Ich denke mal, mit nur noch wenigen Wochen bis zur Wahl und einem täglich größeren Wahleranteil, der schon per Briefwahl abgestimmt hat dürfte es inzwischen relativ safe sein, dass Scholz der nächste Kanzler wird.
Laschet wankt weiterhin recht unbeeindruckend durch den Wahlkampf, während Scholz seine funktionierende Masche gefunden hat - das muss er nur noch 2-3 Wochen genauso durchziehen.
Und Baerbock wurde ihre Unerfahrenheit und Unbeliebtheit zum Verhängnis, gepaart mit ein paar gut gezielten Schmierkampagnen und Aufgebausche von diversen Medien und sonstigen Akteuren.
Die Frage ist nur, welche Koalition hättens denn gerne. Wenn in der SPD-Führung nur ein Funken Verstand herrscht, klammern sie die Union quasi direkt aus - das wäre quasi ein weiter so, da würden auch die umgedrehten Rollen zu wenig dran ändern. Ich glaube nicht, dass die SPD-Wähler ihr Kreuz für eine "große" Koalition (wir brauchen einen neuen Namen) machen. UNd wenn die Werte so weitersinken bei Schwarz, würde hier nicht mal ne Mehrheit rauskommen.
Ich denke (und hoffe), dass man sich die Linke ernsthaft zur Brust nimmt - zur Not kann man ja auch im Koalitionsvertrag festlegen, dass sie sich aus der Außenpolitik weitestgehend raushalten müssen und ihre Kompetenzen eher im sozialen Bereich ausspielen. Aber vielleicht verstehen sie ja, dass sie Regierungsverantwortung nur bekommen, wenn sie sich ein paar Realitäten stellen - dazu zählt natürlich auch die NATO.
Immerhin ist das afaik das erste Mal, dass eine realistische Koalition unter Einbeziehung der Linken rechnerisch möglich wäre - da können sich langgebildete oppositionelle Phrasen auch mal ändern, wenn man die Chance hat, mit seinen Kernangeboten mitwirken zu können.
Bei den wichtigen Fragen der nächsten vier Jahre - Klimaschutz, Änderungen der Sozialsysteme, Digitalisierung und allg. Modernisierung der Gesellschaft - sehe ich bei RGR einfach die größten Übereinstimmungen bei den drei linken Parteien (mit der Hoffnung, dass Grün und Links die SPD wieder weiter nach links ziehen).
Ich denke nicht, dass Lindner über sein viel zu großes Ego steigen kann und seine schwachsinnigen Kernforderungen in Sachen Steuerlast etc. ablegen könnte. Und irgendwie kann ich mir in vielen Fragen absolut nicht vorstellen, wie die FDP sich auch nur irgendwie der SPD und v.a. den Grünen annähern könnte
Sehr gespannt bin ich auf den Status der Union, wenn das Debakel für Schwarz stattfindet wie es momentan aussieht. Ich vermute, dass Söder schon jetzt bis zur Schmerzgrenze auf seine Zunge beißen muss. Nach der Wahl kann der sich garantiert nicht zurückhalten und muss lautstark betonen, wie viel besser alles mit ihm als Kandidat ausgegangen wäre - womit er auch unstrittig recht hat. Rauft man sich dann wieder zusammen? Oder nutzt man die nächsten vier Jahre für den Aufbau eines CDU-Landesverbandes Bayern?