Ergebnisse
Ziel dieses Berichts war es, zu untersuchen, ob es eine Beziehung zwischen zwei Phänomenen gibt:
1. der aktuellen Ankunft von Migranten und Flüchtlingen aus Nordafrika und Nahost in westeuropäischen Ländern und
2. dem Auftreten antisemitischer Einstellungen und Verhaltensweisen sowie den erfassten Hassverbrechen in diesen Ländern.
Wir ziehen die folgenden Schlüsse aus unseren Forschungsergebnissen:
• MENA-Migranten umfassen eine heterogene Bevölkerung, deren Präsenz in Belgien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und im Vereinigten Königreich stark variiert.
• Juden in den genannten Ländern äußern Besorgnis bezüglich der wahrgenommenen Ausbreitung des Antisemitismus. MENA-Migranten, die aus Ländern kommen, in denen antisemitische Einstellungen weit verbreitet sind, stellen einen Schwerpunkt dieser Angst dar. Die Sorge über den Einfluss der aktuellen MENA-Migranten ist ein Aspekt einer breiteren Unsicherheit, die sich auf Antisemitismus in muslimischen Minderheiten konzentriert.
• Ungeachtet einiger Schwankungen ist die Haltung gegenüber Juden in diesen Ländern überwiegend positiv und verschlechtert sich nicht. Statistiken für gemeldete antisemitische Hassverbrechen und sonstige Vorfälle zeigen keine steigende Tendenz: Sie schwanken in Reaktion auf die periodische Zuspitzung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern. Das Vereinigte Königreich bildet in dieser Hinsicht eine Ausnahme: Hier sind die Zahlen für antisemitische Vorfälle und Hassverbrechen nach 2014 nicht auf die vorherigen Werte zurückgegangen.
• Antisemitische Einstellungen und/oder antisemitisches Verhalten sind in muslimischen Minderheiten sowie unter Personen, die mit rechtsextremen Gruppierungen sympathisieren, unverhältnismäßig stark präsent.
• Im Fall der muslimischen Minderheiten erhalten antisemitische Einstellungen angesichts ihrer eigenen Erfahrungen mit Vorurteilen, Diskriminierung und „vereitelter Integration“ Bedeutung.
• Das Leben der aktuellen Flüchtlinge ist geprägt von Unsicherheit und ihre Priorität besteht darin, sich ein neues Leben aufzubauen. Einige Daten deuten darauf hin, dass antisemitische Einstellungen unter MENA-Flüchtlingen weit verbreitet sind, genau wie positive Einstellungen zu Demokratie, Gleichberechtigung und friedlichem Zusammenleben zwischen Muslimen, Christen und Juden. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass MENA-Migranten auf gesellschaftlicher Ebene bedeutend zum Antisemitismus beitragen.
• Weder die Auswertung der bereits vorhandenen Daten noch der für diesen Bericht durchgeführten Befragungen deutet auf eine bedeutsame Verbindung zwischen den aktuellen MENA-Migranten und dem Ausmaß und der Gestalt des Antisemitismus in Westeuropa hin.
• Antisemitismus ist ein Problem, das der Mehrheitsbevölkerung entspringt und nicht ausschließlich oder sogar überwiegend von Minderheiten herrührt.