Und Dein vergleich da oben spricht Bände und zeigt mir das es genau aif mein beschriebenes Problem hinaus läuft.
Na klar spricht der Vergleich Bände, darum habe ich ihn ja gewählt. Und mit jeder weiteren Auslassung deinerseits bestätigst du meine Aussage.
Ich weiß auch nicht so recht, wo du in deinen Augen ein „Problem beschreiben“ würdest. Alles was du machst ist dich über nicht-binäre Personen lustig zu machen und nicht damit hinter dem Berg zu halten, dass du nicht-binäre Geschlechteridentitäten für ausgemachten Blödsinn hälst.
Deine „Problemanalyse“ besteht darin, nicht die individuellen Erfahrungen und Widrigkeiten in den Lebensläufen nicht-binärer Personen anzuerkennen; für dich besteht das Problem allein darin, dass
du mit solchen Identitäten auch nur im Entferntesten konfrontiert wirst obwohl
du damit gar nichts zu tun haben willst.
Und das ist nunmal 1:1 die ‚Argumentation‘ von jemandem, der „nichts gegen Flüchtlinge hat“, aber tausend Gründe findet warum er keine Unterkunft für Geflüchtete in der Nähe seines Wohnortes haben möchte.
Es ist mir unbegreiflich, wie man ‚ernsthaft‘ davon sprechen kann, man würde nicht-binäre Menschen „unterstützen“ und ihnen seinen „Segen“ zu ihrem persönlichen Glück aussprechen; und gleichzeitig so viel Verachtung und Geringschätzung der Lebensrealität nicht-binärer Menschen zum Ausdruck zu bringen.
Das beginnt damit, dass du ihre Erfahrungen direkt als „Quatsch“ abkanzelst - und wo es aufhört vermag ich gar nicht mal zu sagen, weil ich bei deinen verbalen Backpfeifen den Überblick verliere.
Dazu gehört aber in jedem Fall auch, dass du die ältesten queerfeindlichen Ressentiments bedienst wie z.B. dein Vorwurf, nicht-binäre Menschen würden sich nur mit ihrer Geschlechteridentität beschäftigen weil sie sonst nichts zu tun hätten oder aber auch, dass sie einem „Trend“ hinterherhecheln würden. Wenn das nicht pure Verachtung ist, dann weiß ich auch nicht.
Typisch in deiner ‚Argumentation‘ ist auch die fehlende Bereitschaft einen Perspektivwechsel vornehmen zu wollen und die Uneinsichtigkeit eigener Privilegien.
Ein solches Privileg ist unter anderem, sich nicht mit seiner eigenen Geschlechteridentität beschäftigen zu
müssen (!)*, da diese von Anfang an als richtig erlebt wurde: man erlebt sein eigenes Geschlecht nicht als fremd, sondern als passend. Das heißt, dass du das Geschlecht, dass du an dir wahrnimmst und das andere an dir wahrnehmen, mit dem du angesprochen und adressiert wirst, als dein eigenes erkennst und akzeptierst. Du erfährst dein Geschlecht als diesseitig und zu dir gehörig, du bist
cisgender.
Das anzunehmen ist das einfachste der Welt und sich einmal fünf Minuten Zeit nehmen, das zu reflektieren und zu erkennen, wie viel leichter es ist, eine solche Geschlechteridentität zu haben ist echt nicht viel verlangt.
Denn das Gegenteil dazu ist
transgender, d.h. sein eigenes Geschlecht als jenseitig zu erfahren; dass damit unglaublich leidsame Erfahrungen einhergehen können (zu den unter Umständen auch gehört, mit solch verächtlichen Ein- und Auslassungen wie deinen konfrontiert zu werden) und dass damit ein für das eigene Leben einschneidender (Anerkennungs-)Prozess angestoßen wird, sollte eigentlich nicht allzu schwer nachvollziehbar sein.
Aber klar, man kann sich natürlich auch drüber lustig machen (Tonhöhe, haha) und es als Belästigung markieren, dass man überhaupt mit diesem Thema konfrontiert wird.
Ich könnte auf so vieles noch eingehen, aber ich merke, dass das wohl Zeitverschwendung wäre, weil ich bei dir nicht mal den Ansatz eines ehrlichen Interesses erkennen kann, sich unvoreingenommen mit der Thematik auseinanderzusetzen.
Außerdem hast du dafür ja auch gar keine Zeit in deinem 12-Stunden-Lohnarbeitstag, also machen wir hier besser einen cut.
* Auch hier wieder Parallelen zum Rassismus und zum Rassisten: es ist ein Privileg sich herausnehmen zu können, sich nicht mit Rassismus beschäftigen zu wollen, wenn man 'die richtige Hautfarbe' hat. Menschen, die dieses Privileg nicht haben, werden in ihrem Alltag mit Rassismus konfrontiert und müssen sich allein deshalb unweigerlich damit auseinandersetzen.