Das mag für größere Teile der Bevölkerung zutreffen, jedoch sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass es in der Ukraine keine rechtsextremen Nationalisten gäbe. Die sind ja in den vergangenen 10 Jahren immer wieder in großer Stückzahl aufgetreten und haben auch offen ihre Sympathien mit Nazis und dem Dritten Reich zur Schau gestellt.
Sie sind nach wie vor auch sehr aktiv, was natürlich indirekt auch Putins Argumenten der De-Nazifizierung leider in die Hände spielt. Siehe z.B.
https://apnews.com/article/europe-russia-ukraine-army-world-war-ii-b02c64cf0b3f7cb81c7ddfa12af68217
Ja, das scheint wirklich so zu sein. Ist natürlich kein Grund für Putin so zu agieren wie er es tut.
Aber die Szene gibt es und eine Folge der Waffenlieferungen und natürlich komplett unkontrollierten Waffenausgabe an die Bevölkerung ist, dass die jetzt gelieferten Waffen in Friedenszeiten teilweise bei den Neonazis verbleiben werden.
In dem Aspekt hats dann Gemeinsamkeiten mit Afghanistan. Die wurden in den 70ern auch fleißig vom Westen mit Waffen beliefert, die dann damals nicht absehbar viel später zu anderen Zwecken verwendet wurden.
Ich hoffe, in 10 oder 20 Jahren merkt man nicht auch hier, dass das eine Konsequenz ist.
Ich stehe den Waffenlieferungen mit dem Gießkannenprinzip auch daher ein klein wenig skeptisch gegenüber.
Aber auch davon ab müssen sich die westlichen Länder fragen: Was ist das Ziel dahinter? Denkt man, dass man mit genug Waffenlieferungen irgendwann die Russen dazu bringt zu sagen "OK, kein Bock mehr, wir gehen heim"? Oder wird das nicht dazu führen, dass die Russen mit NOCH mehr Härte vorgehen? Das brutale Vorgehen gegen Zivilisten (das nicht entschuldbar ist!) hängt auch damit zusammen, dass der Krieg nicht nur von Soldaten geführt wird, sondern von allen Personen, die wollen. Da kommt man als Kriegspartei, denen das Kriegsrecht nicht so wichtig ist schon auf den Gedanken mal eben mit schwerer Artillerie in das Wohngebäude zu feuern, aus dem mit nem Gewehr oder Panzerfaust geschossen wurde.
So ein bisschen kommt mir das schon so vor wie ein gegenseitiges Überbieten, wer mehr und bessere Waffen liefern kann. hat schon so ne Dynamik entwickelt, bei der niemand der Depp sein will, der nur Helme schickt (obwohl die auch absolut Sinn machen).
Es ist ne scheiß Situation, weil zugucken auch nicht geht. Obwohl "wir" ja bei noch brutaleren Konflikten in Ländern, die weiter weg sind und die Bevölkerung andere Hautfarben haben, auch gerne mal weg- oder zumindest nicht so intensiv hinschauen. Dann ist auch das moralische Dilemma nicht so schlimm, wenn man die fliehende Bevölkerung abweist oder im Mittelmeer ersaufen lässt.
Das darf man auch nie vergessen. Während jetzt ukrainische Flüchtende (dankenswerterweise) positiv aufgenommen werden und sich die EU-Länder kümmern ist das nichts anderes wie vor ein paar Jahren z.B. mit syrischen Flüchtenden - die teilweise noch deutlich schlimmere Schicksale erleiden mussten.
Aber da waren zu große Teile der Politik und der Bevölkerung gnadenlos