiert war - wieso auch immer. Oder die Tatsache, dass die Russen sich über analoge, unverschlüsselte Funkkanäle unterhalten obwohl sie eigentlich modernen Digitalfunk haben sollten.
Kann auch sein, dass Putin wirklich ein wenig im Gedanken gehalten wird, dass alles nach Plan läuft und die Berichte über das Versagen der Armee an der Front nicht zu ihm dringen. Kann aber auch sein, dass er das weiß und natürlich - starker Mann Image - nicht zugeben wird, dass nicht alles strikt nach Plan läuft.
Aber stimmt natürlich, dass die initialen Vermutungen, Putin sei geistig eingeschränkt eher nicht stimmen oder Wunschdenken sind. Er ist aber so skrupellos, dass es einem schnell wie Altersstarrsinn oder -demenz vorkommen kann.
Eigentlich gab es die ganze Zeit immer Optionen. Bisher hatte man aber nicht nur tatenlos zugeschaut, sondern regelrecht weggeguckt. Man wollte es nicht wahrhaben. Ansonsten hätte man die Ukraine viel früher mit viel besseren Waffen ausstatten können. Zum Beispiel.
Das stimmt absolut, das muss sich die gesamte westliche Politik der letzten 15-20 Jahre vorwerfen lassen.
Natürlich war es initial richtig, dass man versuchte, Russland auf die Seite der westlichen Demokratien zu holen und dass man das über wirtschaftliche Verflechtung macht.
Aber der Überfall auf die Ukraine kommt ja nicht plötzlich aus schönem Wetter heraus. Putin engagiert sich schon seit Jahren in etlichen völkerrechtswidrigen Konflikten, hat oft bewiesen, dass er vor nichts zurückschreckt und im Zweifel mit Desinformation, Propaganda, Hacker- und Digitaler Kriegsführung agiert. Und jedes Mal gab vom Westen einen strengen Blick und dann back to business.
Ja - NATÜRLICH denkt Putin, er kommt damit weiter durch. Einen Menschen wie ihn interessieren scharfe Verurteilungen und ähnliches nicht, solange er keine greifbaren Probleme spürt.
Man hätte schon viel, VIEL früher mit harten Sanktionen agieren müssen, die wirtschaftlichen Verflechtungen schon viel früher auflösen müssen - und sich nicht komplett absurd in die Abhängigkeit von Russland bei einem so essentiellen Wirtschaftsfaktor wie der Energieversorgung begeben dürfen - 2/3 unseres Gases kommt aus Russland und selbst die Grünen geben zu, dass es keine Alternative dazu gibt - wahrscheinlich nicht mal nächsten Winter.
Das hat die Regierung Merkel grandios verbockt - natürlich unter der Vorbereitung des russlandtreuen Schröder vor ihr. Und ja, man hätte es sehen können oder zumindest einen Notausstieg bereit haben können.